Trotz Gewessler-Zusage: 1-2-3-Ticket bleibt schwierige Geburt

Trotz Gewessler-Zusage zur Abdeckung von Einnahmenverlusten gab es gestern keine Einigung mit den Bundesländern.

Geht es nach dem Bund, soll bereits bis Mitte 2021 ein österreichweites Öffi-Ticket für drei Euro am Tag eingeführt werden. (Symbolfoto)
© Böhm Thomas

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Mehr als 100 Prozent kann Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) den Bundesländern nicht anbieten. Gemeint ist damit die Finanzierung jenes Einnahmenentfalls, der den Ländern blüht, sollte die vorgezogene dritte Stufe des 1-2-3-Öffi-Tickets wie beabsichtigt im ersten Halbjahr 2021 zünden. Wie berichtet, soll es dann möglich sein, für drei Euro pro Tag (1095 Euro/Jahr) mit nur einem Ticket österreichweit alle Öffis zu benutzen.

Noch bevor sich die VerkehrslandesrätInnen gestern Nachmittag in eine Videokonferenz mit Gewessler einklinkten, hatte selbige ihnen ausrichten lassen, sämtliche Ticketkosten zu übernehmen. Das Kundenpotenzial für die „3er-Stufe“ wird auf 100.000 geschätzt. Diese Kunden würden in Folge freilich den Verbund- und Stadtverkehren wegbrechen. Diese Verluste würde der Bund im Jahr 2021 mit 95 und 2022 mit bis zu 150 Millionen Eur­o ausgleichen, verspricht Gewessler. Über die genauen Abrechnungsmodalitäten werde derzeit verhandelt.

Gewessler’sche Zuckerl wollen noch nicht lutschen

Nach mehr als zwei Stunden Konferenz war klar: Bis auf Tirol, Vorarlberg und Wien will der Rest der Bundesländer das Gewessler’sche Zuckerl noch nicht lutschen. Das bestätigt im Anschluss auch Felipe der TT. Eben jene Länder, die über noch keine Flächentickets verfügen, hätten die Einführung der 3er-Stufe damit junktimieren wollen, dass bis dahin alle Verhandlungen über die – finanztechnisch – ungleich schwierigere Umsetzung der ersten und zweiten Stufe des Öffi-Tickets mit dem Bund vertraglich dingfest gemacht sind. Das aber, so Felipe, würd­e den Umsetzungszeitplan des österreichweiten Tickets über den Haufen werfen.

„Zumindest sind sich Alle einig, dass das 1-2-3-­Ticket kommen soll“

Tirol, Vorarlberg und Wien – sie alle haben bereits günstige Jahrestickets am Start – wollen das nicht. Ergo ging man gestern ohne Einigung auseinande­r – und vertagte sich für neue Gespräche im Oktober. Nach der Wien-Wahl. Felipe bedauert zwar, dass „dieser Zwischenschritt jetzt nicht gelungen ist“, bleibt aber dennoch guter Hoffnung: „Zumindest sind sich alle Länder einig, dass das 1-2-3-­Ticket kommen soll.“

Gewessler sprach gestern von einer „intensiven Diskussion“. Mit der Ausfallsfinanzierung des Bundes sei man „so weit wie noch nie – wir sollten die Menschen nicht mehr warten lassen“.

Per Beschluss unterstützt wurde indes das Vorhaben der Bundesregierung, Maßnahmen auf EU-Ebene zu forcieren, welche den Gütertransitverkehr vermehrt auf die Schiene verlagern und Umwegverkehre über den Brenner verhindern sollen. Das Mittel dazu: die gefordert­e Alpentransitbörse.


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