Frauen in Weißrussland demonstrieren gegen Lukaschenko

Mehrere Hundert Frauen haben sich am Samstag in Weißrussland zu einem neuen Protestmarsch gegen die Amtseinführung von Staatschef Alexander Lukaschenko versammelt. An zentralen Plätzen in der Hauptstadt Minsk versammelten sie sich und riefen „Schande“. Es kam zu Festnahmen, Details waren zunächst nicht bekannt. Zuvor hatten sich Demonstrantinnen zur symbolischen „Amtseinführung“ von Lukaschenkos Gegnerin Swetlana Tichanowskaja versammelt.

Die traditionelle Samstagdemonstration der Frauen sei diesmal als „festliche Generalprobe einer echten Amtseinführung durch das Volk“ angelegt, hieß es. Tichanowskaja sei die wahre Siegerin der Präsidentenwahl vom 9. August, teilten die Organisatorinnen in ihrem Protestaufruf mit. Die 38-jährige Oppositionsführerin war auf Druck von Lukaschenkos Machtapparat ins benachbarte EU-Land Litauen geflüchtet. Sie sei die Präsidentin der Herzen.

Das Menschenrechtszentrum Wesna sprach unmittelbar nach Beginn der Aktion schon von rund zehn Festgenommenen, darunter auch Journalistinnen. Auf Videos war zu sehen, wie uniformierte Sicherheitskräfte Frauen an Händen und Füßen zu den Bussen schleppten. Auch vor Einkaufszentren wurden Menschen mitgenommen.

Für den „Marsch der weiblichen Solidarität“ sammelten sich die Frauen in mehreren Gruppen. Mit den regelmäßig am Samstag stattfindenden Demonstrationen wollen sie die Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja unterstützen, die sie als wahre Siegerin der Wahl vom 9. August ansehen. Tichanowskaja war von Lukaschenkos Machtapparat zur Ausreise ins benachbarte EU-Land Litauen gedrängt worden.

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Die Proteste in der ehemaligen Sowjetrepublik dauern inzwischen schon fast acht Wochen. Lukaschenko hatte sich nach der von massiven Manipulationen überschatteten Abstimmung mit mehr als 80 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Er ist bereits seit 26 Jahren an der Macht. Der 66-jährige Lukaschenko hatte sich in einem weithin als „Geheimoperation“ kritisierten Staatsakt am Mittwoch zum sechsten Mal in Folge in das Präsidentenamt einführen lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als legitimen Präsidenten an. Der Machthaber von Minsk hatte die Kritik an seiner neuen Amtseinführung nach 26 Jahren als Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Ex-Sowjetrepublik zurückgewiesen.

Weil es schon am Tag der nicht öffentlich gemachten Amtseinführung zu massiven Protesten kam, erwarten Beobachter einen starken Zulauf bei dem Aufstand gegen Lukaschenko an diesem Wochenende im ganzen Land. Höhepunkt ist zum siebenten Mal in Folge der Sonntag mit womöglich bis zu Hunderttausenden Demonstranten.

Die traditionelle Samstagdemonstration sei diesmal als „festliche Generalprobe einer echten Amtseinführung durch das Volk“ angelegt, hieß es. „Lasst uns zeigen, wer unsere Präsidentin ist.“ Eine Großdemonstration mit Hunderttausenden Menschen ist für Sonntag geplant. Die Demonstranten fordern Neuwahlen ohne Lukaschenko, die Freilassung aller politischen Gefangenen und die strafrechtliche Verfolgung der Polizeigewalt.


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