Der Honda e: Geh vom Gas, ich will Spaß

Der elektrische Kleinwagen Honda e überrascht in vielerlei Hinsicht: Seinem harmlosen Äußeren steht ein futuristisches Cockpit gegenüber. Den kleinen Ausmaßen zum Trotz hält er sportliche Fahrleistungen parat.

Keine vier Meter lang, Heckantrieb und ein 154 PS starker Elektromotor, gespeist von einem 35,5-kWh-Lithium-Ionen-Akku: der Honda e.
© Höscheler

Von Markus Höscheler

Kolsassberg – Wer sich für ein Elektrofahrzeug entscheidet, muss de facto Abschied nehmen vom Gaspedal. Denn, streng betrachtet, kann ein Stromer zwar mit dem rechten Fuß beschleunigt werden – doch die Kraftübertragung erfolgt nicht mehr mithilfe eines explosiven Gasgemischs, sondern mit der Unterstützung wanderungsfreudiger Elektronen. Dies wird vielleicht am ehesten im Honda e bewusst, wenn die Einzelpedalsteuerung aktiv ist – ein System, das je nach Pedalstellung das Fahrzeug beschleunigt, die Geschwindigkeit konstant hält oder in unterschiedlicher Intensität verzögert. Mit Schaltwippen lässt sich die Bremswirkung verstärken oder abschwächen – damit greift der Fahrer in die Art des Rekuperationsprozesses ein, also in die Rückgewinnung von Bremsenergie.

Diese Einzelpedalsteuerung, die das abrupte Bremsen mit einem eigenen Bremsen fast überflüssig macht, gibt es mittlerweile schon in mehreren Fahrzeugen – gleichwohl fühlt sich die Technik im Honda e sehr gereift an. Selbiges gilt für die futuristisch anmutende Cockpitgestaltung. Hier waren die Designer und sonstigen Techniker außerordentlich kompromisslos unterwegs, denn die Armaturentafel strotzt nur so von digitalen Anzeigen, und das gediegenermaßen über die ganze Breite. In hoher Auflösung präsentieren sich an den Flanken die Rückansichten, die via Außenkameras eingespielt werden und klassische Außenspiegel überflüssig machen. Dazwischen finden wir das analoge Instrumentarium, im Weiteren die Navigation bzw. die Multimediabedienung sowie diverse Funktionen. Das digitale Interieur verleitet zur Vermutung, die Insassen befänden sich in einem Raumschiff.

Dass dem nicht so ist – dafür sorgen erdende Werksangaben und die Praxiserprobung. Obwohl das Modell nur 3,89 Meter lang ist, wiegt es mehr als 1,5 Tonnen. Damit lässt sich nicht so leicht abheben – aber immerhin geht es längs recht flott voran. Dafür bürgt ein 154 PS starker Elektromotor, der in der Lage ist, den Honda e in 8,3 Sekunden von null auf 100 km/h zu beschleunigen. Rein subjektiv fühlt sich das Sprinten noch zügiger an, jedenfalls bei unseren Testfahrten am Rande des Inntals. Dafür dürfte zusätzlich das satte Drehmoment verantwortlich sein, denn ab Stillstand liegen immerhin 315 Newtonmeter an.

Die erforderliche Energie bezieht das E-Aggregat aus einem Lithium-Ionen-Akku, der mit 35,5 Kilowattstunden bis zu 222 Kilometer Reichweite anzeigt. Klarerweise schmilzt diese Reserve bei Bergfahrten schnell – dafür nimmt sie talwärts wieder deutlich zu, sodass wir unterm Strich tatsächlich mit einer Alltagsreichweite von rund 200 Kilometern rechnen können.

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Apropos Alltag: Der Honda e versucht nicht zu täuschen, wirbt nicht mit Fabel-Reichweiten oder übermäßigen Platzangebotsangaben – er bietet sich stattdessen zuverlässigerweise für ausgedehnte Pendelfahrten an, kann vier Erwachsene aufnehmen, die bequem sitzen wollen und auf einen erstaunlich ausgewogenen Fahrkomfort zählen. Auch mit dem Ladeabteil übertreibt es der Honda e keineswegs: Lediglich 171 Liter offeriert der elektrische Kleinwagen, bei umgeklappten Rücksitzlehnen sind es 861 Liter.

Größer werden die Zahlen erst wieder, wenn es um den Tarif geht. Den Honda e offerieren die heimischen Händler ab 34.990 Euro, wobei hier die Basisausstattung zu Buche schlägt und noch keine Förderung inkludiert ist. Der hier beschriebene Testwagen ist dank einiger Komfort- und Sicherheits-Zugaben (Ausstattung Advance) 38.650 Euro wert.


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