Familientragödie vor Gericht: „Geschossen, um Ärgeres zu verhindern“

In Wörgl war eine 27-Jährige unter Drogeneinfluss mit ihrem Pkw auf die Bahngleise geraten. Zeugen alarmierten rechtzeitig die ÖBB.
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Vater und Sohn saßen gestern am Landesgericht auf der Anklagebank, um letztlich ihre eigene Familientragödie aufzuarbeiten. Auslöser für den Prozess waren Streitereien, bei denen der Vater im April mit einer Gaspistole auf den eigenen Sohn geschossen hatte. Nach der Verhaftung des 51-Jährigen stellte die Polizei in der Innsbrucker Wohnung des Mannes weitere Gaspistolen samt Munition sowie ein Gewehr sicher – dies trotz bestehenden Waffenverbots. Was arg klingt, relativierte sich jedoch vor Richterin Verena Offer doch ein wenig. So stellte der wegen Körperverletzung und Vergehen nach dem Waffengesetz angeklagte Vater die Übergriffe als Akt der Verzweiflung dar.

Glaubhaft erklärte der 51-Jährige, dass er mit dem Nachwuchs nur schwer zurande komme: „Die Mutter ist vor neun Jahren gestorben, zuletzt lag er nur mehr im Zimmer und trank. Mir ging es doch nur darum, dass er arbeiten anfängt und überlebensfähig ist, wenn ich einmal die Augen schließe.“ Vier Lebensgefährtinnen des 51-Jährigen soll das problematische Verhältnis zum Sohn schon verschlissen haben.

Im Februar und im April war es erneut zu gewaltsamen Ranggeleien zwischen den Männern gekommen. Bis der Vater den damals angetrunkenen Sohn aus der Wohnung verweisen wollte. Als dieser sich weigerte, griff der Vater zur Gaspistole – und schoss daneben. Erst als der Sohn schrie, dass er doch „gleich gscheit auf ihn schießen“ solle, traf diesen ein Gasschuss am Bauch. Verletzt wurde der Filius kaum: „Das sind ja Paintball-Gaspistolen. Mit denen kann man doch niemanden verletzen. Die krachen halt laut. Ich wollte mit den Schüssen nur deeskalieren, um beim Streit noch Ärgeres zu verhindern“, so der Vater. Mehr als ein roter Punkt war dann auf der Haut des Getroffenen auch nicht zu erkennen.

Dass er mit Waffenverbot belegt war, wusste der 51-Jährige nicht mehr. Stammte die Auflage doch aus dem Jahr 1988: „Ich dachte, das wäre schon lange abgelaufen.“ Der Vater-Sohn-Zwist endete für den Sohn mit Freisprüchen. Der Vater nahm zur Hälfte bedingte 4060 Euro Geldstrafe sofort an.

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Um Ratenzahlung bat gestern nach dem Urteil eine 27-Jährige, die im Mai in Wörgl im Alkohol- und Drogenrausch mit ihrem Pkw auf die Bahngleise geschleudert war. Unfallzeugen konnten noch rechtzeitig die ÖBB verständigen, um die Bahn zu stoppen. Der Beifahrer erlitt jedoch einen Beinbruch, der ihm gestern bei Gericht 200 Euro wert war. Fünf Monate bedingte Haft und 720 Euro betrug die Strafe für die nun führerscheinlose Lenkerin. (fell)


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