Kosmisches Tönen, irdisches Ende: Klangspuren-Festival ging zu Ende

Grandioses Finale des Klangspuren-Festivals mit dem Klangforum Wien im Haus der Musik Innsbruck.

Die Folie, Abbild der Plastikmassen im Meer, erreicht über das Orchester den Schlagwerker Lukas Schiske.
© Klangspuren

Innsbruck – Mit Musik von zwei der derzeit wirkungsvollsten und wichtigsten Komponistinnen, der Italienerin Clara Iannotta und Liza Lim, Australierin mit chinesischen Wurzeln, gingen am Sonntag die 27. Klangspuren Schwaz zu Ende. Das aufgrund der Pandemie unter dem Motto „Zeitzeichen“ umprogrammierte Tiroler Festival Neuer Musik konnte anhand internationaler und heimischer Kompositionen eine imposante Leistungsschau österreichischen Musikschaffens bieten, da den Musikern Corona-bedingt Konzerte, Tourneen etc. ausfielen. 2200 Besucher kamen zu den vierzehn Konzerten und sechs Klangstationen in Schwaz und Innsbruck.

Die Uraufführung von Clara Iannottas „a stir among the stars, a making way“ gleicht einem Wunder an Klang und Zeitregie. Die junge Komponistin spricht von der „Doppelten Zeitlichkeit“ in der abgelegten Hülle der Spinne. Die Fülle an Gleichzeitigkeit und Klang in ihrer Partitur erklärt sich auch in der Sternenbewegung ihres Werktitels. Da herrschen Stille und Bewegung, Ruhe und Unruhe, Wege und Stationen zugleich in einer unfassbar reichen Klangschichtung. Tritt ein Instrument zurück, öffnet sich mit neuer Klangvariation ein neuer Raum. Es ist die Vielstimmigkeit von Kosmos und Natur und jedes Instrument lebt auch, was die Physik ihm beschert hat.

Lisa Lim bleibt mit einem Knalleffekt auf der Erde und singt ihr dann in der Reduktion der ursprünglich reichen Mittel einen bitteren Abgesang. „Impulse des Verschwindens“ nennt sie die Verfallsprozesse und berichtet vom letzten Paarungsruf eines nunmehr ausgestorbenen Vogels und vom tödlichen Plastik im Meer. Nach einem zarten Duo zwischen Violine und sanfter Percussion im verdunkelten Saal – wie ein transformierter, melancholischer Pas de deux – führt die Mahnung die Welt ins Nichts.

Das Klangforum Wien unter Johannes Kalitzke mit exzellenten Solisten an den Pulten und seiner besonderen Charakteristik machte beide Kompositionen zum Ereignis.

Klangspuren Schwaz vom 10. bis 26. September 2021 wird unter dem Mott­o „Transition­s“ stehen, mit der Komponistin Adriana Hölszk­y als Composer in Residence und dem Saxophonisten und Klarinettisten Frank Gratkowski als Improviser in Residence. (u.st,)


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