„Starke Gefühle“ und „(R)Evolution“ im Theater Drachengasse

Zwölf Stücke, darunter fünf Uraufführungen und eine Österreichische Erstaufführung, bietet das kleine Wiener Theater Drachengasse in seiner neuen Saison, die heute, Montag, mit „Nina Simone: Four Women“ von Christina Ham startet. Diese Gastproduktion des vienna theatre project zeichnet die Politisierung der US-Jazzmusikerin und Bürgerrechtsaktivistin Nina Simone nach.

Die Saison beginnt freilich auch in der Drachengasse unter dem Eindruck der Coronapandemie. Maskenpflicht gilt nicht nur im Foyer, sondern auch in den Sälen und während der Vorstellungen. Das Platzangebot wurde halbiert - im Großen Saal auf 42, in der „Bar&Co“ (an der freilich nichts mehr ausgeschenkt werden darf) auf 26 Plätze. „Für das Theater ist das schon schwierig, aber richtig schlimm ist das für Künstler, die auf Einnahmenteilung spielen“, sagt Leiterin Katrin Schurich im Gespräch mit der APA. Deswegen haben man den Aufteilungsschlüssel von 70/30 (zugunsten der Künstler) auf 80/20 geändert. „Dennoch liegt mir das im Magen.“ Ansonsten kommt man im Theater Drachengasse, wo man auf Kurzarbeit verzichtet, aber erfolgreich beim NPO-Fonds um Unterstützung angesucht hat, vermutlich bis Jahresende über die Runden - auch, weil bei einer Eigenfinanzierungsquote von 19 Prozent der Wegfall von Karteneinnahmen nicht so gravierend ist wie andernorts.

Der Spielplan, der heute vor der Eröffnungspremiere in kleinem Kreis vorgestellt wird, beinhalte zwar einige wegen der Pandemie verschobene Projekte, inhaltlich gelte aber: „Wir bleiben uns treu! Wir wollten alles, nur kein Covid-Theater“, versichert Schurich. Aber auch nicht das Gegenteil, nämlich Unterhaltung zur Ablenkung von den täglichen Sorgen. „Die Produktionen dieser Spielzeit erzählen Geschichten von Menschen, die sich von alten Sicherheiten verabschieden müssen, ohne zu wissen, was die Zukunft bringen wird“, fasst man im Theater den Spielplan zusammen. „Geschichten, die von Ängsten erzählen, von Wut, aber auch dem Ringen nach Solidarität, Bindung und Nähe.“

Von den zwölf Stücken sind neben acht Ko- bzw. Gastproduktionen auch vier Eigenproduktionen. „Starke Gefühle. Eine Eifersuchtslitanei mit offenem Ausgang“ des YZMA Theaterkollektivs wird von Milena Michalek inszeniert (Premiere: 19. Oktober). Das auf einem Amazonas-Kreuzfahrtschiff spielende Stück „Das weiße Dorf“, für das die in Wien lebende Oberösterreicherin Teresa Dopler 2019 mit dem Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts ausgezeichnet wurde, wird am 11. Jänner 2021 uraufgeführt. „(R)Evolution - eine Anleitung zum Überleben im 21. Jahrhundert“ von Yael Ronen und Dimitrij Schaad wird von Sandra Schüddekopf in Szene gesetzt (1. März 2021). Zudem soll die Uraufführung der Stückentwicklung „Der Anfang, das Ende“ von Franz-Xaver Mayr und Korbinian Schmidt, die wegen Corona abgesagt werden musste, nun am 3. Mai nachgeholt werden.

Neben dem coronabedingt von 17. Mai bis 5. Juni 2021 nachgeholten Finale des Nachwuchswettbewerbs „Jetzt erst recht“, kann auch die Koproduktion „Middle Management of Happiness“, eine „Büro-Operette“ von Katrin Hammerl und Anna Laner, erst 2021 (nämlich ab 18. Jänner) das Licht der Bühnenwelt erblicken. Vorausgesetzt Corona macht dem Ganzen nicht erneut einen Strich durch die Rechnung.


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