25-Jährige übernimmt Rüsselheimer Hütte im Pitztal

Auf der Rüsselsheimer Hütte endete die heurige Saison mit einem Pächterwechsel.

Wolfgang Bohrmann mit Tabea und Florian Kirschner (v. r.) und die Freunde der DAV-Sektion Rüsselsheim beim Pächterwechsel.
© Tränker

Von Thomas Parth

St. Leonhard i. P. – Die Rüsselsheimer Hütte im Pitztal wurde seit genau 30 Jahren von Hüttenwirt Florian Kirschner mit großem Einsatz bewirtschaftet. Kirschner hatte 1990 offiziell die Hüttenpacht von Vater Albert und Mutter Agnes, die seit 1976 die Hütte betreuten, übernommen. Mit Ende der Bergsaison 2020 stand nun ein Wechsel an, nämlich auf Florians Tochter Tabea Kirschner.

„Der Papa wird heuer 60“, zeigt die Pitztaler Hüttenwirtin auf: „Aber für die Pension ist er in Wahrheit noch zu jung.“ So müsse er ihr schon noch ein wenig zur Seite stehen, unterstreicht Tabea.

Ich bin hier heroben aufgewachsen. Ich liebe die Berge und tue die Arbeit gerne.
Tabea Kirschner
 (Hüttenwirtin)

Viele Sektionen des Deutschen Alpenvereins (DAV) haben aktuell Probleme mit der Wiederbesetzung, wenn Hüttenwirte ausscheiden. Nicht so die Rüsselsheimer DAV-Sektion, denn hier setzt sich erfreulicherweise die Familientradition fort. „Mit Tabea, die sich bereits seit vier Jahren während der Saison auf der Hütte eingearbeitet hat, bleibt die Rüsselsheimer Hütte fest in Familienhand. Tabea Kirschner dürfte momentan mit 25 Jahren sogar die jüngste Hüttenwirtin einer DAV-Hütte sein“, streut ihr Wolfgang Bohrmann, 1. Vorsitzender der DAV-Sektion Rüsselsheim, Rosen. Vom 16. bis 20. September waren 32 Mitglieder der Sektion im Pitztal. Alle zwei Jahre findet eine Sektionsausfahrt statt, um gemeinsame Bergtouren zu unternehmen. Heuer fanden die Touren in drei Gruppen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden statt, wobei eine Bergsteigergruppe mit der Wildspitze den bekanntlich zweithöchsten Berg Österreichs meisterte. „Alle Touren verliefen unfallfrei“, ist Bohrmann erleichtert. Nachdem die Teilnehmer wohlbehalten auf der Hütte eingetroffen waren, wurde Florian Kirschner im Rahmen einer kleinen Feierstunde offiziell in den „Vorruhestand“ entlassen. „Wir danken Florian für seine langjährige Treue, die geleistete Arbeit für die Sektion, die oftmals über die Pflichten eines Hüttenwirtes hinaus wahrgenommen wurde, und wünschen ihm viele glückliche Jahre im Ruhestand“, fasste Bohrmann die Leistungen des Pitztaler Hüttenwirtes zusammen.

Florian Kirschner hatte sich das Prädikat „So schmecken die Berge“ durch regionale Gerichte wie Steinbockgulasch, Steinbockcarpaccio und Knödelvariationen erkocht. Bei der Begrüßung von Tochter Tabea als neue Hüttenwirtin durfte daher ein Stamperl vom selbstgebrannten Meisterwurz nicht fehlen.

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„Eigentlich kenne ich es gar nicht anders“, schildert Tabea ihre Beweggründe, die Hütte nunmehr in dritter Generation zu übernehmen. „Ich bin hier heroben aufgewachsen und kann mir auch niemand anders auf der Hütte vorstellen“, lacht die 25-Jährige. Vater Florian werde ihr über den Winter noch Nachhilfe in Sachen heimischer Schmankerl-Küche geben. „Eine Bedienung lässt sich leichter als ein Koch finden“, meint Tabea bereits fachmännisch: „Ich liebe die Berge und tue die Arbeit einfach gerne.“


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