Fehlende Perspektiven: Österreichs Jugend sieht schwarz

Die Jugend sorgt um die eigene Zukunft. Seit Beginn der Corona-Krise fürchten die Jugendlichen im Land auch zunehmend um die eigenen Perspektiven.

Die Zukunft von Kindern und Jugendlichen habe sich laut Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier im Laufe der Corona-Krise verdüstert.
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Linz, Innsbruck – Österreichs Jugend sieht schwarz. Bisher galt das hauptsächlich für die Zukunft der Menschheit im Allgemeinen oder ihrer Umwelt – Stichwort Klimawandel. Seit Beginn der Corona-Krise fürchten die Jugendlichen im Land auch zunehmend um die eigenen Perspektiven. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie des Instituts für Jugendkulturforschung, die im Auftrag der österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften durchgeführt wurde.

Befragt wurden 1000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Davon gaben 80 Prozent an, dass sie Angst haben, ihren Job zu verlieren oder gar keinen zu bekommen. Immerhin 70 Prozent befürchten eine aufziehende Rezession und deren Folgen. „Die Zukunft der Jugendlichen hat sich im Laufe der Corona-Krise verdüstert“, sagte Bernhard Heinzlmaier, Vorsitzender des Instituts für Jugendkulturforschung, gestern bei der Präsentation der Studienergebnisse in Linz.

36 Prozent der Jungen sehen die Schule als Gewaltort.
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„Gewalt geht auch von Lehrpersonen aus“

Alarmierend sind die Ergebnisse einer von Österreichs Kinder- und Jugendanwaltschaften in Auftrag gegebenen Erhebung zur Gewalterfahrung von Kindern und Jugendlichen. Neben Gewalt in Familien und unter Gleichaltrigen rückt sie besonders jene in den Schulen in den Fokus – 36 Prozent der Befragten haben dort bereits physische oder psychische Gewalt erlebt.

Laut Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser „geht Gewalt auch von Lehrpersonen aus“. Über ein Drittel der Jugendlichen gab an, dass das zumindest gelegentlich vorkomme. Diese Vorwürfe zu beweisen sei schwierig, Konsequenzen gebe es selten. Harasser forderte, den Umgang mit Mobbing in der Ausbildung besser zu verankern.

Die Erhebung, die sich eigentlich ausschließlich mit der Frage nach Gewalterfahrungen von Jugendlichen beschäftigen sollte, fiel mitten in den Lockdown. Laut Christine Winkler-Kirchberger, Kinder- und Jugendanwältin der Steiermark, habe dies durch Zufall ermöglicht, einen Blick in die Lebenswelt junger Menschen seit Beginn der Pandemie zu werfen. „Es hat sich viel verändert“, meinte Winkler-Kirchberger. Ihre oberösterreichische Kollegin Denise Schiffrer-Barac forderte, „die Situation der jungen Menschen in den Mittelpunkt zu rücken“. Es bedürfe jetzt eines Bündels zielgerichteter Maßnahmen und finanzieller Mittel dafür.

„Achtsam und treffsicher“ gelte es Verantwortung zu übernehmen, kommentierte Tirols Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) diese Forderung. Die Landesregierung habe etwa bei Kinderbetreuung oder im Bildungsbereich schon wichtige Schritte gesetzt. Auch im unlängst verabschiedeten Konjunkturpaket sei die Kinder- und Jugendhilfe berücksichtigt worden, beispielsweise beim Ausbau des betreuten Wohnens (1,6 Millionen Euro) oder bei Förderungen für die ambulante Hilfe (2,99 Millionen Euro). (bfk)

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