Sozialintegrative Projektklassen: Aus für Schulversuch in Telfs

An der Sonderschule angesiedelte Integrationsklassen laufen aus. Diese hätten sich zu „Eliteklassen“ entwickelt, erklärt die Bildungsdirektion. Von Eltern kommt massive Kritik.

Integrationsklassen finden in Telfs künftig an den Volksschulen, nicht mehr an der Sonderschule statt.
© Domanig

Telfs – Ein besonderer Schulversuch in Telfs geht zu Ende: Seit 1996 werden an der Walter-Thaler-Schule Sozialintegrative Projektklassen (SIP-Klassen) geführt: Dabei werden je 20 Volksschüler und drei bis fünf Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) von zwei Lehrpersonen (Teamteaching) gemeinsam unterrichtet – wobei die Klassen in einer Art „umgekehrter Integration“ an die Sonderschule angeschlossen sind. Dieses Modell läuft nun aus: Die aktuellen SIP- oder Integrationsklassen, wie sie jetzt heißen, werden noch zu Ende geführt, im heurigen Schuljahr wurde aber keine neue mehr gestartet.

Unter Elternvertretern aus Telfs sind Unmut und Unverständnis groß, die Kritik an Gemeinde und Bildungsdirektion teils harsch. Die SIP-Klassen seien eine Bereicherung für alle, gesunde und beeinträchtigte Kinder wüchsen „zusammen in Normalität auf“, Kinder mit SPF würden viel besser auf ein eigenständiges Leben vorbereitet. Die Lehrerteams seien eingespielt, bewährte Qualitäten würden einfach „verworfen“. Zudem sei die Einstellung „ohne Einbindung der Eltern“ erfolgt.

Eltern orten „Zwei-Klassen-Gesellschaft“

In Oberösterreich seien „I-Klassen“ an Sonderschulen 2019 hingegen Teil des Regelschulwesens geworden. Und in Telfs sei mit der „Thöni-Akademie“ ein anderer Schulversuch sehr wohl ins Regelschulwesen überführt worden. Die Eltern orten daher eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“.

Sie haben nun u. a. die Servicestelle Gleichbehandlung & Antidiskriminierung beim Land Tirol befasst, ebenso den Behindertenanwalt.

Das Bildungsministerium habe entschieden, Schulversuche mit ganz wenigen Ausnahmen generell auslaufen zu lassen, schickt die Bildungsdirektion für Tirol auf TT-Anfrage voraus. In Telfs habe man feststellen müssen, dass sich die SIP-Klassen zunehmend zu „Eliteklassen“ entwickelt hätten – womit sie dem Ziel, Integration und Chancengleichheit zu fördern, eigentlich entgegenstünden. Schon 2016 habe die Gemeinde als Schulerhalter den dringenden Wunsch geäußert, die SIP-Klassen aufzulösen, darüber seien damals auch die Elternvertreter informiert worden.

Tatsächlich ist es in Telfs kein Geheimnis, dass die Nachfrage nach den SIP-Klassen hoch und der Druck von Eltern auf Schulleitung und Gemeindeführung teils massiv gewesen sein soll.

„Eigenen Schultyp als Oberstufenform genehmigt“

Die Thöni-Akademie ist für die Bildungsdirektion ein völlig anderer Fall: Hier handle es sich um eine „einzigartige Kooperation“ zwischen der Firma Thöni, Berufsschulausbildung und Technischem Gymnasium. Das Ministerium habe in diesem Fall einen „eigenen Schultyp als Oberstufenform genehmigt“.

Laut Dietmar Meinschad, Direktor der Walter-Thaler-Schule, war es „die Entscheidung von Bildungsdirektion und Gemeinde, dass die Integationsklassen nicht mehr an der Sonder-, sondern an den Volksschulen stattfinden sollen“. Eigentlich war in Telfs geplant, die zwei Volksschulen und die Sonderschule zu einem Schulcluster zusammenzuführen. „Damit wäre die Integration an die Volksschulen verlegt worden, aber mit dem Know-how und der Lehrerschaft der Sonderschule.“ Der Cluster sei aber „auf Eis gelegt“, da eine der Volksschulen dagegenstimmte.

„Eltern haben immer das Wahlrecht, ob sie Kinder mit SPF an die Regelschule mit Stützkräften schicken wollen oder an die Sonderschule mit Kleingruppen“, betont BM Christian Härting. Etwaige Integrationsklassen fänden nun eben nicht mehr an der Walter-Thaler-Schule, sondern an den Volksschulen statt. (md)


Kommentieren


Schlagworte