Tiroler Kinos vor ungewisser Zukunft: Hoffnungsträger James Bond

Die Kinobranche steuert einer ungewissen Zukunft entgegen. Verschobene Blockbuster und verunsicherte Besucher sorgen für ein Minus an den Kassen.

Die Kinos kämpfen im Gefolge der Corona-Krise mit massiven Umsatzeinbußen.
© imago images / Tinkeres

Von Markus Schramek

Innsbruck – Tirols Kinobetreiber sind seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März Kummer gewöhnt. Zuerst waren die Lichtspieltheater viele Wochen lang überhaupt geschlossen. Ab Ende Mai ging es zaghaft weiter. Der Besucherandrang hielt sich aber in Grenzen.

Dietmar Zingl, als Geschäftsführer des Otto-Preminger-Instituts für das Leokino und das Cine­matograph in Innsbruck zuständig, schätzt, „dass unsere Auslastung bei 25 Prozent des Vorjahres liegt“. Mario Hueber vom Innsbrucker Metropolkino zieht eine ähnlich ernüchternde Bilanz: „Unser Umsatz wird um 60 Prozent einbrechen.“

November-Termin wackelt

Beide Kinofachleute erleben dieser Tage erneut einen Rückschlag. Filme mit erwartet großer Zugkraft werden verschoben, weil zwei der wichtigsten Märkte der Filmbranche, die USA und Großbritannien, Corona nicht ausreichend unter Kontrolle bringen. Die Agatha-Christie-Verfilmung „Tod auf dem Nil“ von Regisseur und Schauspielstar Kenneth Branagh ist seit einem Jahr fertig. Der Film war für Oktober angekündigt, jetzt ist der Start ungewiss.

Dasselbe gilt für das ursprünglich für April angesetzte (25.) James-Bond-Abenteuer „Keine Zeit zu sterben“. Dieser mutmaßliche Kassen­magnet wurde dreimal verschoben und soll nun im November starten. Mario Hueber, der im Metropol einen Blockbuster dieser Güte gut gebrauchen könnte, ist allerdings skeptisch, dass Bond den November-Termin einhält. „Die Corona-Lage in Großbritannien hat sich ja wieder verschlechtert.“

Hoffen auf weitere Zuschüsse

Hueber konnte über die warme Jahreszeit einen Teilerfolg verbuchen. Das Autokino bei der Olympiaworld fand mit insgesamt 25.000 Besuchern regen Zuspruch. Und dennoch: „Die nächsten Monate werden für uns private Kinobetreiber entscheidend sein“, blickt Huebe­r voraus. Er hofft, dass die Bundesregierung der angeschlagenen Branche noch einmal unter die Arme greift, in Form eines zweiten Zuschusses zu den Fixkosten.

Auch Dietmar Zingl muss sich knapp vor seinem Pensionsantritt mit den Finanzen herumschlagen. Er rechnet heuer mit einem Minus von bis zu 200.000 Euro und baut darauf, dass ihn die Förderer des Preminger-Institus, Stadt Innsbruck, Land Tirol und der Bund, nicht im Stich lassen.

Allfällige Ängste vor einem Kinobesuch zerstreuen die beiden Geschäftsführer. Es gilt Maskenpflicht bis zum zugewiesenen Sitzplatz. „In Sachen Lüftung sind wir bestens ausgestattet, es wird ausschließlich Luft zugeführt, keine Raumluft umgewälzt“, sagt Zingl. Hueber betont, „dass die Luft pro Vorstellung zwei- bis dreimal ausgetauscht wird“.

Für die Branche wird die Luft zum Atmen hingegen allmählich dünn.


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