Dauerbrenner Venet: Hilfe gegen dickes Minus durch Unternehmensberater

Nach dem schlechten Wirtschaftsjahr soll ein Unternehmensberater die Venetbahn auf Kurs bringen. Das Angebot wird diskutiert – noch sei aber nichts entschieden.

Die Venetbahn hat ein schweres Jahr hinter sich. Eine Million Euro schießen die Aktionäre zu.
© Wenzel

Von Matthias Reichle

Landeck, Zams – Auch eineinhalb Monate nach dem Rettungspaket bleibt die Venet Bergbahnen AG in Land­eck Stadtgespräch. Es geht um einen Unternehmensberater, der engagiert werden soll, um den defizitären Gastro-Bereich auf Vordermann zu bringen.

Eine Million Euro haben die Hauptaktionäre der Seilbahn, die Gemeinden Land­eck und Zams sowie der Tourismusverband TirolWest heuer zusätzlich bewilligt, um die Liquidität am Hausberg sicherzustellen. Besonders schlecht dürften im abgelaufenen Wirtschaftsjahr das Panoramarestaurant und die Zammer Alm, die beide von der Venetbahn betrieben werden, abgeschlossen haben.

"Massives Einsparungspotenzial am Berg"

Aktuell soll nun ein Angebot für eine zweijährige externe Begleitung vorliegen – in Höhe von 120.000 Euro. Die Summe sorgt, angesichts der Prognose für das laufende Wirtschaftsjahr, vielerorts für Kopfschütteln. Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Hittler bestätigt sie nicht. Wie er betont, habe er die Zahlen nicht parat. Allerdings gebe es derzeit keine Beschlüsse für eine Auftragsvergabe. Das Beratungs­unternehmen habe eine kostenlose Analyse vorgelegt und das Potenzial aufgezeigt – dafür sei man dankbar. Das Angebot für eine zweijährige Begleitung, das man nun erhalten habe, umfasse aber nicht nur Beratungsleistungen, sondern weit mehr, so Hittler. Im Oktober soll es die nächste Aufsichtsratssitzung geben, derzeit sei am Venet noch nicht entschieden, in welche Richtung es weitergeht.

Harsche Kritik am Abschneiden der Gastronomiebetriebe am Venet hatte zuletzt der SPÖ-Landtagsabgeordnete Benedikt Lentsch geäußert. Allein die Zammer Alm und das Panoramarestaurant hätten im vergangenen Jahr ein „dickes Minus von 193.000 Euro“ geschrieben, betonte er. Diese hätten noch vor Jahren positiv gewirtschaftet. Er sieht massives Einsparungspotenzial am Berg – ohne dass Anlagen geschlossen werden.

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„Ich kommentiere diese Zahlen nicht mehr“, kontert Venet-Vorstand Werner Millinger. Er kenne auch das Angebot des Unternehmensberaters nicht, wie er gegenüber der Tiroler Tageszeitung feststellt, es sei an den Aufsichtsrat gegangen. Wie es mit der Wintersaison weitergehe, werde „Mr. Corona“ bestimmen, betont er.

Derzeit eine "Bankrotterklärung"

Für den Landecker SPÖ-Gemeinderat Manfred Jenewein, der das Rettungspaket zuletzt scharf kritisiert hat, wäre es derzeit eine Bankrotterklärung, einen externen Berater anzustellen, wie er auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung betont. Er finde das Angebot an sich nicht unseriös. „Das ist aber, als wenn ich einen Mechaniker anstelle und ihn dann schulen muss, wie man einen Schraubenschlüssel in die Hand nimmt.“ Die Venetbahn müsse das allein bewältigen. Man führe drei Tourismusbetriebe am Berg.

Seitens des Unternehmensberaters bestätigte man gestern, dass man für die Venetbahn eine kostenlose Analyse erstellt habe. Alles Weitere sei derzeit noch nicht entschieden.


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