Von der Festung bis zum Fuhrpark: Die wahren Werte der Tiroler Gemeinden

Alle Tiroler Kommunen mussten ihr Vermögen ermitteln. Unter den Kuriositäten finden sich die Festung Kufstein mit einem Euro oder Schloss Landeck mit einem Wert von 59.000 Euro.

Die Gemeinde Arzl im Pitztal kommt auf einen Gesamtwert von 32 Millionen Euro.
© Paschinger

Landeck, Imst, Kufstein – Auf die Frage, was die eigene Heimatgemeinde wert ist, antworten wohl die meisten mit „unbezahlbar“. Umso interessanter ist eine Erhebung, die derzeit in jeder Gemeinde gemacht werden muss: Für die Eröffnungsbilanz werden nämlich Vermögensaufstellungen des Gemeindeeigentums angelegt – eine Folge der Umstellung der Budget­erstellungen von der Kameralistik auf die doppelte Buchführung.

„Kaufmännisch gesehen ist der Nutzen der kommunalen Vermögensermittlung gleich null.“ So bringt Landecks Stadtkämmerer Walter Gaim die von der EU vorgegebene Erhebung zur Eröffnungsbilanz ab 1. Jänner 2020 auf den Punkt. Aber: „Immerhin haben wir einen gewissen Informationsnutzen zum Anlagevermögen der Stadt.“

Die historische Immobilie Schloss Landeck wird mit 59.000 Euro bewertet.
© Helmut Wenzel

Mit Hilfe des Leitfadens des Tiroler Gemeindedienstleisters GemNova und enormem Zeitaufwand habe man sich durch den Zahlendschungel gekämpft. Neben den Immobilien mussten 1800 bewegliche Dinge bewertet werden, vom Fuhrpark bis zum Feuerwehrschlauch. Aufgeklärt werden konnten, so Gaim, etwa die Gemeindebeteiligungen, deren Wert bislang unklar war. Unterm Strich ergab die „Sisyphusarbeit“, wie in der jüngsten Gemeinderatssitzung festgestellt wurde, ein Vermögen von 71,9 Mio. Euro. „Das ist ein rein buchhalterischer Wert“, erläuterte Finanzreferent StR Herbert Mayer. Die Aussagekraft sei mehr als relativ zu sehen. „Die Stadt kann ja nicht ein Stück Straße verkaufen.“

Ungenauigkeiten gibt es laut Gaim zum Beispiel bei der Grundstücksbewertung. Laut Leitfaden habe man Bauland mit 280 Euro pro Quadratmeter bewertet, der tatsächliche Preis liege jedoch bei 500 Euro. Für Schloss Landeck ist ein Wert von 59.000 Euro ausgewiesen. Liebhaber würden ein Vielfaches bezahlen, wäre die Immobilie tatsächlich käuflich.

Blickt man in die Festungsstadt Kufstein, wird man noch stutziger: Die Festung mit Kaiserturm und Co. schlägt sich dort mit einem einzigen Euro zu Buche. Ein „Erinnerungswert“, da man keine Belege mehr über die Baukosten habe, wie Stadtkämmerer Peter Borchert den Gemeinderäten erklärte. Die getätigten Erhaltungskosten der vergangenen Jahre werden aber berücksichtigt. Im Gesamten kommt die Stadt Kufstein auf knapp 462 Mio. Euro Aktiva.

In der Stadt Imst steht die Eröffnungsbilanz noch aus – Finanzkämmerer Robert Gstrei­n kam in einer ersten Auflistung jedoch schon auf knappe 200 Mio. Euro.

„Überraschend wenig“ sei seine Gemeinde wert, stellt hingegen der Bürgermeister von Arzl i. P., Josef Knabl, fest. Dort kam man auf ganze 32 Mio. Euro. Besonders wertvoll sind natürlich alle Neubauten der Gemeinde. Sogar die Schwarzenbergalm hat einen Wert von 600.000 Euro. „Aber so etwas wie die Volksschulen Leins und Wald ist gar nichts mehr wert“, erklärt Knabl. Das Kriegerdenkmal scheint aber mit 58.000 Euro auf, weil es restauriert wurde.

Was die Gemeindegutsagrargemeinschaften betrifft, so scheinen diese nur über die Substanzkonten im Gemeindevermögen auf, wie Andreas Huter von der Gemeindeabteilung der BH Imst erklärt. Die Agrargemeinschaft sei ja weiterhin im Grundbuch eingetragen.

Das Land gab die Empfehlung heraus, noch im September die Eröffnungsbilanz zu erstellen – bis zum 31. März 2021 müssen alle vorliegen. Im Bezirk Imst haben noch nicht viele der insgesamt 24 Gemeinden ihre Vermögensaufstellung gemacht. Neben Arzl zählt Huter Rietz und Obsteig auf. Obsteig kommt auf lediglich 22,7 Mio. Euro. In Rietz hingegen stehen 52,5 Mio. Euro zu Buche. „Ja, Rietz ist viel wert, nicht nur von den Gebäuden her. Vor allem wegen seiner Menschen“, sagt BM Gerhard Krug augenzwinkernd. (hwe, wo, pascal)


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