Emotionale Debatten in Sillian endeten mit Verkauf von Rot-Kreuz-Gebäude

Die Marktgemeinde Sillian verkauft ihr Gebäude, in dem das Rote Kreuz untergebracht ist, an die Rettungsorganisation. Die Opposition schäumt.

GV Peter Duracher (r.) legte dem Bürgermeister Hermann Mitteregger (l.) ein Kaufangebot vor, das jedoch mehrheitlich abgelehnt wurde.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Sillian – Alle Mühen der Opposition im Sillianer Gemeinderat waren umsonst – die Mehrheit der Bürgermeisterliste hat das Kaufangebot des Roten Kreuzes für die Einsatzstelle in der Marktgemeinde angenommen. Zum Preis von 220.000 Euro geht das Gebäude samt Grundstück und jenem Gebäudeteil, in dem weiterhin unbefristet die Bergrettung untergebracht sein wird, also an die Rettungsorganisation.

Eine zum Teil emotional geführte Debatte ging der Entscheidung voraus. Vize-BM Anton Calovi von der Liste des Bürgermeisters Hermann Mitteregger wies etwa erbost den Vorwurf der oppositionellen ÖVP zurück, man würde mit dem Verkauf der Immobilie Gemeindeeigentum weit unter dem Wert „verscherbeln“ und damit nicht zum Wohle der Gemeinde entscheiden.

Die beiden Lager hatten im Vorfeld jeweils Berechnungen darüber angestellt, welche Einnahmen und Ausgaben in den nächsten 34 Jahren für das Gebäude zu erwarten seien – und lagen nicht in allen Punkten weit auseinander. Dennoch stand für den Bürgermeister und seine sieben Mandatare die Entscheidung für den Verkauf fest. Einer Antwort auf die Frage nach dem Warum wich Hermann Mitteregger mehrmals aus, bestätigte jedoch, dass die Gemeinde gar nicht gezwungen sei zu verkaufen. „Das Rote Kreuz ist von sich aus an uns herangetreten, und das Angebot ist fair. Also warum sollen wir nicht verkaufen?“, fragte Mitteregger. Das Geld könne man für den Abriss des Hallenbades gut gebrauchen. Außerdem sei der Standort der Rettungsorganisation im Hauptort des Osttiroler Pustertales damit abgesichert. „Genau das Gegenteil ist doch der Fall“, konterte Otto Trauner (ÖVP).

Während die Rettung durch den auf 50 Jahre abgeschlossenen Mietvertrag noch für weitere 34 Jahre gebunden sei und erklärt habe, den Vertrag auch erfüllen zu wollen, ändere sich dies, sobald das Gebäude in ihrem Eigentum stehe. „Niemand kann dem Roten Kreuz dann verbieten, einen logistisch besser gelegenen Standort in Tassenbach zu errichten und das Gebäude in Sillian zu einem marktüblichen Preis zu vermieten.“ Der einst als Entgegenkommen vereinbarte, günstige Mietpreis für 50 Jahre führe nach der Ertragswertberechnung natürlich zu einem weit geringeren Kaufpreis, legte Peter Duracher dar. „Genau das fällt uns beim Verkauf zu diesen Konditionen auf den Kopf, Bürgermeister.“

Unmittelbar vor der Abstimmung erbat die ÖVP eine Sitzungsunterbrechung. Nach der Pause legte Duracher dann überraschend schriftlich ein zweites Kaufangebot vor: Fünf Mandatare seiner Liste würden 250.000 Euro für das Gebäude bezahlen und in den Mietvertrag mit dem Roten Kreuz einsteigen. Dieses Angebot wurde mehrheitlich abgelehnt, die einbringende Liste enthielt sich ihrer Stimmen, wohl um Befangenheit zu vermeiden. Otto Trauner verlangte noch von allen Mandataren der Bürgermeisterliste eine Begründung ihrer Entscheidung, bevor jene sich mit acht zu sieben Stimmen durchsetzten.


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