Volkstheater-Sanierung auf der Zielgeraden

Tritt man durch den Eingang des sich momentan noch hinter Bretterwänden versteckenden Volkstheaters, scheint die Vorstellung, hier am 8. Jänner ein fertig saniertes Haus betreten zu können, weit weg. Kabel baumeln von den Decken, Schutzfolien bedecken den Boden, aber Direktor Kay Voges strahlt: „Wir werden dieses Haus mit viel Leidenschaft mit neuer Energie füllen“, blickt er wenige Wochen vor der Spielplan-Präsentation Anfang November „fantastisch gestimmt“ in die Zukunft.

120 bis 150 Arbeiter tummeln sich im Haus, dessen Fassade bereits in frischem Weiß erstrahlt. Der Plan, Anfang Jänner zu eröffnen, sei trotz Corona aufrecht, wie Voges bei einem Lokalaugenschein vor Journalisten betont. Das Programm selbst sei derzeit jedoch im Umbruch: Voges, der rund ein Drittel internationale Koproduktionen zeigen wollte, kämpft mit den coronabedingten Reisebeschränkungen und will nun doch vermehrt auf Eigenproduktionen sowie größtmögliche Flexibilität bei sich wöchentlich verändernden Rahmenbedingungen setzen. „Wir müssen auf Sicht fahren“, so der Neo-Direktor, der sich wöchentlich vor Ort einen Überblick über den Fortgang der Sanierungsarbeiten verschafft.

Fix geändert haben sich aufgrund der Verzögerung durch die Coronakrise die geplanten Kosten für die Sanierung, wie die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) auf APA-Nachfrage erklärte: Derzeit liege man um circa 1,7 Mio. Euro über dem Plan von 27 Mio. Euro. Genaueres - wie etwa die Frage, wer die Mehrkosten übernimmt - könne man aber erst nach Ende der Bauarbeiten sagen.

Jedenfalls betonte sie, „dass es mir von Anfang an ein großes Anliegen war, dieses Haus im Herzen der Stadt in jeder Hinsicht neu zu positionieren“. Dabei spielt sie nicht nur auf das Ringen um die Finanzierung - der Bund steuert ebenso wie die Stadt 12 Mio. Euro bei - an, sondern auch auf die Suche nach einem Nachfolger für Anna Badora, die das Haus mit Ende vergangener Saison verlassen hat. Anders als etwa bei manchen Häusern in Deutschland habe man „für diese Funktionssanierung, die man überall spüren kann“, nicht Hunderte Millionen Euro gebraucht, so Kaup-Hasler mit Verweis auf den 225 Mio. Euro teuren Umbau der Komischen Oper in Berlin.

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Hinter den Kulissen habe sie in den vergangenen Monaten darüber hinaus mit dem Volkstheater, dem Theater in der Josefstadt und dem Theater der Jugend auch über die Schaffung eines neuen Kollektivvertrags gesprochen. Zwar sei man durch mangelnde Besprechungsmöglichkeiten während der Coronakrise noch nicht am Ende der Verhandlungen, Kaup-Hasler zeigte sich aber zuversichtlich, bald zu einer Einigung auf eine dem zeitgenössischen Theaterbetrieb entsprechenden Lösung zu kommen. Unterdessen ist der Lärmpegel in der Roten Bar, in der sich Kaup-Hasler und Voges eingefunden haben, unerträglich geworden. In ein paar Wochen soll hier alles ganz anders aussehen. Und dann will Voges verraten, wie seine Vision für das frisch sanierte Haus aussieht.


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