Nach Niederlanden: Tiroler Tourismus in Angst vor weiteren Reisewarnungen
Herber Schlag für den heimischen Tourismus nach der Reisewarnung aus den Niederlanden. Gäste reisten ab.
Innsbruck – Es ging alles ganz schnell. Am Montagabend machte das GerĂĽcht die RundÂe, am Dienstagvormittag kam die offizielle Bestätigung: Die Niederlande sprechen eine Reisewarnung fĂĽr Innsbruck und Wien aus. Kurz darauf reisten die ersten Gäste bereits aus ihren Tiroler UnterkĂĽnften ab. Ein herber Schlag fĂĽr den Tiroler Tourismus. Nicht nur wegen der aus den Niederlanden zuletzt gebuchten Reisen. Viel mehr noch, weil man fĂĽrchtet, dass jetzt auch Reisewarnungen aus anderen Regionen kommen.
Karin Seiler, Direktorin von Innsbruck Tourismus, spricht von einer „dramatischen“ Situation, sollten auch andere Länder den Fokus auf Innsbruck legen und den Niederländern folgen. „Die FolgeÂwirkung“ sei dabei noch schlimmer als die akute Situation. In Innsbruck komme die Reisewarnung zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Man hatte sich gerade erst langsam erholt und im Juli und August bessere Ergebnisse eingefahreÂn als erwartet.
In den Monaten September, Oktober und November besuchen laut Angaben der Tirol Werbung rund 44.000 Holländer Tirol, davon allerdings 30.000 im September. Der Anteil der niederländischen Touristen im Land macht in den Herbstmonaten rund 3,5 Prozent aus und ist damit nach Deutschland (57 Prozent), Österreich (12,6 Prozent) und der Schweiz (neun Prozent) der viertgrößte Markt. „Kein gutes Vorzeichen“ ist die Reisewarnung für Holger Gassler, Leiter der Bereiche Märkte und Events bei der Tirol Werbung. Denn: „Die Buchungen für den Winter beginnen schon jetzt.“ Und da machen die Niederländer einen nicht unerheblichen Teil der Gäste aus. „Besonders in den Kitzbüheler Alpen, dem Zillertal, Paznaun und in St. Anton.“ Da es sich aber „großteils um Stammgäste“ handelt, hofft Gassler darauf, „dass die Niederländer hier gut zwischen Innsbruck und dem Rest Tirols unterscheiden können. Fatal wäre es, wenn die Reisewarnung noch Mitte Dezember aufrecht ist.“ Ganz prinzipiell prognostiziert er, „dass Reisewarnungen in dieser Saison etwas sind, mit dem wir zu rechnen haben und das zu bewältigen ist“.
Keine einschneidenden Auswirkungen der Reisewarnung erwartet die Leitung des Innsbrucker Flughafens. „Im Moment zumindest“, wie GeschäftsfĂĽhrer Marco PernettÂa betont. „Ein GroĂźteil der GästÂe, die hier landen, halten sich ohnehin nicht im Stadtgebiet, sondern sonst irgendwo in Tirol auf.“ Ein Transfer vom Flughafen in andere Teile des Landes ist laut Vorgaben der Niederlande möglich, ohnÂe sich anschlieĂźend in Quarantäne begeben zu mĂĽssen. „Zudem ist im Moment absolute Nebensaison.“ Zweimal die Woche steuert derzeit eine Maschine aus Amsterdam die Tiroler Landeshauptstadt an. Ende Oktober werden diese FlĂĽge dann planmäßig ausgesetzt „und Ende November wieder aufgenommen. Im Dezember kommen dann die Destinationen Rotterdam und Eindhoven dazu.“ Bliebe die Reisewarnung aufrecht, könntÂe es auch fĂĽr den Innsbrucker Flughafen schmerzhaft werden. Bis zu 40 FlĂĽge pro Woche mit rund 180 Passagieren pro Flug wären dann theoretisch betroffen. „Nach England sind die Niederlande im Winter unser stärkster Markt. Wir gehen aber davon aus, dass sich die Situation bis dahin entspannt hat.“
Die Reisewarnung fĂĽr Innsbruck tue „weh“, sagte der fĂĽr Tourismus zuständige VizeÂbĂĽrgermeister Hannes Anzengruber (Ă–VP) gestern. Dabei sei der Tourismusstandort Innsbruck gut vorbereitet. „Wir haben Sicherheitskonzepte ausgearbeitet und erhöhte SicherheitsmaĂźnahmen umgesetzt. Die Gäste können sich bei uns sicher fĂĽhlen“, betont Anzengruber. Innsbruck befinde sich derzeit an einer Schwelle, die Corona-Fallzahlen seien langsam rĂĽckläufig. „Da bitte ich die Holländer schon, die sinkenden Zahlen zu berĂĽcksichtigen und die Reisewarnung auch wieder zurĂĽckzunehmen“, sagt Anzengruber. Unterdessen hat die Landeshauptstadt auch selbst reagiert. Die Innsbrucker Shopping Night am 2. Oktober entfällt. An den Christkindlmärkten will man sowohl von Seiten der Stadt als auch beim Tourismus unbedingt festhalten. (bfk, dd, mw)
📽️ Video | Niederlande: Reisewarnung für Wien und Innsbruck