Mediziner und Ärztekammer: Teststrategie sollte überdacht werden

Rund 3000 Studenten wurden in Wien mittels eines neuen Antigen-Schnelltests in einem Pilotprojekt auf Corona getestet.

Antigen-Schnelltests können PCR-Tests nicht ersetzen, aber künftig trotzdem hilfreich sein.
© AFP

Von Liane Pircher

Innsbruck – Es war wohl eine der positiven Nachrichten dieser Woche: Rund 3000 Studenten wurden in Wien mittels eines neuen Antigen-Schnelltests in einem Pilotprojekt auf Corona getestet. Binnen 15 Minuten war ein Ergebnis da. Die Hoffnung – vor allem in der Veranstaltungsbranche – auf den Einsatz der Tests war groß. Bringen sie uns neue Freiheit?

Inwieweit solche Tests unser Alltagsleben künftig erleichtern könnten, bleibt derzeit noch offen. Fakt ist, dass Antigen-Tests an und für sich keine neue Erfindung sind, diese gibt es auch für andere Erreger. Man weiß aber, dass sie bei bestimmten Virusinfektionen gut, bei anderen (z. B. Influenza) weniger gut funktionieren. Im Vergleich zu den geläufigen PCR-Tests, die frühestens nach einer Stunde ein Ergebnis liefern, dafür aber präzisere Informationen zeigen, geben solche Antigen-Tests „eine schnelle, grobe Orientierung“, ob jemand mit Corona infiziert sein könnte oder nicht, erklärt Wegene Borena, Leiterin der Virologie, Diagnostik-Labore an der Klinik Innsbruck. Schnelltests könnten dort Sinn machen, wo eine möglichst rasche Risikoeinschätzung notwendig sei. Je nach Sensitivität des Tests besteht aber auch hier das Risiko von falschen Negativ-Ergebnissen.

„Derzeit gibt es noch wenige Daten"

Aktuell würden laufend neue Tests verschiedenster Anbieter auf den Markt kommen, weiß Johannes Möst, Facharzt für klinische Mikrobiologie und Inhaber eines Labors in Innsbruck. Und: „Derzeit gibt es noch wenige Daten. Wir wissen noch nicht, wie gut Antigentests für SARS-COV-2 funktionieren bzw. welche Tests gut wären.“ Aus seiner Sicht könnten Antigen-Schnelltests, wenn sie brauchbare Ergebnisse liefern, auch bei Hausärzten Sinn machen, weil man binnen wenigen Minuten – etwa bei einem Patienten, der im Warteraum Symptome von Covid-19 zeigt – eine erste Orientierung hätte. PCR-Tests seien zwar viel sensitiver, also empfindlicher, aber in bestimmten Situationen sei es sinnvoller, ein schnelles, nicht so sensitives Ergebnis zu bekommen als ein genaues mittels PCR, das (viel) zu spät kommt, so Möst.

Wie zuletzt viele Mediziner und die Ärztekammer plädiert auch er dafür, dass niedergelassene Ärzte Verdachtsfälle testen, also Proben abnehmen, dürfen. Man müsste die Test-Strategie dringend überdenken und Behörden sollten künftig ihre Ressourcen verstärkt für die Nachverfolgung von Kontakten und weniger für das Testen nutzen.

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Mit Häufung der Verdachtsfälle steigen die Wartezeiten bei der Hotline 1450 und das Instandsetzen des damit verbundenen Testprozedere dauert dann oft länger. So berichteten Betroffene, dass sie bis zu zehn Tage auf ein Ergebnis gewartet hätten. Die Labore selbst sind bei PCR-Tests in der Lage, Ergebnisse innerhalb von 24 bis maximal 36 Stunden nach dem Abstrich zu liefern, betont Möst.


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