Außerferner Fußballliga stellt Spielbetrieb ein: Arbeitgeber gehen vor

Die Außerferner Fußballliga hat sich entschlossen, den regulären Spielbetrieb ab sofort einzustellen. Die Spieler wollten ihre Unternehmen durch Quarantänen nicht schädigen.

Auch der SC Ehenbichl trägt die Entscheidung gemeinsam mit acht weiteren Vereinen mit.
© Anton Huter

Von Helmut Mittermayr

Außerfern – Die Entscheidung ist ebenso weitreichend wie vorbildhaft. Über 200 Sportler und ihre neun Vereine tragen sie solidarisch mit. Mitten im Meisterschaftsbetrieb der Außerferner Fußballliga (AFL) kommt der Shutdown für den Spielbetrieb. Freiwillig und vor allem aus Rücksichtnahme auf die Arbeitgeber der Fußballer. Denn die jungen Sportler waren in Sorge, ihren Unternehmen Schaden zuzufügen, wie auch ihre Arbeitsplätze zu gefährden, wenn ihnen durch Corona-Kontakte im Spielbetrieb immer wieder Quarantänen drohen sollten. Ein konkreter Anlassfall hatte die Diskussion losgetreten und schließlich zu dieser weitreichenden Entscheidung geführt.

Die AFL stellt eine Besonderheit im Tiroler Fußball dar. Im Bezirk Reutte existiert neben dem offiziellen Tiroler Fußballverband (TFV) noch eine „wilde“ Liga. Zwar gibt es einen regulären Meisterschaftsbetrieb, aufsteigen oder gar absteigen ist aber nicht möglich. Die AFL wurde vor Jahrzehnten vor allem deshalb ins Leben gerufen, weil viele Fußballbegeisterte in kleineren Orten des Bezirkes die Ligaauflagen für Vereine, wie Nachwuchsteams und vieles mehr, nicht erfüllen konnten. Andererseits gab es mit den nur fünf TFV-Vereinen Reutte, Lechaschau, Vils, Ehrwald und Lechtal im Außerfern zu wenig Möglichkeiten, dem Ball in einem richtigen Meisterschaftsspiel nachzujagen. So kam es genau vor 40 Jahren zur AFL-Gründung, die Liga ist längst etabliert.

Das Spiel Tannheim gegen Pflach Mitte September war dann Anlassfall zu einer Diskussion, an deren Ende der Shutdown beschlossen wurde. Ein Pflacher Spieler wurde über Contact-Tracing während des Matches informiert, dass er Kontakt mit einer Corona-positiven Person gehabt hatte. Er zog sich umgehend zurück, wurde getestet und hatte selbst das Virus. Daraufhin mussten die Pflacher allesamt behördlich getestet werden, die Tannheimer folgten freiwillig. Alle zusammen – Spieler, Trainer, Betreuer – hatten Glück. Es blieb bei dem einen Fall. Trotzdem mussten alle Pflacher Spieler als so genannte Kontakt-1-Personen, wie in ganz Österreich vorgeschrieben, für zehn Tage in Quarantäne. Da halfen auch ihre negativen Testungen nichts.

AFL-Obmann Michael Frewein erklärt gegenüber der Tiroler Tageszeitung, dass genau das zu intensiven Diskussionen unter den Spielern geführt habe. „Keiner hatte Angst vor dem Virus. Was sie störte, war das Von-der-Arbeit-Wegbleiben-müssen, obwohl sie gesund waren.“ Das würde zu Belastungen der Unternehmen führen, bei denen sie angestellt seien. Natürlich auch zu jeder Menge Erklärungsbedarf. Und bei jeder Runde drohe erneut die Quarantäne, sollte nur ein Spieler das Virus in sich tragen. Denn die Vorsichtsmaßnahme dauernder Corona-Tests, wie in der Bundesliga, gibt es nicht.

Schließlich meldeten zwei Vereine, dass sie den Spielbetrieb nicht aufrechterhalten können, weil zu viele Spieler unter diesen Bedingungen nicht mehr aufs Spielfeld auflaufen wollten. „In Ehenbichl kam es daraufhin am Fußballplatz unter freiem Himmel zu einer außerordentlichen Obmännersitzung“, schildert Frewein. Dabei hätten sich dann im Zuge der offenen Diskussion alle Obmänner solidarisch erklärt. Dann wurde der komplette Spielbetrieb eingestellt – für Meisterschaft, Cup und auch die fünf Jugendmannschaften. Frewein: „Ich bin wirklich stolz auf dieses große Verantwortungsgefühl aller Vereine. Das ist wirklich vorbildhaft.“ Die Entscheidung fiel einstimmig. Über 200 Fußballer sind davon betroffen.

Der Spielbetrieb soll im Frühjahr 2021 wieder gestartet, die ausgefallenen Spiele nachgeholt werden. Frewein ist auch angetan vom Zusammenhalt der neun Clubs. Da um diese Zeit noch nicht alle Plätze bespielbar sein könnten, gibt es schon Ausweichangebote. Training und Freundschaftsspiele bleiben hingegen Sache eines jeden einzelnen Vereins.

Dass es bei diesem ungewöhnlichen Kicker-Shutdown auch kritische Stimmen gab, zeigt die Stellungnahme von AFL-Obmann-Stellvertreter Dieter Pfeifer auf: „Ich verstehe natürlich die Argumente, aber bei einer so langen Spielpause kann es passieren, dass die jungen Spieler andere Sportarten zu suchen beginnen. Das können wir uns eigentlich nicht leisten.“


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