Corona und Baustelle: In der Innsbrucker Altstadt wird es lichter

Corona und Baustelle: In der Innsbrucker Altstadt bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen, viele Geschäfte haben zugesperrt. Beim Altstadtverein ist man zuversichtlich.

Ein geschlossenes Geschäft, davor die Habseligkeiten eines Obdachlosen.
© Rapp

Von Irene Rapp

Innsbruck – Wer derzeit durch die Innsbrucker Altstadt geht, dem fallen nicht nur die vielen Baustellen auf, um die Trinkwasserleitungen zu erneuern. Ins Auge stechen auch zahlreiche geschlossene Geschäfte: zum einen jene, die erst mit Beendigung der Bauarbeiten wieder aufsperren. Zum anderen die, die dauerhaft ihre Zelte abgebrochen haben. In der Herzog-Friedrich-Straße etwa schlossen erst unlängst das Schmuckgeschäft Frey Wille und Palmers.

Joe Einwaller vor einer Baustelle.
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Demnächst kommt der Laden der Nordkettenbahnen dazu. „Wir waren jetzt vier Jahre hier, ab Anfang November ist es aber vorbei. Grund sind Pandemie und Baustelle“, informiert Thomas Schroll, Geschäftsführer der Nordkettenbahnen. Demnächst schließen wird auch die Galerie von Hubert Reindl in der Kiebachgasse. „Ich kann derzeit keine Vernissagen machen, hab’ das ganze Jahr noch kein Stück verkauft“, erzählt er. Für Joe Einwaller von der gleichnamigen Mode-Kette wiederum steht fest: „Diese Baustelle macht die Altstadt kaputt.“

Dass die Innsbrucker Altstadt einer schweren Prüfung unterworfen ist, wird von Michael Perger, Obmann des Innsbrucker Altstadtvereins bestätigt. Er hat bereits Anfang Juli eine Leerstandserhebung gemacht. Das Ergebnis: An die 30 Geschäfte in und um die Altstadt standen damals leer. „Allerdings gibt es für rund die Hälfte wieder eine Lösung“, sagt er.

Für Einwaller wiederum steht fest, dass sich die Zahl der Schließungen weiter drastisch erhöhen wird. „Trotz Corona hatten wir einen überraschend guten Sommer. Doch die Baustellen geben uns den Rest. Hilde Zach hätte das nie in einer derartigen Krise zugelassen“, so sein Kommentar.

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Hubert Reindl hingegen sperrt für immer zu.
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Perger hingegen betont, dass die Mehrheit der Unternehmer hinter der Entscheidung stehe, den Austausch der Trinkwasserleitungen in einem durchzuziehen. Und: „Die Altstadt hat nun die Chance auf einen Neubeginn, kann sich künftig in neuem Branchenmix präsentieren.“

Derzeit befinden sich in und um die Altstadt übrigens ca. 200 Betriebe mit 2000 Mitarbeitern, das Gros der Geschäftsflächen ist in privater Hand. An dem Prozess „Altstadt neu“ seien u. a. Wirtschaftskammer, Standortagentur, Stadt Innsbruck und TVB beteiligt.

Zu schaffen macht einigen Unternehmern aber auch ein Obdachloser: Dieser hat seine Habseligkeiten unter den Lauben deponiert, schläft und verrichtet dort seine Geschäfte. „Da gab es bereits Gespräche mit der Stadt. Doch es ist schwer, dagegen etwas zu unternehmen, weil der Obdachlose sich zum Teil auf Privatgrund aufhält“, so Perger.

Von einem Licht am Ende des Tunnels spricht der Altstadtvereins-Obmann hingegen, was die Trinkwasserleitung-Baustelle betrifft: Diese soll noch bis Anfang November bestehen, dann kommt sie bis zum Frühjahr weg. „Und dann wird noch einmal bis Mai, Juni gearbeitet.“

In vielen Geschäften wird umgebaut.
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