Kryptowährung als „Feind“: Hochrangige russische Ökonomin im Livetalk

Die stellvertretende Präsidentin der Russischen Zentralbank gab Einblick in den Finanzsektor.

Ksenia Yudaeva (r.) im virtuellen Livetalk mit MCI-Rektor Andreas Altmann.
© MCI

Innsbruck – „Nicht gut.“ So beschreibt Ksenia Yudaeva, seit 2013 stellvertretende Präsidentin der Russischen Zentralbank, den derzeitigen Zustand der Weltwirtschaft. Denn speziell die Covid-Pandemie und die weltweiten Lockdowns hätten der Wirtschaft einen Dämpfer verpasst und zu einem Kollaps des globalen Finanzmarkts geführt, sagte Yudaeva in der Vorwoche im Livetalk mit MCI-Rektor Andreas Altmann.

Neben einer Erholung und Stabilisierung der Wirtschaft beobachtete die hochrangige Ökonomin: „Das Hauptproblem ist nicht wirtschaftlicher Natur! Wir verstehen, wie die Wirtschaft reagieren wird, aber es gibt kein vollständiges Verständnis der wirtschaftlichen Risiken einer Pandemie.“ Diese Risiken gelte es mit großer Sorgfalt und politisch unabhängig zu bewerten und daraus sichere Direktiven abzuleiten. Es brauche strengere Regulierungen, um Inflationseffekte zu minimieren, so Yudaeva.

Die Pandemie ist in ihren Augen aber auch ein Ventil für die weltweite Digitalisierung, was ein enormer Vorteil für den schnellen internationalen Austausch und damit sehr positiv sei. Äußerst kritisch steht sie allerdings Kryptowährungen gegenüber und erklärt diese sogar zum Feind der Russischen Zentralbank. Es sei eines ihrer Ziele, Institutionen zur Nutzung neuer Technologien anzuregen, aber die Verwendung von Kryptowährungen beherberge auch für die wirtschaftliche Stabilität viele Risiken. Dennoch gebe es auch hier eine positive Seite: „Die Technologie dahinter kann gut genutzt werden und ist wichtig.“

Eine Bewertung der Politik anderer Zentralbanken will Yudaeva nicht abgeben, aber sie hätten generell ein klares Mandat, nämlich Stabilisierung und alles dafür zu tun, dieses Ziel auch zu erreichen. Längerfristige Risiken gebe es zur Genüge und es gelte womöglich speziell in anderen Bereichen mehr zu tun, wie durch Strukturreformen und Unterstützungen für höhere Produktivität. Zentral sei dabei aber eines: „Wir müssen sorgfältig über die verschiedenen Konsequenzen unserer Finanzpolitik nachdenken.“ (TT)

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