Ein Formel-1-Kurs lädt Tirols Rad-Asse zum Träumen ein

Premiere in der Elite: Der Tiroler Felix Gall ist Österreichs einziger World-Tour-Profi bei der Rad-WM. Markus Wildauer führt ein Tirol-Team-Trio an.

In Imola warten auf Felix Gall (Team Sunweb) am Sonntag im Straßenrennen 259 Kilometer.
© Sunweb

Von Roman Stelzl

Innsbruck – Runter von den Pedalen, kurz durchschnaufen, dann hat Felix Gall wieder Luft zum Reden. „Alles bestens“, antwortet der Osttiroler Radprofi auf die Einstiegsfrage und ergänzt: „Ich absolviere gerade meine letzte harte Einheit vor der WM. Die Vorfreude auf die Premiere in der Elite ist riesengroß.“

Gall steigt ab, legt eine Pause ein. Nur zu gerne, denn wenn es ein Thema gibt, über das der 22-Jährige sprechen will, dann ist es die morgen beginnende Rad-Weltmeisterschaft in Imola (ITA). Das dortige Elite-Straßenrennen der Herren würde der Junioren-Weltmeister normal nur aus der Ferne betrachten.

Doch weil heuer nicht viel „normal“ ist, der Rad-Kalender knallvoll ist und es daher Absagen für die WM hagelte, bekommt der Junioren-Weltmeister 2015 am Sonntag seine große Chance: Gall bestreitet als einziger österreichischer Fahrer eines UCI-World-Tour-Teams (höchste Kategorie) das 259 Kilometer lange Hauptrennen der WM. Gefahren werden dabei neun Runden (28,8 km), die auf dem Formel-1-Kurs in Imola starten und enden. „Das ist ein richtig schwieriger Kurs, ein so langes Rennen bin ich bisher noch nicht gefahren. Das wird hart“, sagt Gall.

Der Schlitterer Markus Wildauer streift auf dem Formel-1-Kurs von Imola als einer von drei Tirol-Team-Fahrern das Nationalteam-Dress über.
© Mario Stiehl

Der Sunweb-Fahrer erhofft sich im österreichischen Sechs-Mann-Kader „eine freie Rolle“, eine Absprache gab es noch nicht. Der Erfahrenste im Team ist Ex-Ö-Tour-Sieger Riccardo Zoidl (32), der Jung­spund kommt vom Tirol Team: Tobias Bayer (20), so wie Zoidl aus Oberösterreich.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Mit dem Schlitterer Markus Wildauer kommt ein weiterer 22-jähriger Tiroler zu seiner WM-Premiere in der Elite, für den EM-Dritten von 2018 hängen die Trauben aber so wie für seinen steirischen Tirol-Team-Kollegen Marco Friedrich ganz schön hoch. Wie auch immer: Team-Manager Thomas Pupp freut sich, dass er nach dem Ärger rund um die Absage der Nachwuchs-Bewerbe drei seiner Männer zur Elite-WM schicken kann, zumal sich das Tirol Team als U23-Rennstall deklariert: „Das ist eine Bestätigung für unsere Arbeit.“ Apropos Arbeit: Die wird Gall bei der WM nach fast einmonatiger Rennpause „aufnehmen“, dann geht es dafür rund. Nur drei Tage nach Imola gibt der Osttiroler beim belgischen Eintages-Klassiker Wallonischer Pfeil (30.9.) sein Debüt, eine Woche später wartet der Pfeil von Brabant (7.10.).

Als Höhepunkt wartet die Vuelta (20.10.–8.11.). „So viele Nachteile das Corona-Jahr hat: Dass ich solche Rennen fahren kann, ist eine Riesenchance“, sagt Gall. Und Chancen könnte es auch bei der WM geben. Nach der Tour de France (bis Sonntag) ist die WM trotz der sehr starken Besetzung für die eine oder andere Überraschung gut.

Rad-Weltmeisterschaft in Imola

Donnerstag: Einzelzeitfahren Frauen (32 km): Für Österreich am Start: Anna Kiesenhofer. Freitag: Einzelzeitfahren Herren (32 km): Matthias Brändle, Felix Ritzinger. Samstag: Straßenrennen Frauen (144 km): Anna Kiesenhofer, Sarah Rijkes, Angelika Tazreiter. Sonntag: Straßenrennen Herren (259 km): Tobias Bayer, Markus Wildauer (Schlitters), Marco Friedrich (alle Tirol Team), Felix Gall (Nußdorf-Debant/Team Sunweb), Riccardo Zoidl, Sebastian Schönberger.


Kommentieren


Schlagworte