Von „DSDS“ zur ersten Single: Tirolerin appelliert mit „Fake“ für mehr Echtheit

2018 sang sich Ella Sailer bei „DSDS“ unter die besten 16. Mittlerweile hat sich die Tirolerin von Coversongs losgesagt und macht ihr eigenes Ding. Mit der Tiroler Tageszeitung sprach die 21-Jährige über ihre erste Single und ihre Ziele als Musikkünstlerin.

Im Video zu ihrer Debütsingle „Fake“ singt Ella gegen Materialismus an. Ihre Songs sind nicht nur gesellschaftskritisch, sondern auch persönlich und politisch.
© Nils Rehbein

Von Tamara Stocker

Innsbruck – Für Dieter Bohlen war die Sache klar: „In deinem Blut schwimmen Noten“, überschüttete der Veteran unter den Juroren von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) die damals 18-jährige Ella Sailer mit Eimern voll des Lobes.

Das war vor mehr als zwei Jahren. Seither hat sich bei der Sistranserin einiges getan – sowohl menschlich als auch musikalisch. „Durch ,DSDS‘ bin ich auf alle Fälle sehr viel selbstbewusster geworden. Vorher hätte ich niemals geglaubt, dass ich mit meiner Stimme Menschen erreichen kann“, gesteht die 21-Jährige im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

Standpunkte klar vertreten

Viele Menschen in ihrem Umfeld hätten nicht einmal etwas von ihrem Talent gewusst. „Ich hätte mich nie getraut, vor anderen zu singen, weil ich einfach nicht gerne im Mittelpunkt stehe. Mir wäre auch niemals in den Sinn gekommen, mit der Musik ernsthaft etwas zu starten.“

📽️ Video | Ellas Debütsingle „Fake“

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Das hat sich geändert. Ende September ist Ellas Debütsingle „Fake“ erschienen. „Irgendwann waren mir Coversongs zu wenig, weil ich mich damit nicht selbst ausdrücken kann“, zeigt sich die 21-Jährige froh, nach Jahren des Ausprobierens ihre „Richtung“ gefunden zu haben. Lange habe sie geglaubt, dass Englisch „ihr Ding“ sei – jetzt singt und textet sie auf Deutsch.

„Das war für mich anfangs eine große Herausforderung, weil man so natürlich mehr Angriffsfläche bietet“, findet Ella. Der Aspekt der Aussagekraft und dass das, was sie singt, auch von jedem verstanden wird, habe sie jedoch darin bestärkt. Vor allem deshalb, weil die Songtexte der Tirolerin sehr persönlich sind. „Ich gebe viel von mir preis, weil ich mich als Künstlerin klar positionieren will. Ich möchte moderne Musik machen, die einen Sinn ergibt, Werte vermittelt und ganz klar für etwas steht“, sagt die 21-Jährige. Im besten Falle sollen die Songtexte zum Nachdenken oder zur Diskussion anregen.

Weg von der Oberflächlichkeit

Mit ihrem Freund Santo, den sie bei „DSDS“ kennen lernte, nimmt Ella ihre Songs mittlerweile von zu Hause aus auf.
© Santo Rotolo

Denn das alles vermisse sie in der deutschsprachigen Musikszene am meisten, wo zu einem hohen Maße die Oberflächlichkeit regiere. Genau hier wolle Ella den Unterschied machen. Anstatt über Geld, Autos und Äußerlichkeiten zu singen, prangert sie ebendiesen Materialismus und Perfektionismus an, spart nicht mit Gesellschaftskritik und lässt auch das Thema Politik nicht außen vor. „Ich habe es mit 15 schon nicht verstanden, warum viele Menschen so ein Geheimnis daraus machen, wo sie politisch stehen“, ist die 21-Jährige gewillt, auch hier ein Zeichen für Ehrlichkeit zu setzen. Vor allem jungen Menschen wolle sie vermitteln, dass politisches Engagement alles andere als „uncool“ ist. „Ich kann meine Meinung vertreten und trotzdem gerne Rap hören und mich schminken.“

Schon damals bei „DSDS“ wollte sie sich nicht in eine Schublade pferchen lassen, sondern sie selbst bleiben. Absichtlich sei sie in der zweiten Runde in Rollkragenpullover und Jeanshose aufgetreten, weil sie sich nicht sexualisieren lassen wollte. „Es stört mich extrem, dass Optik in solchen Formaten ausschlaggebender ist als Talent“, blickt sie durchaus kritisch auf ihre Teilnahme zurück.

Selbstzweifel sind ein Begleiter

Und auch mit sich selbst geht die 21-Jährige oft hart ins Gericht: „Ich habe schon immer sehr viel an mir gezweifelt und nie an mich selbst geglaubt. Durch die vielen positiven Erfahrungen in den letzten Jahren ist das schon besser geworden, aber ich lerne noch.“

Viel Zuspruch erntet die Tirolerin vor allem in den sozialen Netzwerken. Über die Jahre war sie dort sehr aktiv und hat einige Coversongs veröffentlicht. Ein Duett mit ihrem Freund Santo Rotolo, den sie bei „DSDS“ kennen lernte, hat auf YouTube mittlerweile knapp eine halbe Million Aufrufe.

Ella – „Fake“: Zu hören auf allen Musikstreaming-Plattformen und auf YouTube. Die nächste Single soll noch im Herbst erscheinen.
© NextLevelStudios

Über ihren Freund entstand schließlich auch der Kontakt zur deutschen Künstleragentur NextLevelStudios, die „Fake“ auf Schiene gebracht und auch das dazugehörige Musikvideo produziert hat. Vor dem Dreh – der mitten in der deutschen Stadt Kassel stattfand – sei Ella sehr nervös gewesen: „Es war total aufregend für mich, weil ich vorher noch nie die Erfahrung gemacht habe, dass sich so viele Menschen um mich kümmern.“ Vor der Veröffentlichung des Videos hatte sie auch etwas Bammel. „Der Songtext ist ja schon ein bisschen frech. Und man weiß ja nie, wie die Leute in den Kommentarspalten reagieren oder was sie an einem auszusetzen haben.“

Das Thema Selbstzweifel findet sich ebenfalls im musikalischen Repertoire der Tirolerin. „Junge Menschen sollen wissen, dass es mir oft genau gleich geht wie ihnen oder ich genauso verunsichert und verzweifelt bin wie sie. Es ist eben nicht alles immer so schön und toll, wie es auf Instagram scheint. „Fake“ ist bei Ella also alles andere als Programm.


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