Gleichstellung: „Mit an Bord, aber nicht auf demselben Deck“

In vielen Bereichen des Lebens werden Frauen gegenüber Männern noch immer benachteiligt. Mit rund sieben Millionen Euro will das Land Tirol jetzt gegensteuern.

Besonders im Berufsleben sind Frauen oft benachteiligt, fast drei Millionen Euro investiert das Land Tirol, um das zu ändern.
© dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Knapp sieben Millionen Euro und ein großes Ziel: die Gleichstellung von Mann und Frau. Ein über drei Jahre angesetztes Maßnahmenpaket des Landes Tirol soll dazu beitragen, dass die noch immer vorherrschende Benachteiligung des weiblichen Teils der Bevölkerung nach und nach aus dem Weg geräumt wird.

Frauen seien „mit an Bord, aber nicht auf demselben Deck“ wie Männer, sagte Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) gestern bei der Präsentation des Gleichstellungspaketes. Das gelte für viele Bereiche des Lebens, wie beispielsweise den Arbeitsmarkt, und sei in den vergangenen Monaten wieder stärker spürbar gewesen. „Gerade Frauen sind Verlierer der Corona-Krise.“ Deshalb sei es wichtig, jetzt zu reagieren, betonte Fischer. Das Paket wurde erst kürzlich von der Landesregierung beschlossen – wie berichtet auch als Folge des „Luder“-Sagers von Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler.

Die vorgesehenen rund sieben Millionen Euro sollen auf Projekte und Initiativen in sieben Handlungsfeldern aufgeteilt werden. „Bestehende Angebote wollen wir ausbauen, neue Maßnahmen auch entwickeln“, sagte Ines Bürgler, Leiterin der Abteilung Gesellschaft und Arbeit im Land Tirol. 471.000 Euro sollen in das Aufbrechen von traditionellen Rollenklischees und Geschlechterstereotypen investiert werden, für Schritte hin zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden 860.000 Euro aufgewandt, weitere 480.000 für die Förderung der Mobilität von finanziell benachteiligten Frauen.

Mit 2,970.000 Euro fließt der mit Abstand größte Teil des Gleichstellungspakets in „die Reduzierung von Einkommensunterschieden“ zwischen Frauen und Männern, erklärte Bürgler. Laut Landesrätin Fischer sei gerade ein ausreichendes Einkommen wichtig, es würden „Impulse gesetzt für die Existenzsicherung“. Immerhin 1,715.000 Euro stehen für Projekte zur Gewaltprävention zur Verfügung, ein wichtiges Handlungsfeld für die Soziallandesrätin, denn „beim Thema Gewalt tritt die Ungleichheit am deutlichsten zu Tage“. Unter anderem soll eine beim Land angesiedelte Gewaltpräventionsstelle eingerichtet werden. Die restlichen knapp über 230.000 Euro kommen Infrastrukturen wie Wickel- und Umkleideräumen in Landesgebäuden und der Ausstattung von Gleichstellungseinrichtungen zugute. Zusätzlich zu den Millionen aus Tirol sollen laut Schätzungen weitere 3,450.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) lukriert werden. Insgesamt fließen in drei Jahren also über zehn Millionen Euro in Gleichstellungsmaßnahmen.


Kommentieren


Schlagworte