Reisewarnungen für Tirol: Kritik an „Ampelterror“, Sondersitzung der Regierung

Reigen der Reisewarnungen geht weiter: Bei einer Krisen-Konferenz forderten Tirols Touristiker mehr Planbarkeit, Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl fordert von Gesundheitsminister Anschober neue Ampelregelungen. Die Landesregierung berät heute.

Die Touristiker wissen wegen der Reiswarnungen derzeit nicht, wie die Wintersaison funktionieren soll.
© Thomas Böhm

Innsbruck – Die Stimmung in den Tiroler Tourismusverbänden ist nach der deutschen Reisewarnung für Tirol am Boden. Bis zu 53.000 deutsche Gäste haben in der Vorwoche noch Urlaub in Tirol gemacht. Im Oktober beginnen in unserem Nachbarland die Herbstferien, nicht nur die Regionen in den Gletscherskigebieten waren deshalb gut gebucht. Die Reisewarnung machte den Hoteliers jetzt schlagartig einen Strich durch die Rechnung.

Bei einer Video-Konferenz mit Landeshauptmann Günther Platter haben die 34 Verantwortlichen der Tourismusverbände gestern Klartext gesprochen. Sie fordern Planbarkeit und von der Politik rasches Handeln bei den Reisewarnungen. Im Raum steht zudem die Befürchtung, dass viele Hoteliers im Winter gar nicht aufsperren wollen.

Für heute hat Platter deshalb eine Sondersitzung der Landesregierung anberaumt. Die Situation in Tirol wird dabei eingehend beleuchtet.

Unmut über Reisewarnung bei Touristikern groß

Eine Sitzung jagte gestern in Innsbruck die andere: Für das Land Tirol und die Touristiker stehen entscheidende Wochen bevor. Der Unmut in den 34 Tourismusverbänden über die am Freitag verhängte deutsche Reisewarnung ist groß, hatte man zuletzt ja auch die Vorverlegung der Sperrstunde auf 22 Uhr geschluckt. In der Hoffnung, dass Tirol doch nicht auf die rote Liste in Deutschland gesetzt wird. Ein Trugschluss, wie sich herausgestellt hat. Gestern folgte übrigens Slowenien.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Österreich warnt indessen vor Reisen in die tschechische Hauptstadt Prag sowie in die französischen Regionen Île de France und Provence-Alpes-Côte dAzur. Weiters wurden neue Reisewarnungen für Andorra sowie für die nichteuropäischen Länder Israel, Argentinien, Bahrain, Kuwait, Costa Rica und die Malediven ausgesprochen.

Landeshauptmann und Tourismusreferent Günther Platter (VP) hat sich am Montag mit den Tourismusverbänden kurzgeschlossen. In den Regionen wird Planbarkeit gefordert, von Bund und Land erwarten sich die Touristiker auf höchster Ebene Klarstellungen in Deutschland, den Niederlanden oder Belgien über die tatsächliche Corona-Situation in Tirol.

Außerdem gibt es Befürchtungen, dass Hotels in der Wintersaison gar nicht aufsperren, sollte sich bei den Reisewarnungen nichts ändern. Ein Katastrophenszenario für die Tourismushochburg Tirol, wie es heißt.

Hörl wütet über "Ampelterror"

Die Corona-Warnampel mit den Farben Grün, Gelb, Orange und Rot gerät indes immer mehr in die Kritik, hinter den Kulissen kracht es gewaltig. Wirtschaftsbundobmann und Seilbahnsprecher NR Franz Hörl (VP) nimmt besonders das Gesundheitsministerium in die Pflicht. "Der Ampelterror muss endlich aufhören, die Verhältnismäßigkeit ist nicht mehr gegeben", verweist Hörl darauf, dass die Gästezahlen nicht Teil der Berechnung der Corona-Fallzahlen pro 100.000 Einwohner sind.

Tirol hat 758.000 Einwohner, der Einwohnergleichwert im Sommer wird jedoch mit 876.000 Einwohnern beziffert. Für den in der Vorwoche auf Orange gestellten Tourismusbezirk Landeck (43.300 Einwohner) beträgt dieser Wert im Sommer 58.800 und im Winter 78.400. "Dass die niedergelassenen Ärzte in den Gemeinden als Unterstützung für die Bezirkshauptmannschaften als Epidemieärzte herangezogen werden sollten, wird auch nicht umgesetzt", kritisiert Hörl.

Aber gerade dies würde etwa bei der Kontaktnachverfolgung und der Quarantäne vieles erleichtern sowie schneller machen. "Doch da geht noch nichts weiter." Zugleich müsste die Zahl der intensiven Testungen bei der "Farbenlehre" von den Experten ebenfalls entsprechend berücksichtigt werden.

Regierungsappell an Bevölkerung

LH Günther Platter hat seine für heute geplante persönliche Teilnahme an der Tourismusreferententagung in Ossiach abgesagt und wird sich per Videokonferenz einklinken. Die Landesregierung trifft sich nämlich heute zu einer Sondersitzung. Darin wird die aktuelle Situation behandelt, neue lokale Maßnahmen sind aber nicht geplant. Vielmehr ist ein Regierungsappell an die Bevölkerung vorgesehen.

Der grüne Klubchef Gebi Mair mahnte bereits gestern, dass die persönlichen Kontakte in den nächsten Wochen reduziert werden sollten, um den Behörden Luft bei der Nachverfolgung von Infektionen zu verschaffen. (pn)


Kommentieren


Schlagworte