Grippe trifft auf Corona: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Impfung

Experten gehen von einer gesteigerten Nachfrage für die Grippe-Impfung aus. Sechs Fragen an Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber und den Public-Health-Experten Peter Kreidl.

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Von Theresa Mair

Gibt es Prognosen, wie die kommende Grippe-Saison verlaufen wird? Nein. Daten über eine milde Grippe-Saison auf der Südhalbkugel können laut Peter Kreidl, Public Health-Experte an der Medizinischen Universität Innsbruck, nicht auf die Nordhalbkugel übertragen werden. Zudem seien die australischen Zahlen aufgrund der Corona-Pandemie mit Vorsicht zu betrachten: „Viele Erkrankte sind vermutlich nicht zum Arzt gegangen, es fehlte medizinisches Personal, die Labors waren sehr gefordert. Davon abgesehen hat das Physical Distancing natürlich gegen alle übertragbaren Krankheiten geholfen.“

❓ Wer sollte sich impfen lassen?

Kinder und die Generation 65+ sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und Vorerkrankungen sollten die Impfung erhalten. „Frauen im dritten Schwangerschaftsdrittel sollen sich impfen lassen, wenn sie im Winter gebären. Dadurch haben die Säuglinge einen Nestschutz“, erklärt Kreidl. Die Risikofaktoren für Influenza und Covid-19 sind ähnlich, deshalb wird die Grippe-Impfung für Personen, „die zu einer Covid-Risikogruppe gehören, jedenfalls empfohlen, auch von der WHO“, rät Experte Peter Kreidl.

❓ Ist genügend Impfstoff verfügbar?

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„Es wird Corona-bedingt heuer voraussichtlich mehr Nachfrage als Angebot geben. Das liegt daran, dass nur die übliche Menge an Impfstoff produziert worden ist“, sagt Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber.

In Österreich war die Nachfrage nach Influenza-Impfstoffen in den vergangenen Jahren niedrig. Die Impfquote lag zum Teil unter zehn Prozent. Die Grippe-Impfstoffe für heuer mussten Katzgraber zufolge jedoch noch vor dem Corona-Ausbruch – auf Basis der bisherigen Nachfrage – geordert werden. Daher haben die Länder versucht, über das Ministerium zusätzliche Impfstoff-Kontingente nachzubestellen. „Genaue Informationen, welches Bundesland wie viel bekommt, erhalten wir erst am 30. September“, sagt der Landessanitätsdirektor.

❓ Wer wird die zusätzlichen Impfdosen erhalten?

Die zusätzlichen Impfdosen sollen zunächst an Kinder, Senioren und Personen mit Gefährdungspotenzial verteilt werden. „Der Plan ist, dass mehr Leute als in den vergangenen Jahren geimpft werden. Man wird aber nicht die gesamte Bevölkerung durchimpfen können. Diejenigen, die bisher eine Grippe-Impfung bekommen haben, werden sie aber auch dieses Jahr bekommen“, sieht Katzgraber „keinen Anlass für Ängste“. Gerüchte, wonach das Land Tirol Impfstoffe reservieren würde und Ärzte deshalb keine Dosen vorbestellen könnten, seien „absoluter Unsinn. Es wird den freien Markt mit ähnlicher Bestückung wie jedes Jahr geben“, so Katzgraber.

❓ Inwiefern kann die Grippe-Impfung das Covid-19-Risiko beeinflussen?

Es gibt laut Kreidl Berichte von Doppelinfektionen mit Covid-19 und Influenza – wenn auch noch wenige und vorrangig aus China. Es fehle noch an Erfahrungen damit, jedoch sei davon auszugehen, dass Doppelinfektionen schwerer verlaufen und die Komplikationsrate höher ist. „Deshalb ist es immer besser, wenn man durch die Grippe-Impfung die Wahrscheinlichkeit für eine Influenza stark verringern kann.“ Die Grippe-Impfung wirke jedoch nicht gegen eine Corona-Infektion. Sobald Influenza in Tirol zirkuliere, ist laut Kreidl geplant, mit einem Abstrich gleichzeitig auf Corona und die Grippe getestet zu werden. „Die Kulturen werden gleich angelegt und es geht gleich schnell. Aber es wird sich natürlich auf die Kosten auswirken. Die Tests sind teuer.“

❓ Wie unterscheiden sich Grippe- von Corona-Symptomen?

Die allgemeinen Symptome wie Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber decken sich. Aber: „Wenn man nichts mehr riecht und schmeckt, ist das ein sehr starker Hinweis für Covid-19“, sagt Kreidl.

❓ Wie sicher kann man sein, mit der Impfung nicht doch an Grippe zu erkranken?

Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht. „Er hängt vom Immunsystem des Patienten und seinem Alter ab sowie davon, wie gut der Match zwischen den in der jeweiligen Saison zirkulierenden Viren und den im Impfstoff enthaltenen Antigenen ist“, sagt der Public-Experte. „Man kann die Grippe zwar bekommen, aber weit weniger schwer“, sagt auch Katzgraber. Abstand, Mund-Nasen-Schutz, Händewaschen und Desinfektion sind ein zusätzlicher Schutz gegen Influenza.


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