Frauen in Weißrussland protestieren erneut gegen Lukaschenko

Trotz Gewaltandrohung durch die Polizei in Weißrussland haben sich Frauen in Minsk zu einem neuen Protestmarsch gegen Staatschef Alexander Lukaschenko versammelt. „Wir vergessen nicht! Wir vergeben nicht!“ und „Lukaschenko w Awtosak“ - zu Deutsch: „Lukaschenko, in den Gefangenentransporter“, skandierten die Demonstrantinnen am Samstag am zentralen Komarowski-Markt.

An mehreren Stellen standen Gefangenentransporter bereit. Autofahrer hupten den Frauen solidarisch zu. Bei einer Demonstration vor einer Woche gingen maskierte Uniformierte mit Gewalt gegen die Frauen vor. Es gab mehr als 100 Festnahmen. Auch am Samstag dürfte es wieder dutzende Festnahmen gegeben haben, wie ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Der „Marsch der weiblichen Solidarität“, wie er hieß, zog durch mehrere Straßen. „Lang lebe Belarus!“, riefen Frauen, während sie die historischen weiß-rot-weißen Fahnen trugen. Teils spannten sie Regenschirme in den Farben der Revolution auf, weil Sicherheitskräfte die Fahnen immer wieder beschlagnahmen. Die Demonstrantinnen fordern Neuwahlen ohne Lukaschenko, die Freilassung aller politischen Gefangenen und die strafrechtliche Verfolgung der Polizeigewalt.

Auch in anderen Städten des Landes waren die Frauen wie an den vergangenen Samstagen aufgerufen, friedlich gegen „Europas letzte Diktatur“ zu demonstrieren. Das teilten die Organisatorinnen von Girl Power Belarus in ihrem Nachrichtenkanal bei Telegram mit.

Am Samstag vor einer Woche gingen die Sicherheitskräfte ohne Erkennungszeichen das erste Mal mit brutaler Gewalt gegen die friedlichen Frauen vor. Diesmal blieb es zunächst ruhig.

Seit der Präsidentenwahl am 9. August kommt es in Weißrussland täglich zu Protesten. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren im Amt zum Wahlsieger erklären lassen. Der 66-Jährige strebt eine sechste Amtszeit an. Die Opposition hält dagegen Swetlana Tichanowskaja für die wahre Siegerin.


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