Nach Niederlanden: Tiroler Tourismus in Angst vor weiteren Reisewarnungen

Herber Schlag für den heimischen Tourismus nach der Reisewarnung aus den Niederlanden. Gäste reisten ab.

In den Monaten September, Oktober und November besuchen laut Angaben der Tirol Werbung rund 44.000 Holländer Tirol.
© Vanessa Rachlé

Innsbruck – Es ging alles ganz schnell. Am Montagabend machte das Gerücht die Rund­e, am Dienstagvormittag kam die offizielle Bestätigung: Die Niederlande sprechen eine Reisewarnung für Innsbruck und Wien aus. Kurz darauf reisten die ersten Gäste bereits aus ihren Tiroler Unterkünften ab. Ein herber Schlag für den Tiroler Tourismus. Nicht nur wegen der aus den Niederlanden zuletzt gebuchten Reisen. Viel mehr noch, weil man fürchtet, dass jetzt auch Reisewarnungen aus anderen Regionen kommen.

Die Folgewirkung, wenn weitere Länder eine Reise­warnung aussprechen, wäre dramatisc­h.
Karin Seiler (Direktorin Innsbruck Tourismus)

Karin Seiler, Direktorin von Innsbruck Tourismus, spricht von einer „dramatischen“ Situation, sollten auch andere Länder den Fokus auf Innsbruck legen und den Niederländern folgen. „Die Folge­wirkung“ sei dabei noch schlimmer als die akute Situation. In Innsbruck komme die Reisewarnung zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Man hatte sich gerade erst langsam erholt und im Juli und August bessere Ergebnisse eingefahre­n als erwartet.

Karin Seiler.
© Julia Hammerle

In den Monaten September, Oktober und November besuchen laut Angaben der Tirol Werbung rund 44.000 Holländer Tirol, davon allerdings 30.000 im September. Der Anteil der niederländischen Touristen im Land macht in den Herbstmonaten rund 3,5 Prozent aus und ist damit nach Deutschland (57 Prozent), Österreich (12,6 Prozent) und der Schweiz (neun Prozent) der viertgrößte Markt. „Kein gutes Vorzeichen“ ist die Reisewarnung für Holger Gassler, Leiter der Bereiche Märkte und Events bei der Tirol Werbung. Denn: „Die Buchungen für den Winter beginnen schon jetzt.“ Und da machen die Niederländer einen nicht unerheblichen Teil der Gäste aus. „Besonders in den Kitzbüheler Alpen, dem Zillertal, Paznaun und in St. Anton.“ Da es sich aber „großteils um Stammgäste“ handelt, hofft Gassler darauf, „dass die Niederländer hier gut zwischen Innsbruck und dem Rest Tirols unterscheiden können. Fatal wäre es, wenn die Reisewarnung noch Mitte Dezember aufrecht ist.“ Ganz prinzipiell prognostiziert er, „dass Reisewarnungen in dieser Saison etwas sind, mit dem wir zu rechnen haben und das zu bewältigen ist“.

Flughafendirektor Marco Pernetta.
© TT/Thomas Böhm

Keine einschneidenden Auswirkungen der Reisewarnung erwartet die Leitung des Innsbrucker Flughafens. „Im Moment zumindest“, wie Geschäftsführer Marco Pernett­a betont. „Ein Großteil der Gäst­e, die hier landen, halten sich ohnehin nicht im Stadtgebiet, sondern sonst irgendwo in Tirol auf.“ Ein Transfer vom Flughafen in andere Teile des Landes ist laut Vorgaben der Niederlande möglich, ohn­e sich anschließend in Quarantäne begeben zu müssen. „Zudem ist im Moment absolute Nebensaison.“ Zweimal die Woche steuert derzeit eine Maschine aus Amsterdam die Tiroler Landeshauptstadt an. Ende Oktober werden diese Flüge dann planmäßig ausgesetzt „und Ende November wieder aufgenommen. Im Dezember kommen dann die Destinationen Rotterdam und Eindhoven dazu.“ Bliebe die Reisewarnung aufrecht, könnt­e es auch für den Innsbrucker Flughafen schmerzhaft werden. Bis zu 40 Flüge pro Woche mit rund 180 Passagieren pro Flug wären dann theoretisch betroffen. „Nach England sind die Niederlande im Winter unser stärkster Markt. Wir gehen aber davon aus, dass sich die Situation bis dahin entspannt hat.“

Nach England sind die Niederlande im Winter unser stärkster Markt. Momentan ist absolute Nebensaison.
Marco Pernetta (Direktor Flughafen)

Die Reisewarnung für Innsbruck tue „weh“, sagte der für Tourismus zuständige Vize­bürgermeister Hannes Anzengruber (ÖVP) gestern. Dabei sei der Tourismusstandort Innsbruck gut vorbereitet. „Wir haben Sicherheitskonzepte ausgearbeitet und erhöhte Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt. Die Gäste können sich bei uns sicher fühlen“, betont Anzengruber. Innsbruck befinde sich derzeit an einer Schwelle, die Corona-Fallzahlen seien langsam rückläufig. „Da bitte ich die Holländer schon, die sinkenden Zahlen zu berücksichtigen und die Reisewarnung auch wieder zurückzunehmen“, sagt Anzengruber. Unterdessen hat die Landeshauptstadt auch selbst reagiert. Die Innsbrucker Shopping Night am 2. Oktober entfällt. An den Christkindlmärkten will man sowohl von Seiten der Stadt als auch beim Tourismus unbedingt festhalten. (bfk, dd, mw)

📽️ Video | Niederlande: Reisewarnung für Wien und Innsbruck


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