Umfahrung für Oetz ist kein Tabuthema bei Imster SPÖ

Die SPÖ des Bezirkes Imst hebt soziale Gerechtigkeit, Frauen- und Verkehrspolitik auf ihr Banner.

Der Imster Bezirksparteivorstand der SPÖ wurde von LPO Georg Dornauer (M.) der Öffentlichkeit vorgestellt: Süleyman Kilic und Josef Perwög sowie Alexandra Zolitsch mit Daniel Schmid (v. l.).
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Von Thomas Parth

Imst – Georg Dornauer gibt sich erleichtert, könne man doch nun mit einem neu gewählten Bezirksparteivorstand in Imst „durchstarten“. Man sei, thematisch wie personell, breit aufgestellt und für die Gemeinderatswahlen 2022 gewappnet, attestiert der Landesparteiobmann (LPO) der Tiroler SPÖ.

Als Bezirksparteivorsitzender stellte sich Süleyman Kilic, Gemeinderat in Oetz, vor. Seine Stellvertreter stehen mit Alexandra Zolitsch und Josef Perwög aus Haiming sowie mit Daniel Schmid aus Obsteig ebenfalls fest.

Kilic, selbst als „Systemerhalter“ in einer großen Handelskette tätig, mahnt den von der SPÖ eingeforderten „Corona-Tausender“ erneut ein: „Außer freiwilligen Zusatzleistungen einiger Betriebe ist noch nicht viel passiert. Eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden ist anzudenken, um Arbeitsplätze zu erhalten. Dies muss mit einer Stärkung der Kaufkraft einhergehen.“ Was Kilic als unmoralisch ansehe, sei, wie Großkonzerne ihre Verluste auf die Allgemeinheit abwälzen, Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und Staatshilfen kassieren, nur um am Ende ins Ausland abzuwandern. „Der Bezirk Imst hat aktuell mit 36 Prozent eine der höchsten Arbeitslosenraten“, blickt der dreifache Familienvater sorgenvoll in die Zukunft, Richtung Wintersaison. „Für mich ist leistbares Wohnen ein Grundrecht“, betont der 38-Jährige. Dazu müsste das Land Tirol Vorbehaltsflächen für sozialen Wohnbau ausweisen, dem Chalet-Wildwuchs und den Investorenmodellen Einhalt gebieten und der Mietpreisspekulation einen Riegel vorschieben. „Um das bereits gewidmete Bauland zu mobilisieren, könnte man heute ein Gesetz verabschieden, das eine Bebauung bis spätestens in zehn Jahren vorsieht. Wir streben die Ultima Ratio einer Zwangsversteigerung nicht an, sondern die Mobilisierung der Baulandflächen“, führt LPO Dornauer näher aus.

Für Frauen- und Familienpolitik erklärt sich Alexandra Zolitsch zuständig. „Wir befinden uns in einem Ausnahmejahr. 85 Prozent der Frauen sind von Arbeitslosigkeit bedroht. Dazu häufen sich Kinderbetreuung und Home-Schooling an. Die Lohnkluft in Tirol zwischen Mann und Frau beträgt zudem 19,3 Prozent“, ist Zolitsch alarmiert. Die sozialen würden mit den finanziellen Ängsten Hand in Hand gehen und große Existenzängste auslösen. „Darum ist ein Recht auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr unumgänglich. In Tirol war der Equal Pay Day bereits am 30. September, wohingegen er im Österreichschnitt erst am 22. Oktober stattfindet“, weiß Zolitsch und schließt mit einem Kreisky-Zitat, dass man „Umstände zur Kenntnis nehmen, diese aber nicht hinnehmen“ müsse.

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Josef Perwög ist um die Senioren bemüht und hegt großes Unverständnis dafür, dass der Handel einen „Österreichzuschlag“ verlangt: „Warum kosten manche Produkte knapp hinter der Grenze in Bayern um 20 bis 30 Prozent weniger?“

David Schmid sorgt sich als ÖBB-Lokführer um den Themenbereich „Umwelt und Verkehr“ und will die Fernpass-Route verteuern und dadurch „unattraktiv“ machen: „Ich selbst wohne an der B189 und denke, man sollte die Möglichkeit einer Maut andenken.“ In Oetz steht eine Umfahrung seit dem Jahr 2006 auf der Agenda von Süleyman Kilic: „Alle Gäste fahren an Oetz vorbei. Längerfristig werden wir nicht ohne eine Umfahrung auskommen.“ Eine Bürgerversammlung sei Corona-bedingt nicht möglich. „Eine Information der Bevölkerung bereits im Vorfeld ist unser dringendster Wunsch“, erklärt Kilic.


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