Opposition in Sillian wettert gegen Verkauf des Rotkreuz-Gebäudes

Die ÖVP in Sillian will den Verkauf des Rotkreuz-Gebäudes an die Rettungsorganisation verhindern. Die Entscheidung könnte am Mittwoch fallen.

Der Stützpunkt des Roten Kreuzes in Sillian könnte in den Besitz der Rettungsorganisation übergehen.
© Rotes Kreuz Osttirol

Von Christoph Blassnig

Sillian – Im Sillianer Gemeinderat steht Mittwochabend eine vermutlich spannungsgeladene Debatte an. Siegessicher gab sich bereits am Dienstag der Bürgermeister Hermann Mitteregger. Der Gemeindechef will mit seiner Mehrheit an Mandataren ein Immobiliengeschäft beschließen, in dem die oppositionelle „Gemeinschaftsliste ÖVP“ mit dem Gemeindevorstand Peter Duracher ein „Verscherbeln von Familiensilber“ sieht.

Es geht um ein zentrumsnahes Gebäude, das die Gemeinde in den Jahren 2003 und 2004 als Zweckbau für das Rote Kreuz errichtet hat. Selbst das Raumprogramm wurde damals entsprechend den Vorgaben der Bezirksleitung des Roten Kreuzes erstellt. Der Bau erfülle auch heute noch bestens die Erfordernisse, wie der Osttiroler Bezirksgeschäftsführer Stephan Hofmann erklärt. Die Netto-Baukosten von 860.000 Euro bestritten damals anteilig das Rote Kreuz mit einer einmaligen Mietvorauszahlung in der Höhe von 311.000 Euro sowie das Land Tirol durch die Zuweisung von 545.000 Euro an Mitteln aus dem Gemeindeausgleichsfonds (GAF).

Die Marktgemeinde konnte den Bau auf diese Weise schuldenfrei finanzieren und ist bisher im Besitz der Immobilie. Einziger vertraglicher Mieter ist das Rote Kreuz für die Dauer von 50 Jahren. Vom einst vereinbarten Mietpreis von 2,75 Euro pro Quadratmeter bezahlt die Rettungsorganisation abzüglich ihrer Vorausleistung bis zum Vertragsende im Jahr 2054 noch 0,75 Euro. Das sind derzeit 9250 Euro jährlich, gibt der Bezirksgeschäftsführer Auskunft.

„Unser Angebot liegt deutlich darüber“

Stimmt der Gemeinderat heute Abend mehrheitlich für den Verkauf, würde das Gebäude nun um 220.000 Euro in den Besitz des Roten Kreuzes übergehen. Die Rettungsorganisation hatte nämlich ihrerseits ein Angebot gelegt. Hofmann spricht von einem „fairen Deal“ und begründet den festgelegten Preis so: „Das Gebäude erfüllt bis zum Jahr 2054 keinen anderen Zweck, als unseren Stützpunkt zu beherbergen. Für die Ermittlung eines Kaufpreises ist daher die Ertragswertmethode anzuwenden.“ Diese weise natürlich einen geringeren Wert aus als eine Sachwertberechnung, erläutert auch der Sillianer Bürgermeister. Zwei Gutachten hätten demnach einen Ertragswert von knapp 180.000 Euro ergeben.

„Unser Angebot liegt deutlich darüber“, rechtfertigt Hofmann die angestrebte Kaufsumme. Auch das Land sehe in diesem Vorgang keine Vertragsbrüchigkeit und hätte seine Zustimmung bereits schriftlich erteilt. „Egal wie sich die Gemeinde entscheidet, wir können mit beiden Varianten gut leben“, sagt Hofmann. Übrigens würde um den Preis zusätzlich zum Rotkreuzhaus auch das angeschlossene Bergrettungsgebäude samt einem Grundstück von 831 Quadratmetern an das Rote Kreuz gehen.

„Wir können den beabsichtigten Verkauf in keiner Weise nachvollziehen“, kritisiert dagegen der Gemeindevorstand Peter Duracher das Vorhaben. Die Gemeinschaftsliste hat ihre Sicht der Sachlage in einem Postwurf öffentlich gemacht. „Die Bevölkerung spricht sich klar gegen einen Verkauf aus“, erklärt Duracher. Es bestehe keine Notwendigkeit. „Ich hoffe, die Vernunft siegt und das Gebäude bleibt in unserem Eigentum. Wir brauchen ein Gesamtkonzept, nicht ein stückweises Verscherbeln von Familiensilber.“


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