Geschwindigkeitsmessung in Tannheim: Mit 103 km/h durch Wohngebiet gerast

Ortschef appelliert nach Geschwindigkeitsmessungen in Tannheim an die Vernunft der Schnellfahrer. 85 Prozent fuhren langsamer als die erlaubten 40 km/h.

Die Tempo-Smileys sollen Raser einbremsen. Tausende Male hatte der in Tannheim nichts zu lachen.
© Thomas Boehm / TT

Von Simone Tschol

Tannheim – Vor rund zwei Jahren hat die Gemeinde Tannheim ein Geschwindigkeitsmessgerät gekauft. Seither wurde das Gerät in allen Weilern der Gemeinde eingesetzt, die Daten nach und nach ausgewertet.

Die jüngsten Messungen von 10. März bis 31. August im Wohngebiet Unterhöfen brachten für Bürgermeister Markus Eberle wieder viel neues Zahlenmaterial. Demnach wurden an den 168 Messtagen insgesamt 84.621 Fahrzeuge registriert, welche die Messstelle mit mehr als 20 km/h passierten. Dies entspricht einer durchschnttlichen Frequenz von 504 Fahrzeugen pro Tag. „Das wirkt im ersten Moment vielleicht viel. Wenn man aber bedenkt, dass es die Hauptdurchzugsstraße ist, wenn man nicht die Umfahrung benutzt, relativiert sich dies wieder“, meint Bürgermeister Markus Eberle.

Wir haben das Messgerät in allen Fraktionen wechselweise aufgestellt. Die Zahlen sind nahezu ident.
Markus Eberle (Bürgermeister)

85 Prozent der Fahrzeuge fuhren langsamer als die dort erlaubten 40 km/h oder maximal 45 km/h. „Das ist sehr erfreulich. Allerdings muss man auch dazusagen, dass noch sehr viele Fahrzeuge, schneller als 50 km/h auf diesem Straßenabschnitt im Wohngebiet gefahren sind“, sagt der Gemeindechef. Genau waren es 5793. 5143 fuhren zwischen 50 und 60 km/h, 588 zwischen 60 und 70 km/h und 61 gar mit 70 bis 80 km/h. „Ein Fahrer raste sogar mit 103 km/h durchs Wohngebiet. Das ist ja verrückt“, meint Bürgermeister Eberle, der hinzufügt: „Da braucht man schon einen PS-starken Wagen, um es auf diesem kurzen Streckenabschnitt auf über 100 km/h zu bringen.“

Markus Eberle
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© Tschol

Wirklich überrascht von der Auswertung ist Eberle jedoch nicht: „Wir haben das Messgerät in allen Fraktionen schon wechselweise aufgestellt. Die Zahlen sind nahezu ident. Und egal an welchen Plätzen das Messgerät stand, es gab immer ein bis zwei Wahnsinnige mit mehr als 100 km/h.“

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Ob die Geschwindigkeitsmessung Einfluss auf das Verkehrsaufkommen oder das Verhalten der Lenker habe, könne trotz jeder Menge Daten nicht beantwortet werden. Eberle: „Das glaube ich auch nicht wirklich. Das subjektive Empfinden der Anrainer ist oft ein anderes, als die Tatsachen zeigen. Wir können mit dem Gerät aber die Verkehrsströme messen, festhalten, wie viele Fahrzeuge tatsächlich eine Straße passieren und wie schnell sie fahren. Ich appelliere an die Vernunft der Schnellfahrer, sich im Sinne einer erhöhten Verkehrssicherheit an die Tempolimits zu halten. Denn wenn wir von jenen, die zu schnell unterwegs sind, die oberen zehn Prozent wegbringen, ist das ein Gewinn“, sagt Eberle.

Die Daten des Messgerätes sollen das Verkehrsgutachten, welches in der 1100-Seelen-Gemeinde bereits gemacht wurde, ergänzen. „Wir haben uns hier vor allem den Verkehr in Richtung Vilsalpsee sowie kleinere Nadelöhre angesehen. Haben eruiert, ob es sich um innerörtlichen Verkehr oder um Urlauberverkehr handelt. Darauf aufbauend, wollen wir Schritt für Schritt die ein oder andere verkehrslenkende Maßnahme umsetzen“, sagt Bürgermeister Eberle abschließend.


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