Klimaschutz und Lebensqualität: Innsbrucks Weg zur „Smart City“

Abwärme eines Großtransformators zur Beheizung, das Klärwerk als Energieversorger. Die IKB erhöhen mit dem Projekt „Sinfonia“ den Anteil erneuerbarer Energien in Innsbruck.

Das Hallenbad in der Amraser Straße in Innsbruck.
© ikb

Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Innsbruck und die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) sind mit dem Projekt „Sinfonia“ einen großen Schritt Richtung „Smart City“ gegangen. Für IKB-Vorstandsvorsitzenden Helmuth Müller zeichnet sich eine „Smart City dadurch aus, dass die Themen Klimaschutz und Lebensqualität zusammenfinden. Ressourcen müssen als Beitrag zum Klimaschutz radikal geschont, gleichzeitig muss aber die Lebensqualität der Bürger erhalten bzw. erhöht werden.“ Im Rahmen von „Sinfonia“ wurde die bisher in Österreich einzigartige Mieterstromanlage gebaut. In einem Mehrparteienhaus der Neuen Heimat (NHT) erzeugt die Photovoltaikanlage nicht wie bisher nur Strom für die Allgemeinflächen wie das Stiegenhaus, der Sonnenstrom versorgt auch die Wohnungen. „Das war zwar technisch schon früher möglich, aber rechtlich ist das erst durch eine Gesetzesänderung machbar. Die Mieter mussten keinen Cent in die Anlage investieren, der Strom ist für sie nun 10 bis 15 Prozent billiger als bisher“, so Müller.

Europaweit einzigartig ist die Nutzung der Abwärme des Großtransformators im Umspannwerk Mitte. Sie wird über eine Wärmepumpe zur Beheizung des denkmalgeschützten Bürogebäudes der IKB in der Salurnerstraße 11 eingesetzt. „Früher wurde die Abwärme einfach in die Luft geblasen, nun decken wir damit 60 bis 70 Prozent des Heizbedarfs bei gleichzeitiger Einsparung fossiler Energie.“ Da die Architektur dabei nicht beeinträchtigt wird, hat die Stadt Wien mit ihren zahlreichen denkmalgeschützten Gebäuden Interesse an der intelligenten Energielösung bekundet. „Auch für Innsbruck denken wir noch an zwei bis drei Umspannwerke, wo wir ähnliche Lösungen einrichten können“. Weil Klärwerke zu den größten Energieverbrauchern zählen, wurde eine Lösung für die städtische Klärwerkanlage in der Rossau gesucht und gefunden. So werden unter anderem aus dem Hackstückgut in einer Holzvergasungsanlage Strom und Wärme erzeugt. „Damit kann sich die Rossau für den eigenen Betrieb mit Energie versorgen und diese sogar z. B. an das Hallenbad O-Dorf weitergeben.“

Der anfallende Klärschlamm wurde früher mit Wasser versetzt, in Lkw transportiert und entsorgt. „Jetzt geht der trockene Klärschlamm als Sekundärbrennstoff in die Zementindustrie und wird dort für die Wärmeerzeugung verwendet“, erklärt Müller. Ziel ist für die IKB, alle Kunden mit einem möglichst hohen Anteil an erneuerbaren Energien zu versorgen. „Dabei wird ein massiver Ausbau der Stromproduktion aus Photovoltaik in den nächsten Jahren von großer Bedeutung sein.“

Teil von „Sinfonia“ ist auch die Power-to-Heat-Anlage im Hallenbad Amraser Straße (im Bild). Dabei wird Überschussstrom aus dem Netz in Wärme umgewandelt und u. a. zum Heizen des Schwimmbeckens verwendet.

2. Preis beim deutschen „Stadtwerke Award“

EU-Initiative: „European Smart Cities and Communities“ nennt sich die Initiative der EU-Kommission, die 2011 gestartet wurde. Das Hauptziel ist die Steigerung der Energieeffizienz europäischer Städte.

Stadtwerke Award: Für die intelligenten Lösungen zur energieeffizienten Erzeugung und Verteilung von Strom/Wärme wurden die IKB dafür vergangene Woche unter den 40 eingereichten Projekten mit dem 2. Preis des deutschen „Stadtwerke Awards 2020“ ausgezeichnet.

Sinfonia-Projekt: Rund 80 Mitarbeiter der Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (IKB)waren in dem Projekt involviert, in das 17 Millionen Euro investiert wurden. Unterstützt wurde auch die Universität Innsbruck beim Energiemonitoring.


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