Rainbows Tirol: Trennungskinder sollen Perspektiven entwickeln

Die Corona-Isolation wurde für zerrüttete Familien zur Herausforderung. Nach Zwangspause nehmen Rainbows-Gruppen wieder ihre Arbeit auf.

Gemeinsam mit anderen Kindern, die in der gleichen Situation sind, schöpfen Trennungskinder wieder Hoffnung und Mut.
© Rainbows

Von Christoph Blassnig

Innsbruck, Lienz – Eltern gelingt es nicht immer, nach einer Trennung einen friedvollen Umgang miteinander zu finden. „Mutter und Vater wissen über die Probleme in ihrer Beziehung meist schon länger Bescheid, das Thema wird aber viel zu lange totgeschwiegen“, berichtet Waltraud Kerber von Rainbows Tirol aus ihrer Erfahrung. Der österreichweit tätige Sozialverein hilft betroffenen Kindern und Jugendlichen in stürmischen Zeiten – etwa bei Trennung oder Scheidung naher Bezugspersonen. In Kleingruppen treffen sich die Kinder über den Zeitraum von drei Monaten einmal pro Woche, um in Begleitung ausgebildeter Pädagogen ihren persönlichen Umgang mit Gefühlen wie Wut, Trauer und Sehnsucht zu finden. Für die Bewältigung von Todesfällen ist fast immer eine Einzelbegleitung vorgesehen.

„Der Lockdown im Frühjahr hat uns alle betroffen“, sagt Kerber. Der Rainbows-Gruppenstart nach den Semesterferien musste beispielsweise abgesagt werden. „Aber man stelle sich vor, was es für eine zerrüttete Familie bedeutete, wochenlang auf engstem Raum miteinander auskommen zu müssen, weil man nicht einmal ins Freie gehen durfte.“ Die beklemmende Situation habe sich für die Betroffenen natürlich weiter zugespitzt, die Auswirkungen seien zu spüren. „Mehr als wir uns das vorstellen konnten“, erläutert die Verantwortliche. „Wir verzeichnen seither ungewöhnlich viele Anmeldungen und leisten entsprechend viele Beratungsgespräche.“ Ende Oktober nehmen in ganz Tirol wieder rund 20 Gruppen ihre Arbeit auf. Die Anmeldefrist läuft noch. Die Gruppen werden altersgerecht eingeteilt. Das Mindestalter von Kindern liegt bei vier Jahren, Jugendlicher nimmt man sich bis zum Alter von 18 Jahren an. Die Kosten betragen für ein Kind 308 Euro, Geschwister erhalten eine Ermäßigung von zehn Prozent.

Trennung oder Scheidung seien immer noch ein Tabuthema, meint Kerber. Der Verein sei zwar mittlerweile gut vernetzt, auch in Kindergärten und Schulen würde das Angebot empfohlen. Der Gesetzgeber habe seinen Fokus inzwischen auf das Wohl der Minderjährigen gerichtet, etwa bei einvernehmlichen Scheidungen. Ganz anders sehe die Sache allerdings bei unverheirateten Paaren aus. „Diese Fälle werden nicht einmal statistisch erfasst“, kritisiert Kerber die ihrer Meinung nach unzureichenden Erhebungen sowie einen Mangel an gesetzlichen Rahmenbedingungen für solche Trennungskinder. Der Bedarf an Unterstützung steige jedenfalls tirolweit. Ein Stadt-Land-Gefälle könne man nicht ausmachen, meint Kerber. „Ob Innsbruck, Osttirol oder Reutte, die Probleme gibt es überall und jedes Kind soll in unsicheren Zeiten helfende Hände haben“, wünscht sich die Verantwortliche. „Wir können Geschehenes nicht rückgängig machen, aber wir können die Kinder stärken und ihnen dabei helfen, positive Zukunftsperspektiven zu entwickeln, trotz der Belastungen, denen sie ausgesetzt sind“, beschreibt der Verein seine Ziele.

Sollten Eltern die Kosten für eine Begleitung in einer Rainbows-Gruppe nicht aufbringen können, stehe man in allen Bezirken mit Wohltätigkeitsvereinen in Kontakt. Das Land leiste einen wertvollen finanziellen Beitrag, ebenso Spendenaktionen wie Licht ins Dunkel. Bei Bürgermeistern dagegen habe man immer wieder mit dem Argument klammer Kassen zu kämpfen, berichtet Kerber. „Heuer hat uns die Lienzer Bürgermeisterin leider eine Absage erteilt.“ Betroffene können sich jederzeit unter der Telefonnummer 0650/9578869 oder per Mail an tirol@rainbows.at melden.

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