Dem Triathlon verschrieben: Eine unermüdliche Familie

Familie Jenewein aus Steinach lässt nur selten einen Triathlon aus. Vater David engagiert sich schon seit 2002 für den Nachwuchs. Nun trainiert er seine beiden Kinder.

David, Rosa, Carmen und Luis Jenewein (v. l.) haben ihr Leben dem Triathlon verschrieben.
© Foto Rudy De Moor

Von Manuel Lutz

Steinach – Schule, Lernen, Sport – aktuell müssen Rosa (9) und Luis (12) Jenewein den etwas anderen Triathlon bewältigen. Vor allem beim Lernen und den Hausaufgaben dürfen die beiden keine Zeit verlieren – wie eben bei einem Wettkampf –, denn sonst kommt ihre Lieblingsdisziplin zu kurz. „Wir wissen, dass jeden Tag etwas zu tun ist. Wenn Schwimmtraining ist, müssen die Kinder schnell die Hausaufgaben machen, denn um 18 Uhr müssen sie voll da sein“, erklärt Mutter Carmen Jenewein. An diesem Nachmittag haben die beiden Geschwister wohl einen neuen Rekord aufgestellt – denn es bleibt genug Zeit, um noch im Garten auf dem Trampolin zu hüpfen und mit dem Rad ein paar Runden zu drehen.

An den Wochenenden widmet sich die Familie dann ihrer großen Leidenschaft – dem richtigen Triathlon. Die Ausdauersportart, die sich aus den drei Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen zusammensetzt, haben Luis und Rosa in die Wiege gelegt bekommen. Denn Vater David Jenewein ist ein bekanntes Gesicht der heimischen Triathlonszene: „Durch meinen Bruder Oliver bin ich zum Triathlon gekommen. 1994 nahm ich erstmals bei einem Wettbewerb teil.“ Drei Jahre später folgte die Ausbildung zum staatlich geprüften Trainer. „Seit 19 Jahren leite ich nun das ASVÖ-Leistungszentrum des Tiroler Triathlonverbandes“, lässt der 48-Jährige seine bisherige Laufbahn Revue passieren. Unter seiner Leitung wurden bisher 333 Medaillen bei Österreichischen Meisterschaften gesammelt.

Im Garten werden Kraul-Übungen absolviert.
© Foto Rudy De Moor

Auch mit der Familie lässt sich dies alles unter einen Hut bringen, wie der Architekt betont: „Es ist ein Familiensport. In Tirol gibt es einige Triathlon-Familien. Die Kinder spielen so den ganzen Tag miteinander.“

So waren Rosa und Luis schon von klein auf immer mit dabei. „Sie haben das Prozedere gesehen und miterlebt. Luis ist mit zweieinhalb Jahren schon bei einer Veranstaltung mit dem Laufrad auf der Seite mitgelaufen“, erinnert sich der stolze Vater.

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Jeweils mit fünf Jahren absolvierten Rosa und Luis ihren ersten Kindertriathlon, seither sind sie bei den Kinder​triathlonzügen Fixstarter. „Als Luis am Schwarzsee zum ersten Mal gestartet ist, war ich schon sehr nervös, mein Puls ging in die Höhe“, erinnert sich die 43-jährige Mutter zurück. Auch bei Rosa war dies nicht viel anders, wie Luis ergänzt: „Beim ersten Lauf hätte Mama alles filmen sollen, man hat aber nur den Rasen am Video gesehen.“

Gleichgewichtsübungen auf dem Fahrrad.
© Foto Rudy De Moor

Die Anspannung ist Geschichte, nun schaut Carmen gelassen ihren Kindern zu, die von Erfolg zu Erfolg eilen. Stolz präsentiert Luis sogleich einen Teil seiner Medaillensammlung: „Selber habe ich um die 60 Medaillen und 30 Pokale schon gewonnen.“ Auch bei den Tiroler Meisterschaften war der 12-Jährige bereits erfolgreich, sein großes Ziel: „Österreichischer Meister zu werden und den Weltcup in Kitzbühel einmal zu gewinnen.“ Sein Erfolgsrezept: „Im See sind so große Welse, da schwimme ich extra schnell.“ Aber auch Schwester Rosa hat schon eine beachtliche Medaillensammlung daheim. Zusammen haben sie fast schon so viele Auszeichnungen wie Micky-Maus-Bücher, auf die sie ebenso stolz sind. „Insgesamt sind es 150 Bücher“, sind sich die beiden einig.

Der Fokus liegt auf der allgemeinen Athletik

Trainiert werden sie vom eigenen Vater – im Leistungszentrum sowie privat: „Abgesehen vom Schwimmen wird in diesem Alter nicht spezifisch trainiert.“ Der Fokus liegt auf der allgemeinen Athletik. „Später kann jede Sporart daraus werden. Mir ist nur wichtig, dass die Kinder Sport machen. Der Wettkampf ist insofern wichtig, da sie dabei Aufgaben meistern. Es geht hier nicht um Gewinnen oder Verlieren. Der Kinder-Triathlon-Zug ist dafür perfekt.“

Seit dem Lockdown ist der eigene Garten häufig das Trainingsareal – dies ist auch für Sportarten wie beim Triathlon möglich. „Es benötigt dafür nicht viel“, ist für David klar.

Von Stabilisierungsübungen bis zum Gleichgewichtstraining mit dem Rad ist in der Wiese vor dem Haus alles möglich. Luis hat seine Runden während dem Lockdown am liebsten um den Kirschbaum gedreht: „Da war dann kein Gras mehr.“

Auch Carmen hat beim Trainingsprogramm fleißig mitgemacht. Heuer ist zwar kein Bewerb mehr, die Vorbereitungen für die nächste Saison laufen jedoch auf Hochtouren. Geht es nach den Kindern, soll die Mutter dann nicht mehr nur als Taxifahrerin und treuer Fan dabei sein, sondern selbst am Start stehen. „Zum Muttertag hab’ ich das 20 Jahre alte Rennrad von David bekommen“, verrät Carmen.


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