Serfaus mit Bekenntnis zum Klimaschutz: Tourismus geht auch anders

Die Tourismusgemeinde Serfaus, die Innsbrucker Kommunalbetriebe und die Pfarre Allerheiligen sind dem Klimabündnis beigetreten.

Mit einer eigenen U-Bahn ist Serfaus in Sachen Mobilität bereits Vorreiter. Nun will man beim Klimaschutz nachrüsten.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Serfaus, Innsbruck – Die offiziellen Bevölkerungszahlen täuschen – gerade einmal 1139 Menschen wohnen demnach in der kleinen Gemeinde Serfaus. Wenn die Zwischensaison vorbei ist und die 6991 Gästebetten wieder voll belegt sind, entwickelt das Dörfchen den Energiehunger einer Kleinstadt. Die Lifte und Seilbahnen wollen bewegt, die Schwimmbecken der Wellenbereiche beheizt werden. Rund 780.000 Nächtigungen fallen in einer Wintersaison an – so viele wie in Innsbruck.

Nun gibt es ein Bekenntnis zum Klimaschutz. Gemeinsam mit der Volksschule und dem Kindergarten sowie zwei Tourismusbetrieben ist die Gemeinde gestern feierlich dem Klimabündnis beigetreten. Von einer „Vorbildfunktion“ und dem „Signal, dass Klimaschutz wichtig ist“, spricht Bürgermeister Paul Greiter. „Der Schwerpunkt ist die Bewusstseinsbildung, denn noch ist das Thema nicht in allen Köpfen angekommen“, betont der Dorfchef.

In der Gemeinde stehe man, was erneuerbare Energien anbelangt, noch ganz am Anfang. Zwar seien in den letzten fünf Jahren viele Betriebe von Öl auf Gas umgestiegen – Greiter wertete das langfristig jedoch nur als „Zwischenlösung“.

Beim Klimaschutz könne man noch so schöne Pläne schmieden oder strenge Regeln aufstellen, „wenn die Menschen nicht mittun, hilft das nicht“, betonte LHStv. Ingrid Felipe, die die Serfauser im Kreis der Tiroler Klimabündnis-Partner willkommen hieß. „Jeder Beitrag zählt, wir wollen Zeit gewinnen und den Klimawandel einbremsen.“

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Sehr deutliche Worte fand auch Anja Hangl, die Geschäftsführerin des Serfauser Kölner Hauses und des Haus Enzian, die sich ebenfalls zertifizieren ließen. Sie kritisierte, dass es immer noch mehr Betten und Seilbahnen gibt, die die Menschen in eine „scheinbar unberührte Natur“ bringen. Man lebe von einem System, das einen zwar ernährt, aber auch krank macht. „Wir müssen klarmachen, dass Tourismus auch anders geht.“

Bei den Kleinsten will man mit Bewusstseinsbildung beginnen. Wobei die Volksschüler das Thema von sich aus angestoßen haben, wie Direktor Patric Niederbacher versicherte. Auch im Kindergarten werden verstärkt Umwelt- und Naturthemen aufgegriffen, wie Klimabündnisbeauftragte Lisa Kofler erklärte.

In der Gemeinde will man nun bei Neubauprojekten verstärkt auf Alternativen wie Photovoltaik hinweisen, die Gemeinde habe in den letzten Jahren zwei Trinkwasserkraftwerke gebaut, so Bürgermeister Greiter. Auch bei den Seilbahnen soll das Potenzial für erneuerbare Energien ausgelastet werden. Große Energiespitzen abzudecken, dürfte aber illusorisch sein.

Kürzlich dem Klimabündnis beigetreten sind auch die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) und die Pfarre Allerheiligen. Bei den IKB arbeitet man bis 2030 daran, klimaneutral zu werden. „Wir müssen den Fokus auf unser Mobilitätsverhalten legen und den Ausstieg aus fossilen Antriebssystemen schaffen“, so Vorstandsvorsitzender Helmuth Müller.

Die Pfarre Allerheiligen ist Tirols dritte Klimabündnis-Pfarre. „Wir haben vieles hinterfragt und einiges umgestellt, um nachhaltiger zu wirtschaften“, so Dekan Bernhard Kranebitter. So führe man nun auch eine eigene Ressourcen-Buchhaltung.


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