Der Aufstand der Zwerge: Ritsch holt Stadtchef-Posten für SPÖ in Bregenz

Michael Ritsch landete mit Ausdauer und Hartnäckigkeit Sensation in Bregenz. Der neue Stadtchef wird aufgrund der Mehrheitsverhältnisse immer wieder eine breite Zusammenarbeit suchen müssen. Denn klar stärkste Kraft bleibt die ÖVP.

Michael Ritsch wurde zum neuen Bürgermeister in Bregenz gewählt. Nach 30 Jahren regiert mit ihm dort wieder ein Sozialdemokrat.
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Von Michael Sprenger

Bregenz – Es war das Jahr 2014. In Vorarlberg sollte ein neuer Landtag gewählt werden. Der Wahlkampf war einmal mehr arm an Themen. Markus Wallner führte erstmals als Landeshauptmann die ÖVP in den Wahlkampf. Also waren die einzigen zwei relevanten Fragen, ob er, Wallner, die Absolute würde verteidigen können – und wenn er sie verliert, findet er dann den Weg zurück zur FPÖ oder koaliert er mit den Grünen.

In so einem Umfeld hatte die SPÖ nichts zu melden. Das wusste auch ihr engagierter Spitzenkandidat Michael Ritsch. Also wollte er mit Selbstironie das Augenmerk auf seine Partei lenken. Ritsch engagierte Gartenzwerge. Auf Plakate wurde verzichtet. Als dann noch die roten Zwerge geklaut wurden, war zumindest der Werbeeffekt vorhanden. Selbst in den USA wurde über den Zwerge-Diebstahl berichtet. Nur ein Zwergenaufstand, der fand nicht statt.

Die schon vor der Wahl am Boden liegende SPÖ stürzte noch mal ab, war nach der Wahl nur noch einstellig.

Doch Michael Ritsch ließ sich nicht entmutigen. Der ausgebildete Gendarm hatte immer schon einen langen Atem. Als Sozialdemokrat waren ihm Alfred Gusenbauer und Christian Kern immer näher als Werner Faymann. Und er wusste, dass sein großes Ziel die Landeshauptstadt bleiben würde. Dort hatte er schon 2005 die Bregenzer ÖVP und Bürgermeister Markus Linhart in die Enge getrieben. Immerhin die absolute Mehrheit in der Stadtvertretung ging den Schwarzen verloren. Bei der Gemeinderatswahl 2010 und 2015 mussten Ritsch und die SPÖ wieder Verluste verkraften. Doch der heute 52-Jährige wollte es noch einmal wissen. Am Sonntag landete er die Sensation. Bei der Stichwahl konnte er einen Rückstand von 8,7 Prozentpunkten gegenüber Linhart wettmachen. Erstmals seit 30 Jahren regiert also wieder ein Sozialdemokrat in Bregenz.

Und weil an den Gestaden des Bodensees Platz für mehr Überraschungen vorhanden ist, machte in Hard der amtierende SPÖ-Chef im Ländle, Martin Studinger, den „roten Sonntag“ perfekt. In Lochau am Bodensee gibt es mit Frank Matt zudem den ersten grünen Bürgermeister Vorarlbergs.

Apropos Grüne: Sie regieren in Vorarlberg mit der ÖVP seit 2014. Bis zum Sonntag waren Schwarz-Grün auch die Koalitionsfarben in Bregenz. Doch damit ist es nun vorbei.

Der neue Stadtchef wird aufgrund der Mehrheitsverhältnisse immer wieder eine breite Zusammenarbeit suchen müssen. Denn klar stärkste Kraft bleibt die ÖVP.

Dabei wird Ritsch auch offen auf die Grünen zugehen müssen. Denn das weiß er: Ohne die Grün-Wähler hätte er die Stichwahl gegen den ÖVP-Bürgermeister nicht gewinnen können.


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