Reisewarnungen für Tirol: „Kommen an Spielregeln nicht vorbei“

Für die Experten des MCI wird Tirol die jüngsten Reisewarnungen nur wieder los, wenn die Infektionszahl durch einen Kraftakt nach unten geht.

Die Reisewarnungen sorgen derzeit für Alarmstufe Rot im Tiroler Tourismus. Experten sind aber für den Winter vorsichtig optimistisch.
© Rachlé

Von Alois Vahrner

Innsbruck — Tirols Touristiker sind nach den jüngsten Reisewarnungen verschiedener Länder, vor allem jener aus Deutschland, in Alarmstimmung, die kommende Wintersaison scheint in Gefahr. Seilbahner-Chef Franz Hörl sprach jüngst gar von „Ampel-Terror".

Für die Experten des Management Center Innsbruck (MCI), das derzeit ein umfassendes Covid-Risikomanagement-Projekt für Tirol und Vorarlberg durchführt, ist die Sorge der Touristiker nur zu verständlich. Aber sowohl die Farben der Warn-Ampel in Österreich wie auch die Reisewarnungen anderer Länder seien „in Zahlen gegossene Entscheidungen", betonen Siegfried Walch und Lukas Kerschbaumer gegenüber der TT.

Entscheidend für das Vorgehen vieler Länder sei die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner über die letzten sieben Tage. Das seien die momentanen internationalen Spielregeln, daran müsse man sich orientieren. Es würde auch nichts helfen, etwa die Zahl der Tests zu reduzieren. Tirol habe bereits einmal im Ausland massiv Vertrauen verloren, genau das Gegenteil sei gefragt. „Wir müssen als absolut glaubwürdige und sichere Urlaubsdestination gelten." Der Konkurrent sitze nicht im Nachbartal, sondern der sei das Virus und der drohende Lockdown.

„Bin für Lockdown vor Winter“

„Unter den momentanen Umständen ist eine Wintersaison in Tirol nicht vorstellbar, da ist Aufsperren sinnlos“, schlägt Multi-Tourismusunternehmer Christian Harisch (hat in Tirol zwölf Betriebe) Alarm.

Die Reisewarnungen aus verschiedenen Ländern, vor allem jene aus Deutschland, müsse weggebracht werden. Deutschland werde künftig zurückkehrende Urlauber aus Ländern mit Reisewarnung Urlauber fünf Tage in Quarantäne schicken, egal ob sie einen negativen Corona-Test mitbringen oder nicht.

Die Infektionszahlen in Tirol müssten mit aller Gewalt nach unten gebracht werden, zudem brauche es Gespräche auf höchster Ebene mit Deutschland. Wenn die Zahlen nicht bald klar nach unten zeigen, müsse Tirol im November einen dreiwöchigen Lockdown verhängen, um einen Kollaps im Tourismus zu verhindern, verlangt Harisch.

Für 60 Prozent sind getroffene Maßnahmen sinnvoll

Das ganze Land — und der Tourismus im Speziellen — müsste alles unternehmen, um die Infektionskurve nach unten zu drücken. Mit der Ausweitung der Maskenpflicht und den Regeln für die Gastronomie seien wichtige Schritte erfolgt. Laut einer ersten Welle der Befragung unter Tourismusverbänden, Seilbahnen und Gemeinden halte eine Mehrheit von knapp 60 Prozent getroffene Maßnahmen für sinnvoll.

Für Walch und Kerschbaumer braucht es jetzt noch mehr Tempo auf allen Ebenen. Es reiche nicht, nur auf Vorgaben etwa der Politik zu warten, sondern es müssten überall mögliche Schwachstellen für ein Infektionsrisiko ausgelotet und beseitigt werden. Ob bei der Registrierung von Gäste-Daten oder Vorgaben: Diese sollten möglichst einfach, verständlich und effizient gestaltet werden. „Wenn Wirte lange Excel-Dateien anlegen müssen, dann kriegen sie zu Recht die Krise", so Walch. Investitionen sollten gebündelt und die flächendeckende Verwendung der Stopp-Corona-App forciert werden.

Auch die Kommunikation nach innen und außen müsse forciert werden, möglicherweise auch zentral — etwa über die Tirol-Werbung, sagen die MCI-Experten. Ganz generell gelte, dass jetzt alle an einem Strang ziehen müssen. „Trittbrettfahrer kann sich Tirol in dieser kritischen Situation nicht leisten."

Am Freitag läuft die zweite Welle der Befragungen (bei der ersten gab es Beteiligungen von 40 bis 90 Prozent) beim MCI-Projekt an. Diesmal sind auch Betriebe mit von der Partie.


Kommentieren


Schlagworte