Hochrechnung für Wien-Wahl – ein „wilder Ritt über die Streif“

Christoph Hofinger, Hochrechner der Nation, steht wegen über 300.000 Wahlkarten-Wählern vor einer neuen Herausforderung.

Am Sonntag wählt Wien. Aufrund von Corona ist von einem großen Anstieg der Anzahl von Briefwählern auszugehen.
© APA/PID/MARKUS WACHE

Von Michael Sprenger

Wien – Am Sonntag findet mit der Wiener Landtags- und Gemeinderatswahl der spannendste innenpolitische Urnengang in diesem Jahr statt. Wird der gefallene Vizekanzler und ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache mit seiner neuen Partei den Einzug in den Wiener Gemeinderat schaffen? Kommt die SPÖ über die 40-Prozent-Marke? Wie wirkt sich die Regierungsbeteiligung der Grünen auf Bundesebene aus? Wird die ÖVP ihren Stimmenanteil verdoppeln?

Auf diese Fragen wollen die Bürger eine Antwort. So rasch wie möglich. Am liebsten schon um 17 Uhr, wenn die Wahllokale schließen.

Wir müssen die Streif am Sonntag dreimal fahren. Zur Trendprognose, zur Wien-Hochrechnung und dann für alle 23 Bezirke.
Christoph Hofinger (Sora-Geschäftsführer)

Für die Hochrechner und Wahlforscher wird dies am Sonntag zu einer echten He­rausforderung. Denn seit dem Verfassungsgerichtshofurteil zur Bundespräsidentenwahl gibt es keine Sprengelergebnisse vor der Schließung der Wahllokale. Und anders als bei der Nationalratswahl haben die Hochrechner in Wien ab 17 Uhr nicht die Möglichkeit, schon mit echten Wahlergebnissen zu arbeiten.

Also was tun? Von morgen weg bis Samstag werden in einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Arge Wahlen, Wahlforscher Peter Hayek und Sora-Institut 4000 Wahl-Interviews geführt. Diese Umfragen werden die Basis der Wahlprognose für 17 Uhr sein. Das ehrgeizige Ziel von Sora-Chef Christoph Hofinger – er erstellt für den ORF die Hochrechnungen – ist es, dass die Prognose mit einer Schwankungsbreite von 2,5 Prozent dem Endergebnis entspricht.

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Christoph Hofinger.
© Vanessa Rachlé / TT

Die ersten echten Daten werden dann gegen 17.30 Uhr in die Computer eingegeben. Um 18 Uhr will Hofinger die erste Hochrechnung verkünden. Vor fünf Jahren war die Hochrechnung mit einer Abweichung von 0,1 Prozent nahezu das Endergebnis. Und dieses Mal? „Dieses Mal ist alles anders. In der Vergangenheit hatten wir ein gutes Modell für die Wahlkarten-Wähler. Doch heuer hat aufgrund von Corona ein Run auf die Wahlkarten eingesetzt. In Wien werden weit mehr als 300.000 Menschen mit Wahlkarten wählen. Das ist nicht mehr ganz trivial“, sagt Hofinger. Er arbeitet also an einem Hybridmodell, wo einerseits die Umfragen, andererseits die Modellrechnungen von der Wahl 2015 und der Nationalratswahl 2019 einfließen. „Es kann sein, dass wir am späten Wahlabend noch ein Ergebnis mit einer Schwankungsbreite von einem Prozent haben. Da können dann auch noch Mandate wandern.“

Hofinger, aufgewachsen in Tirol, greift deshalb zu einem steilen Vergleich, um die Herausforderung für sein Team zu veranschaulichen. „Ich dachte anfangs, wir werden am Sonntag die Streif bei Nebel und Eis abfahren müssen. Jetzt weiß ich, dass es am Sonntag auch Windböen irgendwo zwischen Mausefalle und Hausbergkante geben wird. Es wird ein wilder Ritt. Zudem müssen wir dreimal die Streif abfahren. Zur Trendprognose, zur Wien-Hochrechnung und zur Hochrechnung für alle 23 Bezirke. Aber unser Serviceteam ist gut vorbereitet.“

📽️ Video | Soviele Wahlkarten wie noch nie:


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