Corona-Regelchaos: „Die Psyche mancher Kinder hat stark gelitten“

Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser gibt zu bedenken, dass sich ständig ändernde Corona-Regeln bei Kindern und ihren Eltern Ängste schüren würden.

Distanz zu Gleichaltrigen halten, ungewisse Zukunftsperspektiven oder die Sorge vor Infektionen: Das alles belastet die Psyche von Kindern und Jugendlichen enorm.
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Innsbruck – Ein Besuch beim Kinderarzt stand bei Frau M. und ihrer Tochter am Anfang einer langen emotionalen Tortur. „Ich habe vermutet, dass meine Dreijährige zum wiederholten Mal Bronchitis hat, der Doktor hat sie dennoch auf Corona prüfen lassen“, sagt M., die anonym bleiben möchte. Was folgte, sind „verwirrende Quarantäne-Bescheide, verloren gegangene Testergebnisse und quälendes Warten“.

„Jugendliche, die sich angeblich nicht an die Regeln halten, müssen wieder als die Bösen herhalten.“ – Elisabeth Harasser (Kinder- und Jugendanwältin)
© Land Tirol

Auch viele andere Eltern geben an, Ähnliches wie M. erlebt zu haben, berichtet Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser. „Bei uns hat man sich darüber beschwert, dass alles viel zu lange dauern und sehr chaotisch ablaufen würde. Und natürlich beeinflusst das auch die Kinder.“ So hat es auch Frau M. erlebt, die erzählt, dass ihre dreijährige Tochter „natürlich mitgekriegt hat, dass sie nicht in den Kindergarten gehen konnte, niemand zu ihr durfte und sie im Zimmer bleiben sollte. Aber das erklär mal einem kleinen Kind.“

Auf Anfrage der TT betont das Land Tirol, es sei „nachvollziehbar und verständlich“, dass das Covid-Test-Standardprozedere besonders bei Kleinkindern herausfordernd sei. „Diese Maßnahmen werden gesetzt, um die Weiterverbreitung des Virus bestmöglich zu verhindern.“ Bei Fragen könnten sich Erziehungsberechtigte jederzeit an die Behörden wenden, ein speziell angepasstes Verfahren für Kinder sei jedoch nicht in Planung.

„Schlimm, wenn Eltern auf Arztbesuche verzichten"

Elisabeth Harasser glaubt, „dass die Psyche mancher Kinder stark gelitten hat“. In den vergangenen Wochen und Monaten seien Panik und Ängste geschürt worden. Beispielsweise stellten sich viele die Frage, „ob Mama, Papa, Oma infiziert werden und dann sterben müssen“. Als Ursache dieser Sorgen macht die Kinder- und Jugendanwältin die „völlig wirren Regeln der Bundesregierung“ aus, welche sich ständig ändern würden und bei denen sich kaum noch jemand auskenne, was es dann auch für einige Eltern schwer mache, das ihrem Nachwuchs zu erklären.

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Frau M. hat jedenfalls genug, möchte ihrer Tochter nicht nochmals ein ähnliches Erlebnis zumuten. „Ich frage mich schon, ob ich mit der Kleinen noch zum Doktor gehen soll, wenn so etwas dabei rauskommt.“ Für Elisabeth Harasser ein Alarmsignal: „Das ist schlimm, wenn Eltern auf Arztbesuche verzichten, nur weil sie befürchten, tagelang im Kreis herum geschickt zu werden. Ich weiß, bei den Behörden macht das niemand absichtlich, und ich möchte niemanden an den Pranger stellen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir im Umgang mit dem Virus langsam wieder etwas mehr den Hausverstand benutzen sollten.“

Jugendliche als Feindbild

In Erinnerung ruft Harasser ebenfalls die Situation der Jugend, die „gerade wieder völlig untergeht. Jugendliche, die sich angeblich nicht an die Corona-Regeln halten und – so der Vorwurf – wissentlich anderer Menschen Leben gefährden, müssen wieder als die Bösen herhalten.“ Sie fordert, dass es an der Zeit sei, die Jugend nicht mehr als Feindbild zu betrachten und wieder „zum Gemeinsamen in der Gesellschaft zurückzufinden“. (bfk)


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