Straches doppelter Anschlag auf das Dritte Lager

Obwohl der Ex-FPÖ-Chef im Vorjahr angekündigt hatte, sich aus der Politik zurückzuziehen, will er nun mit einer eigenen Partei ein Comeback versuchen. Laut Umfragen wird das Unterfangen zur Zitterpartie.

Strache will es noch einmal wissen.
© HANS PUNZ

Wien – Einmal mehr. Die FPÖ am Boden. Nach dem Bekanntwerden des so genannten Ibiza-Videos und der Spesen-Affäre ist die FPÖ auf einem Tiefflug. Dieser wird auch morgen in Wien anhalten. Vor fünf Jahren ist die FPÖ noch angetreten, um mit der SPÖ in der Bundeshauptstadt um den ersten Platz zu rittern: 30 Prozent sind es geworden, jetzt liegt sie in den Umfragen bei zehn Prozent. Damals, 2015, hieß ihr Parteiobmann und Wiener Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache. Bei der Wiener SPÖ hatte noch Michael Häupl das Sagen. Im Bund regierte Rot-Schwarz unter dem Vorsitz von Bundeskanzler Werner Faymann.

Fünf Jahre später ist alles anders. Strache war zwischenzeitlich Vizekanzler in einer Regierung mit einer mittlerweile türkis gefärbten ÖVP unter Sebastian Kurz. Nachdem ein ­siebenstündiges Video aufgetaucht war – Strache schickte sich an, die halbe Republik zu verscherbeln –, trat er von allen Ämtern zurück. Die Koalition von FPÖ und ÖVP zerbrach. Im Bund regiert seit dem Vorjahr die ÖVP mit den Grünen, in Wien ist seit 2010 die SPÖ mit den Grünen in einer Koalition.

Verfeindetes Lager. Dominik Nepp führt die Wiener FPÖ in die Wien-Wahl. Unterstützt wird er dabei von Parteichef Norbert Hofer. Nepp und Hofer waren einst enge Vertraute von Strache.
© APA/HERBERT PFARRHOFER

Obwohl Strache im Vorjahr angekündigt hatte, sich aus der Politik zurückzuziehen, will er nun mit einer eigenen Partei ein Comeback versuchen. Drei Abtrünnige aus dem Wiener FPÖ-Klub gründeten für ihn zuerst DAÖ, daraus wurde dann das „Team HC“. Damit war einmal mehr (nach dem Liberalen Forum und dem BZÖ) eine Parteispaltung des Dritten Lagers perfekt.

Laut Umfragen wird für Straches Team am Sonntagabend eine Zitterpartie erwartet. In Wien ist das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde notwendig für den Einzug in den Gemeinderat. Inhaltlich hat sich Strache von der FPÖ unter seinem Nachfolger in Wien, Dominik Nepp, nicht unterschieden. Zudem versucht die ÖVP unter Gernot Blümel mit einem betont rechten Kurs viele ehemalige FPÖ-Wähler anzusprechen. (misp)

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