Fragmente der Wirklichkeit im Innsbrucker Fotoforum

Premiere im Innsbrucker Fotoforum: Gabriele Rammesmayer verbildlicht in ihren „cut-ups“ formal raffiniert das, was sie nicht sagen kann.

Während Stadtspaziergängen „geschossene“ Fotos sind die Basis für Gabriele Rammesmayers u. a. als Spiel mit Überblendungen entstehende „cut-ups“.
© Rammesmayer

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Die Wahl-Innsbruckerin Gabriele Rammesmayer versteht sich als „künstlerische Fotografin aus Leidenschaft“. Die handwerkliche Basis für ihr Tun hat sie sich durch die Teilnahme an Workshops erarbeitet, mit dem Ziel, in ihrer Fotografie das auszudrücken, „was ich nicht sagen kann“. Beispiele dieses Ungesagten zeigt Rammesmayer derzeit im Innsbrucker Fotoforum. Bilder, die in ihrer Schemenhaftigkeit die Sehnerven kitzeln, indem sie übliche Formen der Wahrnehmung raffiniert in Frage stellen.

Die von William Burrough­s praktizierte „cut-up“-Technik habe sie zu ihrer Art, die Wirklichkeit zu sehen, inspiriert, sagt die gebürtige Burgenländerin. Ihr Interesse gilt prinzipiell dem Menschen, allerdings keinem speziellen. Wobei die während ausgedehnten Stadtspaziergängen entstandenen Aufnahmen meist Zufallsprodukte sind, die durch technische Tricks wie die Überblendung mehrerer Bilder zu etwas Neuem werden.

Mehr oder weniger zu Silhouetten reduzierte Figuren bevölkern diese Sujets. Alte wie junge, schauende, lesende, Koffer tragende, einsame genauso wie liebevoll sich umarmende. In einem der Bilder tritt ein junger Mann sozusagen aus sich selbst heraus, wird er zu so etwas wie seinem eigenen, ihm vorauseilenden Schatten. In einem anderen Bild wiederum sitzt auf einem Körper, der wie gemauert daherkommt, ein ganz realistische­r Kopf. Was die Künstlerin uns damit sagen will, bleibt offen, wie so vieles in dieser mit realen Versatzstücken jonglierenden Bildwelt Rammesmayers. Deren Lust am technischen Experiment unübersehbar ist, am Spiel mit dem Uneindeutigen, surreal Überhöhten.


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