Anton Lang zu neuem steirischen SPÖ-Vorsitzenden gewählt

Anton Lang ist beim Parteitag der steirischen SPÖ Freitagabend in Trofaiach mit 88,5 Prozent der Delegiertenstimmen zum neuen Vorsitzenden der SPÖ Steiermark gewählt worden. Damit wurde er in seiner Arbeit als Landeshauptmann-Stellvertreter sowie als Parteichef, zu dem er nach dem Rücktritt von Michael Schickhofer nach der verlorenen Landtagswahl im Herbst 2019 geworden war, bestätigt.

Lang erhielt die Zustimmung von exakt 305 der insgesamt 346 anwesenden Delegierten und sagte nach der Wahl mit knappen Worten, er wisse, dass er polarisiere. Er könne aber den 88,5 Prozent, die für ihn gestimmt haben, versprechen, dass er seinen Weg nicht verlassen werde. Sein Vorgänger Michael Schickhofer hatte 2015 beim Parteitag 94,8 Prozent der Delegiertenstimmen erhalten. Dessen Vorgänger Franz Voves bekam 2002 99,25 Prozent der Stimmen.

Der Parteitag stand unter besonderen Vorzeichen, denn wegen des Coronavirus mussten spezielle Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Die Mitglieder wurden jeweils zu ihren nummerierten Sitzplätzen geführt. Mundnasenschutz war außer am eigenen Sitzplatz Pflicht. Die Plätze wurden mit je einem Meter Abstand im Saal verteilt und auch die Wahl des Vorsitzenden ging geblockt über die Bühne. „Die Steiermark braucht eine sichere Hand“ war auf dem Desinfektionsmittel zu lesen.

Corona bestimmte auch die Rede von SPÖ-Obfrau Pamela Rendi-Wagner. Sie kritisierte etwa die Corona-Ampel der Bundesregierung: „Wenn die Verkehrsampeln so geregelt wären, wären viele nicht in Trofaiach angekommen.“ Das Virus bestimme auch die Politik, die Menschen und die Zukunft, sagte sie. „Es braucht die Politik zum Gegensteuern. Dem Virus kann man sich nicht entziehen. Grenzen schließen ist kein Rezept, auch keine rechtspopulistischen Äußerungen, es helfen auch keine Schönredereien, sondern seriöse, politische Arbeit.“

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Kein Träumer, aber immer noch Idealist - so beschrieb sich Anton Lang in seiner Rede vor der Wahl. Seine jahrzehntelange Arbeit als Kommunalpolitiker habe ihn „geerdet“, war eine „Schule für‘s Leben“. Seine Vision: „Ich will die SPÖ wieder zur bestimmenden Kraft machen, die Steirerinnen und Steirer brauchen eine starke SPÖ.“ Lang, der im Vorjahr nach der verlorenen Landtagswahl die Aufgaben von Michael Schickhofer übernommen hatte und mit Hermann Schützenhöfer (ÖVP) in eine Regierung eintrat, will die steirischen Sozialdemokraten reformieren. Das haben schon einige vor ihm angekündigt, doch er kommt tatsächlich mit einer echten Neuerung. Er schlägt vor, als erste SPÖ-Landespartei die Direktwahl des Vorsitzenden einzuführen. „Die Mitglieder sollen mitbestimmen. Es gibt nichts, was wir fürchten müssen. Die Ideen werden nicht besser, wenn sie im Hinterzimmer besprochen werden“, so der Leobener.

Er setze sich für die Anhebung des Arbeitslosengeldes auf eine Nettoersatzrate von 70 Prozent ein. Er wolle einen Mindestlohn von 1.700 Euro und die Vier-Tage-Woche. Finanziert werden soll das durch eine „gerechtere Vermögenssteuer“: Bei über einer Million Euro sollen 0,5 Prozent an Steuern anfallen, bei mehr als zehn Millionen Euro ein Prozent. Auch Erbschaften über einer Million Euro sollen progressiv besteuert werden, geht es nach Lang. Und es brauche auch eine Finanztransaktionssteuer auf Spekulationen und millionenschwere Online-Konzerne müssten ebenfalls „endlich ihren Anteil zahlen“.

Lang schlug weiters einen staatlichen Beteiligungsfonds vor. Dieser soll Firmen retten. „Staat und Wirtschaft sind kein Widerspruch. In einer modernen Steiermark ist beides möglich.“ In punkto Flüchtlingslager Moria und Asyl sprach sich Lang für sichere EU-Außengrenzen aus. „Die EU hat da versagt.“ Da er allerdings kein Wort über die Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria gesagt hat, gab es nach seiner Rede eine Wortmeldung mit saftiger Kritik von Natalie Lujic, Vorsitzende des Verbands Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ): „Wir haben Platz.“ Sie sprach sich für eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria aus.

Das brachte Ex-Bundesgeschäftsführer Max Lercher zum Rednerpult, der nach Lujic ebenfalls noch das Wort ergriff. Er sprach sich unter tosenden Applaus für eine Sozialdemokratie ein, die sich für alle gleich laut einsetzt - egal ob Arbeiter oder Flüchtlinge. „Es geht um‘s Kämpfen für Recht und gegen Unrecht und das heißt Systemwandel.“


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