Stolpersteine statt Vergessen: Erster NS-Gedenkstein in Innsbruck installiert

Europaweit erinnern zirka 75.000 „Stolpersteine“ in über 25 Ländern an NS-Opfer, meist an ihren letzten freiwilligen Wohnorten. Nun gibt es den ersten in Innsbruck.

In Innsbruck wurde der erste Stolperstein, in Erinnerung an Alfred Graubart, verlegt: Lukas Schmied, Arnulf Benzer, Annelies Brugger, Harald Büchele, Anton Pelinka und Walter Plasil (v.l.).
© Parth

Von Thomas Parth

Innsbruck – Gestern Samstag wurde der erste so genannte „Stolperstein“ in Innsbruck installiert. Dafür hatte sich die Initiative „Stolpersteine für Tirol“ rund um Harald Büchele starkgemacht. Aufgrund politischer Diskussionen und einer bis dato nicht vorliegenden Baugenehmigung verlegten die Initiatoren den Gedenkstein kurzerhand auf Privatgrund. Der Innsbrucker Alfred Graubart wurde beim November-Pogrom 1938 aufgrund seines jüdischen Glaubens von SA-Männern brutal niedergeschlagen – sein Bruder Richard wurde ermordet. Der Pflasterstein mit Messingkopf am Haydnplatz Nr. 8 wird künftig an das Schicksal Graubarts erinnern. „Der Stein verweist auf ein Individuum. Dadurch wird uns allen ein Einzelschicksal nähergebracht“, unterstreicht Büchele, der auch den Wiedererkennungswert dieser Form von Gedenktafeln hervorhebt.

Unterstützt wird die Stolperstein-Aktion sowohl von der Israelitischen Kultusgemeinde in persona ihres Präsidenten Günter Lieder als auch durch Politikwissenschafter Anton Pelinka: „Ich befürworte die Stolpersteine. Sie unterstreichen in besonderer Weise das, was zwischen 1938 und 1945 geschehen ist und nie wieder geschehen darf.“

Die im Vorfeld geäußerte Kritik, dass nun die Opfer erneut mit Füßen getreten würden, sieht Büchele anders: „Wenn man einen Stolperstein betritt, wird einem das Geschehen von einst, als die Menschen am Boden lagen, auf ebenso brutale Weise vor Augen geführt. Die Menschen wurden geschlagen, gequält und misshandelt und kamen am Boden zu liegen. Diese Geschichte darf nicht in Vergessenheit geraten.“ Zudem würden die Stolpersteine andere Formen der Erinnerungskultur – wie auch von der Stadt Innsbruck bereits in Aussicht gestellt – nicht ausschließen. Die Initiative hofft darum auch auf ein Einlenken der Stadt.

„Wenn einen der tägliche Weg an einem Stolperstein, vielleicht auch an mehreren, vorbeiführt, begleitet einen stets die Erinnerung, was zwischen 1938 und 1945 passiert ist. Damit geht auch die Warnung einher, dass Verfolgung, Vertreibung und Ermordung, die letztlich im Holocaust gipfelten, nie wieder geschehen dürfen“, erklärt Büchele.

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