Situation von Influenza-Impfungen unübersichtlich

In den vergangenen Jahren haben sich regelmäßig viel zu wenige Österreicher - weniger als zehn Prozent - gegen die Influenza impfen lassen. Im SARS-CoV-2-Pandemiejahr 2020 gibt es in Österreich aber offenbar plötzlich einen „Run“ auf Vakzine. „Ich bekomme 200 Impfstoffe, habe aber 846 Vormerkungen“, sagte am Mittwoch ein Wiener Apotheker der APA. Bei den Impfstoffherstellern allerdings wird auf wesentlich mehr verfügbarer Vakzine als in den vergangenen Jahren verwiesen.

„Ich glaube, man sollte nicht in eine Art Panik verfallen. Wir bekommen in diesem Jahr für die Erwachsenen allein mehr an Influenza-Vakzinen als vergangenes Jahr in Österreich für Erwachsene und Kinder gemeinsam“, erklärte die Präsidentin des Verbandes der Österreichischen Impfstoffhersteller (ÖVIH), Renee Gallo-Daniel. Vergangenes Jahr war von rund 800.000 Impfstoffdosen die Rede, für 2020/2021 sind für Österreich rund 1,25 Millionen Dosen vorgesehen.

„Was anders ist als in den vergangenen Jahren: Die Hersteller liefern sukzessive. Und sie beginnen jetzt, die ersten Chargen auszuliefern“, sagte Renee Gallo-Daniel. In den vergangenen Jahren waren die Vakzine zumeist im Herbst quasi „mit einem Schlag“ an Apotheken und Ärzte ausgeliefert worden.

2020/2021 ist allerdings alles anders. „Von den 1,25 Millionen Dosen hat der Bund 350.000 an nasal zu verabreichenden Influenza-Impfstoffen für das Kinderimpfprogramm bestellt. Die kommen im November. Die Gemeinde Wien hat 400.000 Dosen für Erwachsene gekauft. Die sind teilweise schon ausgeliefert“, sagte die Repräsentantin der Impfstoffhersteller. Hinzu kämen noch 90.000 Dosen an speziell für betagte Menschen geeigneter Influenza-Vakzine, die der Bund für Pflegeheime etc. bestellt hätte.

Das alles macht bereits rund 800.000 Impfstoffdosen aus. „Der Rest (auf die 1,25 Millionen insgesamt; Anm.) geht in den freien Verkauf, an die Apotheken“, erkärte Renee Gallo-Daniel. Allerdings hat beispielsweise Oberösterreich auch noch rund 200.000 Dosen bestellt.

Die Situation insgesamt ist unübersichtlich. Weil die Impfstoffe sukzessive erhältlich werden, hätte man sich dazu entschlossen möglichst viele Apotheken zu beliefern, was die Menge für die einzelnen Apotheken vorerst reduziere. Es werde aber nachgeliefert werden, betonte die Sprecherin der Impfstoffproduzenten.

Das alles macht die Situation zumindest etwas unübersichtlich. „Aber man muss sich nicht schon Ende September gegen die Influenza impfen lassen“, sagte Renee Gallo-Daniel. Weil die saisonale Influenza jedes Jahr zumeist erst ab Mitte Jänner losgeht, ist genug Zeit vorhanden. Der Impfschutz hält ja nur einige Monate an.

Bei „niedergelassenen“ Apothekern allerdings dürfte bereits ziemlicher Unmut entstanden sein. „Ich habe bei dem Unternehmen angerufen, das den adjuvierten Influenzaimpfstoff für ältere Menschen herstellt, weil ich nichts von der Bestellung bekommen habe. Die haben mir gesagt: ‚Wir haben schon alles verkauft.‘ Die Bundesbeschaffungsagentur habe das getan. Man hätte bloß an ein paar Apotheken mit (Pharma-)Großhandelskonzession geliefert“, erklärte ein Wiener Apotheker.

So seien die öffentlichen Apotheken quasi auf dem Impfstoffmarkt für die Influenzavakzine ausgeschaltet worden. Der Apotheker: „Ich werde mich nie wieder bei einer Impfaktion mitmachen.“ Man könne nicht jahrelang von den Apotheken verlangen, dass sie bei verschiedenen Aktionen Vakzine mit Rabatt abgeben und dann die öffentlichen Apotheken in einem Fall wie diesen benachteiligen.

Freilich, alle Vakzine sind weltweit immer nur in bestimmten Mengen vorhanden. Die Herstellung dauert Monate. Und hätte es in Österreich in den vergangenen Jahren hohen Bedarf gegeben, wäre an sich schon immer schon ein größeres Kontingent vorgesehen gewesen.


Kommentieren


Schlagworte