Weidachhof-Projekt: Chaos im Schwazer Gemeinderat

SPÖ und Grüne pochen auf verdichteten Wohnbau beim Weidachhof-Projekt. ÖVP will ein Stockwerk weniger.

Die sonst ruhige Gemeinderatssitzung endete mit Misstönen.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Der Schock stand dem Schwazer Bürgermeister Hans Lintner am Mittwoch ins Gesicht geschrieben. Bei einem Bauantrag entstand unerwartet eine hitzige Diskussio­n. Schließlich passierte das, was seit der Gemeinderatswahl 2016 erst einmal vorkam: SPÖ, Grüne, FPÖ und die freien Mandatare überstimmten die ÖVP-Fraktion bzw. sorgten mit einer Patt-Situation für die Ablehnung des Antrags.

Dabei ging es um den Bebauungspla­n im Bereich Weidachhof, wo das abgebrannte Altenheim neu errichtet werden soll. Zudem sind dort Wohnungen und eine Parkanlage geplant. Während der Auflagefrist trudelten vier Stellungnahmen ein. Anrainer bemängelten u. a. die Geschoßhöhe. BM Lintner erklärte in der Sitzung, dass der Bebauungsplan wie geplant beschlossen werde, er als oberste Baubehörde aber mit Anrainern und dem Wohnbauträger vereinbart habe, die Geschoßhöhe von E+4 um ein Stockwerk zu verringern.

„Das heißt, wir verlieren mehrere Wohnungen. Davon weiß ich nichts. So wurde das in der Bauausschusssitzung nicht besprochen. Die Rede war davon, das Gebäude um 40 Zentimeter abzusenken“, sagte Wohnungsreferent Rudi Bauer (SPÖ). Auch Viktoria Gruber (Grüne) wirkte überrascht und entsetzt zugleich: „Wir haben im Ausschuss lange darüber geredet und uns auf E+4 geeinigt. Man muss sich hier für verdichtetes Wohnen im Zentrum aussprechen.“ VBM Victoria Weber (SPÖ) sprach sich ebenso für leistbares Wohnen und das vierte Stockwerk aus. Immerhin betreffe das von vier Baukörpern nur einen.

BM Hans Lintner und VBM Martin Wex (beide ÖVP) betonten, dass das sehr wohl im Ausschuss besprochen wurd­e. Laut Lintner geht es „nur“ um den Bebauungsplan, über die Geschoßhöhe könne man späte­r noch einmal reden.

Die SPÖ wollte eine kurze Unterbrechung zur Beratung. Dann folgte die Abstimmung: sieben Gegenstimmen (SPÖ und Grüne), drei Enthaltungen (FPÖ und freie Mandatare) und zehn Für-Stimmen (ÖVP). Das hieß: Antrag abgelehnt.

„Aber dann kann nicht gebaut werden“, sagte BM Lintner schockiert. Er warf der Opposition vor, dass sie nicht verstünde, worum es ginge, und wollte erneut abstimmen. „Man kann nicht so lange abstimmen, bis einem das Ergebnis passt“, konterte GR Albert Polletta. Bei einer zweiten Unterbrechung wurde hitzig zwischen ÖVP, SPÖ und Grünen diskutiert. Der Ton wurde stetig lauter und rauer.

BM Lintner musste akzeptieren, dass die Entscheidung rechtlich durch ist. Der Bebauungsplan wird in der nächsten Sitzung erneut behandelt. Laut Wex ärgerlich, da so der Zeitplan ins Stocken käme. Die Opposition glaubt das nicht, aber es sei wichtig, für leistbaren Wohnraum einzutreten, der laut ihr auch für die Nachbarn gut verträglich sei.


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