Thiem nach Fünf-Satz-Krimi im French-Open-Viertelfinale

Dominic Thiem hat am Sonntag mit weit mehr Mühe als erwartet zum fünften Mal en suite das Viertelfinale der French Open erreicht. Österreichs Tennis-Star und US-Open-Sieger eliminierte im großteils bei geschlossenem Dach absolvierten Achtelfinale Wawrinka-Bezwinger Hugo Gaston aus Frankreich (ATP-239.) erst nach 3:32 Stunden mit 6:4,6:4,5:7,3:6,6:3. Im Viertelfinale am Dienstag trifft Thiem nun auf seinen Tour-Freund Diego Schwartzman (ARG-12).

Nach 3:32 Stunden konnte Thiem lachend die Arme in die Höhe strecken. Zuvor hatte der 27-Jährige gegen die Nummer 239, die mit einer Flut an Stopps Thiem alles abverlangt hat, viel Kraft gelassen. Thiem ist erst der achte Spieler in der Profi-Ära, dem es gelungen ist, fünf Mal in Folge die Runde der letzten acht in Roland Garros zu erreichen. Wert ist dieser Viertelfinaleinzug 283.500 Euro brutto sowie 360 ATP-Zähler. Thiem und Rafael Nadal trennen nun nur noch je ein Sieg vor dem großen Halbfinalschlager gegeneinander.

„Ich finde, es war ein unglaubliches Match von uns beiden. Er hat so gute Fighter-Qualitäten. Ich habe seit langer Zeit keinen Spieler gesehen, der so viel Touch hat“, lobte Thiem seinen französischen Gegner noch auf dem Center Court, der schon nach fünf Games mit dem verschiebbaren Dach bedeckt worden war. „Seine Stopps sind einfach von einem anderen Planeten, ich musste 400 Mal zum Netz sprinten. Wenn er so weiter spielt, wird er ein ganz großer Spieler.“

Den Schlüssel für ein möglicherweise schnelleres Ende hatte Thiem schnell gefunden. „Ich habe bei 4:4 im dritten Satz einen Breakball verschlagen, das war ein leichter Vorhandfehler. Ab diesem Zeitpunkt hat sich das Match ein bisschen verändert“, erklärte Thiem. Er selbst habe etwas an Energie verloren. „Ich habe auch nicht die richtige Antwort auf die vielen Stoppbälle gefunden.“

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Thiem musste schon im zweiten Game zwei Breakbälle abwehren. Bei 2:2 vergab er zunächst selbst drei Chancen, dem Weltranglisten-239. den Aufschlag abzunehmen. Beim Stand von 3:2 für Gaston wurde wegen einsetzenden Regens aus dem Freiluft-Match eine Hallenpartie, denn das verschiebbare Dach wurde geschlossen. Eine rund 15-minütige Pause war die Folge. Nach der Unterbrechung nutzte Thiem dann die nächste Chance zum Break zum 4:3. Mit starken Aufschlag-Games besiegelte er nach 40 Minuten das 6:4.

Satz zwei verlief ähnlich. Thiem schaffte das erste Break zum 3:2 und nach weiteren 40 Minuten hatte er eine solide 6:4,6:4-Führung in der Tasche. Im dritten Durchgang gab Thiem zum 1:3 erstmals den Aufschlag ab, holte aber sofort das Rebreak. Auch bei 4:3 für Gaston fand der wieselflinke, nur 1,73 m große Franzose, der mit großer Finesse und einer Unzahl von ansatzlosen Stoppbällen agierte, zwei weitere Breakbälle vor. Thiem gelang dennoch das 4:4. Der Niederösterreicher vergab dann den schon angesprochenen Breakball zum 5:4, der die Entscheidung hätte bringen können. Doch Gaston ließ nicht locker, bei 5:4 hatte der Franzose drei Satzbälle, Thiem wehrte alle drei ab (den ersten mit einem Netzroller) und stellte auf 5:5. Doch bei 6:5 nutzte Gaston dann seinen fünften Satzball zum verdienten Satzgewinn.

Im vierten Satz gelang Gaston wie in Satz drei zum 3:1 erneut ein Break, Thiem wirkte müde, fand aber zwei Rebreakbälle vor, die er diesmal nicht nutzen konnte. Gaston zog auf 4:1 davon und diesen Vorsprung ließ er sich nicht mehr nehmen. Nach 2:50 Stunden servierte Gaston zum 6:3 aus und zwang den zweifachen Paris-Finalisten in Satz fünf.

„Doch am Ende hatte die Nummer 3 der Welt den längeren Atem. „Im fünften Satz habe ich irgendwie neue Energie gefunden und habe dann wieder sehr gut gespielt“, resümierte Thiem. Im Entscheidungssatz gelang dem Niederösterreicher das Break zum 5:3. Er nutzte dann seinen zweiten Matchball zum Einzug ins neuerliche Viertelfinale. „Ich hatte etwas Glück, dass ich da heute durchgekommen bin.“

Nun trifft Thiem auf einen seiner besten Freunde auf der Tour. Gegen den in guter Form befindlichen Argentinier Schwartzman hat er eine 6:2-Bilanz und weiß zumindest, was ihn erwartet. „Ich muss mich jetzt gut erholen. Gegen Diego werden es wieder so lange Rallyes werden. Er mag diese Bedingungen, glaube ich. Es wird sehr schwierig werden.“


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