Formel-1-Königspersonalie Hamilton weiter ungeklärt

Schon am Sonntag könnte Formel-1-Superstar Lewis Hamilton in Sotschi den vermeintlich unerreichbaren Sieg-Rekord von Michael Schumacher einstellen, mit seinem nächsten Arbeitsvertrag hat der 35-Jährige aber keine Eile. „Ich bin niemand, der einfach immer weiter das Gleiche will“, ließ Hamilton jüngst wissen. Dass der Brite seine Verhandlungen vor allem direkt mit Teamchef Toto Wolff führt, könnte die Königspersonalie bei Mercedes noch etwas komplizierter machen.

Auch der Österreicher hat noch nicht für das nächste Jahr unterschrieben und liebäugelt wohl mit einer neuen Rolle beim Branchenführer. Zwar zweifelt ernsthaft kaum jemand daran, dass die Silberpfeile auch künftig auf die Dienste ihrer beiden Schlüsselfiguren für die Dominanz der Vorjahre zählen können. Doch auch angesichts der offenen Vertragslage halten sich im Fahrerlager hartnäckige Spekulationen, der schwäbische Autobauer bereite einen Verkauf des Teams und damit möglicherweise sogar einen Rückzug aus der Rennserie vor.

Beim Daimler-Konzern will man davon nichts wissen. „Wir gehen weiter mit dem Team, und das wird auch ein Mercedes-Team sein. Wir haben nicht vor, da rauszugehen“, sagte ein Daimler-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur vor dem Großen Preis von Russland. Zuvor hatte schon Team-Mitbesitzer Wolff Gerüchte über eine Übernahme der Mehrheit durch den britischen Chemie-Giganten Ineos bestritten.

Stattdessen will Daimler mit Hamilton und dem bereits für 2021 gebundenen Valtteri Bottas als Fahrer-Duo ebenso weitermachen wie mit Wolff, wie der Konzernsprecher versicherte: „Wir haben nicht vor, einen anderen Teamchef zu haben.“ Der immer wieder ins Spiel gebrachte Wechsel des 48-jährigen Wolff ins Amt des Geschäftsführers der Formel 1 ist inzwischen wohl vom Tisch. Der frühere Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali wird offenkundig im nächsten Jahr Chase Carey als Chef der Rennserie beerben.

Möglich ist, dass Wolff in der Hierarchie weiter aufsteigt und Teile seiner Teamchef-Pflichten an der Rennstrecke abtritt. Über solche Fragen wird auch Hamilton Klarheit haben wollen, ehe er sich weiter an Mercedes bindet. „Man muss sicherstellen, dass sich unsere Werte im Gleichklang befinden, unsere Ziele und Wünsche“, sagte der Titelverteidiger, der wie zuletzt schon seinen Kontrakt wieder selbst aushandelt.

„Sobald die kleinen Details erst einmal aussortiert sind, kommen die großen Fragen“, sagte Hamilton. „Wir brauchen einfach etwas Zeit dafür“, sagte Wolff und verwies auf den in der Corona-Notsaison bisher so engen Rennkalender mit neun WM-Läufen in elf Wochen: „Mit einem Rennen nach dem nächsten wollen wir uns nicht durch Vertragsgespräche ablenken lassen.“ In den längeren Pausen vor und nach dem Russland-Gastspiel sei mehr Gelegenheit dazu. „Aber ich weiß nicht, wann wir es verkünden werden“, sagte Wolff.

Für Hamilton ist es schon das achte Jahr beim Mercedes-Werksteam, auch davor bei McLaren hatte er schon einen Mercedes-Motor im Auto. Ein Ende dieser Partnerschaft erscheint undenkbar, zumal der WM-Spitzenreiter 2021 auch Schumachers Titel-Rekord brechen könnte. „Das fühlt sich unwirklich an. Es ist ein Privileg, in dieser Position zu sein und solch ein großartiges Team und Auto zu haben, um jedes Wochenende abliefern zu können“, sagte er.

Vor dem Rennen im russischen Olympia-Ort führt Hamilton die WM mit 55 Punkten Vorsprung vor dem Stallgefährten Bottas an und ist auf klarem Kurs zum siebenten Titelgewinn. Mit seinem 91. Grand-Prix-Sieg könnte er schon in Sotschi Schumachers Bestmarke egalisieren. Die Statistik spricht klar für den Silberpfeil-Piloten. Bei den bisher sechs Rennen in Russland hat immer ein Mercedes-Fahrer gewonnen.

Dem besten Red-Bull-Piloten, Max Verstappen, zuletzt beim GP der Toskana in Mugello ausgeschieden, fehlen 80 Zähler auf Hamilton. „Ich glaube, wir haben ein paar positive Schritte mit dem Auto in Mugello gemacht und natürlich war es gut, Alex erstmals auf dem Podium zu sehen“, sagte Verstappen auf der Website seines Arbeitgebers. Er selbst war nach seinem frühen Aus in Mugello unzufrieden. „Besonders, weil ich glaube, dass wir eine gute Chance auf mehr als nur ein Podium hatten.“

Sotschi werde nicht einfach werden, und es sei auch keine Lieblingsstrecke für Red Bull mit vielen langen Geraden. „Der Kurs ist ziemlich einzigartig, weil die meisten Kurven haben 90 Grad, die wir sonst nicht erleben“, so der Niederländer. Es gelte daher ein gutes Set-up zu finden, besonders für langsame Kurven, um mit maximaler Geschwindigkeit aus diesen in die Geraden zu kommen.

Alex Albon freut sich immer noch über seinen ersten Stockerlplatz nach Rang drei in Mugello. „Es ist etwas sehr Besonderes, die Thai-Fahne auf dem Podium zu sehen und auch, dass ich der erste Fahrer bin, dem das gelungen ist.“


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