Kurz wollte Corona-Maßnahmen schon früher verschärfen

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wollte laut eigener Aussage schon früher auf das neuerliche Ansteigen der Coronainfektionen reagieren. „Es stimmt, dass ich schon seit Ende des Sommers die Maßnahmen verschärfen wollte“, sagte er der Zeitung „Österreich“. Dies sei aber nicht seine alleinige Entscheidung gewesen. Die Zahl der akut positiven Fälle überschritt am Sonntag die 8.000er Marke.

Kurz kritisierte nicht nur indirekt die Grünen, sondern auch eine mangelnde Umsetzung der Maßnahmen. „Ich habe den Eindruck, dass einige die Situation unterschätzt hatten und die Maßnahmen, die nötig gewesen wären, nicht rechtzeitig umgesetzt haben“, befand Kurz und im Hinblick auf die Bundeshauptstadt: „Ich hoffe, dass die Situation in Wien nicht außer Kontrolle gerät.“ Weiterhin zeigte sich der Bundeskanzler aber davon überzeugt, dass sich die Situation im Sommer 2021 wieder normalisieren „kann“.

Die Zahl der aktiv an SARS-CoV-2-Infizierten in Österreich beträgt derzeit 8.100 Menschen. Binnen 24 Stunden kamen 621 Neuinfektionen hinzu - am Samstag waren es noch 813. Allerdings wird am Wochenende auch deutlich weniger getestet. Der Reproduktionsfaktor lag am Sonntag bei 1,29.

Im Schnitt der vergangenen sieben Tage lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen bei 705. Mussten am Samstag österreichweit noch 349 Menschen in Krankenhäusern behandelt werden, waren es am Sonntag 341. Auch die Zahl der auf Intensivstationen behandelten Covid-19-Fälle war deutlich rückläufig - sie sank von 84 Personen am Samstag auf 68 am Sonntag.

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766 Menschen sind seit Ausbruch der Pandemie an den Folgen des Corona-Virus gestorben, im Vergleich zum Samstag ein Toter mehr. 38.095 Menschen wurden bisher insgesamt positiv getestet.

Was die Neuinfektionen betrifft, entfielen am Sonntag mit 319 erneut die meisten auf die Bundeshauptstadt. 94 zusätzliche Fälle in 24 Stunden gab es in Niederösterreich, 62 in Tirol und 49 in Oberösterreich. Vorarlberg meldete 38 Neuinfektionen in das Epidemiologische Melderegister (EMS) ein, Salzburg 21 und die Steiermark 13. Acht zusätzliche Covid-19-Infizierte wurden in Kärnten registriert.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte am Sonntag, dass diese Woche mit mehr als 100.000 Testungen eine Rekordzahl erreicht wurde. Im Schnitt gab es laut Ministerium im September bisher durchschnittlich 13.200 Tests. Somit werden derzeit so viele Testungen wie noch nie in Österreich durchgeführt, betonte der Minister. Vom bereits im März von der Bundesregierung genannten Ziel von 15.000 Tests pro Tag ist man zumindest bei der Berechnung des Wochendurchschnitts immer noch entfernt.

Anschober bekräftigte, dass nicht nur Verdachtsfälle, sondern auch gezielt Personen ohne Symptome in Risikobereichen untersucht werden. Das ist eine von mehreren Ursachen für höhere Infektionszahlen, aber generell ist das Infektionsgeschehen in Österreich für diesen Zeitpunkt deutlich zu hoch, konstatierte Anschober.

Als Ursache ortete er viele Infektionen von Reiserückkehrern (z.B. über 1.100 aus Kroatien, rund 600 aus der Türkei), viele regionale Clusterbildungen mit den Schwerpunkten privater Feste und Bars. Und eine gewisse Sorglosigkeit, die sich bei einem kleinen Teil der Bevölkerung über den Sommer breitgemacht hat. Allerdings merke er auch, dass die Bereitschaft der Bevölkerung, wie im Frühjahr die Maßnahmen mitzutragen, wieder stark steigt. „Daher bin ich zuversichtlich. Gleichzeitig brauchen wir mehr Tempo bei einem Teil von Testungen und Kontaktpersonenmanagement durch Personalaufstockungen zur Verstärkung der Gesundheitsbehörden in einigen Ländern“, forderte der Gesundheitsminister.


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