Bericht wühlt USA vor TV-Debatte auf: Donald Trump zahlte kaum Steuern

Kurz vor der ersten TV-Debatte stellte eine Enthüllung die Selbstinszenierung des US-Präsidenten in Frage. Demnach bezahlte US-Präsident in vergangenen Jahren kaum bis keine Steuern, auch seinen Unternehmen geht es schlechter als behauptet.

Donald Trump will mithilfe der TV-Debatte aufholen. Er hat laut Medien nicht gezielt trainiert, sondern vertraut seinem Instinkt.Foto: AFP/Ngan
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Von Floo Weißmann

Washington – Heute Abend (3 Uhr morgens MESZ) treffen US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden zur ersten TV-Debatte aufeinander. Das Ereignis war ohnehin mit Spannung aufgeladen, gilt es doch als eine der letzten Chancen für Trump, im Finale des Wahlkampfs noch aufzuholen. Am Tag vor der Debatte enthüllte die New York Times noch dazu Steuer­informationen Trumps aus den vergangenen zwei Jahrzehnten, die seine Selbstinszenierung als erfolgreicher Geschäftsmann und Multimilliardär in Frage stellen.

Trump hatte – mit einer Tradition für Spitzenpolitiker brechend – Einblick in seine Vermögensverhältnisse stets verweigert. Die Enthüllung liefert nun ein mögliches Motiv dafür. Den Steuerunterlagen zufolge, die der NYT vorliegen, führte Trump im Wahljahr 2016 sowie im ersten Jahr seiner Präsidentschaft jeweils nur 750 Dollar an Einkommensteuer ab. In elf der 16 Jahre zuvor hatte er demnach überhaupt keine Einkommensteuer gezahlt.

Umfragen sehen Joe Biden derzeit deutlich vorne.
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Möglich war dies, weil Trumps Firmen – Hotels, Casinos, Golfklubs – teils hohe Verluste meldeten. Dazu kamen hohe Abschreibungen – unter anderem für Beraterhonorare, die womöglich zum Teil in der Familie blieben, und für ein von der Familie bewohntes, mehr als 80 Hektar großes Anwesen, das als Investment deklariert wurde.

Während Trump wegen Verlusten kaum Einkommensteuer zahlte, lebte er ein Luxusleben und pries seine Genialität als Unternehmer. Politisch brisant: Viele Amerikaner, die mit steigenden Kosten für Wohnraum, Bildung und Gesundheit kämpfen, zahlen höhere Steuern.

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Den Zahlen zufolge stieg Trump zu dem Zeitpunkt in die Politik ein, als die Einnahmen aus der hochprofitablen TV-Show „The Apprentice“ zurückgingen. Das gibt Spekulationen neue Nahrung, wonach er ursprünglich gar nicht regieren, sondern nur die Wahlkampfbühne zur Eigenwerbung nützen wollte. Seit seinem politischen Aufstieg haben Lobbyisten, Politiker und Diplomaten laut Medien seinen Hotels und Golfklubs einen satten Umsatzzuwachs beschert.

Trump nannte die Enthüllungen „totale Fake News“. Sein Sohn Donald Jr., der das Familienunternehmen managt, bestritt die Zahlen hingegen nicht. Er warf der New York Times aber vor, sich Informationen herauszupicken. Der Bericht lasse etwa Vermögensteuern oder Sozialabgaben aus. „Die Leute verstehen nicht, was zu einem Geschäft gehört“, sagte Donald Jr.

Trumps Finanzen stehen zwar nicht auf der Themenliste für die heutige TV-Debatte, die Enthüllung dürfte aber seinem Herausforderer eine Steilvorlage liefern. Bidens Team erklärte bereits, dass Trump auf arbeitende Menschen herabschaue. Und es verkauft jetzt Sticker mit dem Slogan: „Ich habe mehr Einkommensteuern als Donald Trump bezahlt.“

Für einen weiteren Vorteil von Biden bei der Debatte hat der Präsident selbst gesorgt: Seit Monaten stellt er diesen als nicht mehr ganz zurechnungsfähig dar, am Sonntag schlug er sogar einen Drogentest vor der TV-Debatte vor. Damit hat er nach Ansicht von Experten die Erwartungen an Biden so niedrig geschraubt, dass dieser leichter positiv überraschen kann. Dabei gilt der frühere Vizepräsident, der für seine sprachlichen Ausrutscher berüchtigt ist, eigentlich nicht als guter Debattenredner und als wenig charismatisch.

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Das TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden sehen Sie in der Nacht auf Mittwoch auf www.tt.com im Livestream. Anschließend gibt es gleich in der Früh einen Nachbericht.


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