Bauträger für Rückwidmung nach zehn Jahren

Die gewerblichen Bauträger fordern ebenfalls eine Mobilisierung von brach-liegendem Bauland. Die Grünen sprechen sich weiter für eine Abgabe aus.

In Tirol werden knapp 30.000 Hektar Bauland gehortet, dadurch wird die Preisspirale bei den Grundstücken weiter nach oben getrieben.
© Böhm Thomas

Innsbruck – Mit Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser (ÖVP) hat sich erstmals ein hochrangiger Vertreter der Wirtschaft für eine Rückwidmung von Bauland ausgesprochen, wenn es nicht innerhalb von zehn Jahren verbaut wird. 23.165 Hektar sind aktuell für „intensive bauliche Nutzung“ in Tirol gewidmet, rund 30.000 Hektar Bauland liegen derzeit brach. Unterstützung erhält Walser jetzt aus den eigenen Reihen: „Auf Baulandflächen von mehr als 1500 Quadratmetern sollte innerhalb von zehn Jahren gebaut werden, sonst muss eine Rückwidmung erfolgen. Bei Gewerbeflächen sollte eine Frist von 20 Jahren gelten“, sagt Michael Kugler, Sprecher der gewerblichen Bauträger Tirols.

Raumordnungsverträge dürfen keine diskriminierende Beschränkung auf gemeinnützige Bauträger enthalten.
Michael Kugler (Sprecher der gewerblichen Bauträger)

Zugleich erwartet sich Kugler eine Änderung bei den Bebauungsfristen: Völlig außer Kraft gesetzt wird die Bebauungspflicht, wenn ein Erwerb bzw. eine Schenkung im Verwandtenkreis bis zum dritten Grad erfolgt. Hier sollte seiner Ansicht nach die Frist nicht erlöschen, sondern eine weitere Bebauungspflicht auf fünf Jahre bei jeder Weitergabe ausgelöst werden. „Von einer Enteignung und Zwangsversteigerung halten wir nichts“, betont Kugler abschließend. Und die Raumordnungsverträge dürften nicht auf die gemeinnützigen Bauträger beschränkt werden.

Da die horrenden Miet- und Kaufpreise für die Menschen in Tirol zunehmend unleistbar würden und Wohnen zu einer echten Existenzfrage geworden sei, will der grüne Wohnsprecher LA Michael Mingler, dass stärker in den freien Markt eingegriffen werden sollte. Er erwartet sich mehr Mut auf Landesebene, um gegen spekulative Baulandhortung vorzugehen. Für ihn gäbe es insbesondere zwei praktikable Möglichkeiten. Neben der in Diskussion stehenden Rückwidmung von gehortetem Bauland in Gebieten, wo hoher Wohnbedarf besteht, bringt er vor allem eine Abgabe auf gehortetes Bauland ins Spiel. „Salzburg und das Burgenland zeigen vor, was möglich wäre. Es braucht einen spürbaren Druck, dass die Grundstücke statt als Wertanlage und Spekulationsgut für ihren eigentlichen Zweck verwendet werden.“ (pn)

Es braucht einen spürbaren Druck, dass die Grundstücke nicht als Wertanlage verwendet werden.
Michael Mingler (Grüner Wohnbausprecher)

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