Ein Schulprojekt ohne Schüler: Demenz-Projekt von Bildungsdirektion abgelehnt

Projekte von außen haben es an Schulen nicht nur wegen Corona schwer. Eines, das sich mit Demenz beschäftigt, wurde abgelehnt. Bleibt die Frage nach den Kriterien.

Derzeit sind etwa 12.000 Personen in Tirol von Demenz betroffen. Ein Projekt verbindet Jung und Alt. Begonnen wurde mit einer Aktion, bei der Betagte Briefe von Volksschülern erhielten.
© iStock, Pospisil

Innsbruck – Es war nur eine Geste, die aber bei Bewohnern von Tiroler Seniorenheimen für große Freude gesorgt hat: In mehreren Orten schrieben Volksschüler der vierten Klassen den Betagten während Corona liebevoll gestaltete Briefe. „Wir haben ein Schulprojekt erarbeitet, das Kindern dieses Thema vermitteln soll“, erklärt Tatjana Pospisil von „Abenteuer Demenz“.

Mit dem Projekt, das Vorträge und Workshops an Schulen umfasst, haben es die Tiroler in die Endrunde des Wettbewerbs um den größten österreichischen Sozialbusinesspreis „Get active“ geschafft. „Das zeigt uns, dass wir gut unterwegs sind“, so Pospisil.

Projekt ist „Corona-fit“

Doch das beste Projekt nützt nichts, wenn es nicht an die Schüler gebracht wird: Die Bildungsdirektion lehnte es ab, da das Thema hinreichend im Unterricht behandelt werde. „Wir haben Mappen entworfen, die auch zuhause durchgearbeitet werden können und eine Auseinandersetzung zwischen Jung und Alt ohne zwingenden physischen Kontakt ermöglichen“, präsentiert Pospisil das Projekt als „Corona-fit“. Für die Schüler gilt es, Abenteuer zu erleben, Ansprechpartner sind vorerst die 3. und 4. Klassen der Volksschulen. „In Tirol sind etwa 12.000 Personen von Demenz betroffen, 2030 werden es geschätzt 16.000 sein. Jeder Schüler kennt jemanden mit Demenz, es soll ein guter Umgang damit vermittelt werden.“

Pospisil hat sich an alle Parteien im Landtag gewandt. In den ersten drei Jahren wird das Projekt von einer Stiftung unterstützt. „Damit können zwei Halbtagskräfte gezahlt werden. Nun geht es darum, dass der Selbstbehalt für die Materialien übernommen wird“, sagt die Diplompflegerin und Kinderbuchautorin.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Haselwanter-Schneider: „Die Schulen sollten sich öffnen“

Andrea Haselwanter-Schneider (Liste Fritz) will das Projekt am Mittwoch im Sozialausschuss des Landes vorstellen. „Die Schulen sollten sich öffnen. ,Abenteuer Demenz‘ ist ein Beispiel eines nachhaltigen Projekts.“ Per Antrag fordert sie die Landesregierung auf, dieses an den Schulen zu ermöglichen und mit einem Selbstbehalt von 3,50 Euro je Kind zu unterstützen. Die Vernetzung von Betagten und Schülern sei wichtig, zudem könne so schon in der Volksschule der Beruf der Altenpflegerin attraktiver werden.

Die Bildungsdirektion stellt klar, dass Projekte von auswärts derzeit möglich seien, da die Schulen als gelb gelten. Erst bei Orange gebe es ein Verbot. Die Angebote würden geprüft, es gebe viele Institutionen, die sich bewährt hätten. Unter Türkis-Blau hatte das Engagement des Vereins „Teenstar“ zur Sexualaufklärung für Aufregung gesorgt. Letztlich wurde festgelegt, dass Lehrer das übernehmen sollen. Wie ist der Ist-Stand? „Teenstar war nie in Tirol tätig und wird es nie sein. Wünscht eine Lehrperson bei der Aufklärung Unterstützung, kann sie einen Verein, der von der Bildungsdirektion geprüft wurde, hinzuziehen.“ Haselwanter-Schneider hofft, dass die Auswahlkriterien transparenter werden.


Kommentieren


Schlagworte