Urteil am Landesgericht: Beifahrerin auf A12 grob fahrlässig getötet

Ärztlich verschriebene, aber nachwirkende Medikamente im Blut: Tödlicher Unfall war für Justiz schwere Schuld.

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Um die praxisrelevante Frage, ob man nach Einnahme von stärkeren Medikamenten noch Auto fahren sollte, ging es gestern am Landesgericht.

Grund der Anklage war ein schwerer Verkehrsunfall auf der Inntalautobahn (A12) bei Telfs Süd, bei dem im Juni die Beifahrerin verstorben war.

Direkt auf den Anpralldämpfer des Parkplatzes war der Wagen von ihrem Freund gelenkt worden. Erst seit zwei Wochen hatte das Paar eine gemeinsame Wohnung. Schon zuvor schien der heute 25-Jährige das Glück nicht gerade gepachtet zu haben. War er nach einer Kündigung doch in starke Depressionen verfallen, die sein Hausarzt mit eher stärkeren Beruhigungsmitteln kurierte. Merksatz: eine Tablette am Abend und dann am nächsten Tag nicht Auto fahren. Dazu verabreichte sich der Mann auch noch ähnlich wirkende Tropfen – und fuhr auch noch zwei Tage nach letzter Einnahme unerklärlich und direkt auf den Anpralldämpfer zu.

Mit diesen Blutwerten mussten Sie gespürt haben, dass Sie noch nicht fit sind.
Heide Maria Paul (Strafrichterin)

Vor Richterin Heide Maria Paul beschwor der Mann, dass er nichts Weiteres genommen hatte und vom Arzt auch nicht weiter unterwiesen worden war. Bemerkungen im Beipackzettel zur Nachwirkung hatte er aber nicht gelesen, auch wiesen die Blutwerte nach dem Unfall gleich um ein Mehrfaches die Stoffe der Medikamente auf. Richterin Paul: „Mit diesen Werten mussten Sie gespürt haben, dass Sie noch nicht fit sind!“ So ergingen für grob fahrlässige Tötung nicht rechtskräftig sechs Monate bedingte Haft und 2640 Euro Geldstrafe. Grobe Fahrlässigkeit führt dazu zu Fragen der Haftpflichtversicherung.


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