Ski fahren in Zeiten von Corona: So lief der Start im Kaunertal und in Hintertux

Die Freude am Skifahren wollen sich viele Wintersportler trotz Corona nicht nehmen lassen. Auch schon Anfang Oktober. Auf Tirols Gletschern sind Stimmung und Disziplin gut. Doch die Unsicherheit bleibt.

Der Kaunertaler Gletscher feierte gestern Saisonopening. Kaum einer macht sich Sorgen wegen Corona. Der Großteil trägt unaufgefordert Maske.
© Reichle

Von Eva-Maria Fankhauser und Matthias Reichle

Hintertux, Kaunertal – Während die einen noch überlegen, ob sie sich heuer eine Saisonkarte zum Skifahren leisten bzw. diese überhaupt ausnützen können, ziehen andere schon die ersten Schwünge im Schnee. Aber wie funktioniert der Start in die Wintersaison auf Tirols Gletschern? Die Tiroler Tageszeitung hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

„Darf ich noch rein?“, fragt eine Snowboarderin. In der 10er-Gondel am Hintertuxer Gletscher sitzen nur zwei Personen. „Klar, wir haben Platz“, meint einer der Skifahrer. Alle tragen eine Maske oder ein Tuch bis über die Nase, zwischen ihnen bleibt je ein Sitz frei. Auch beim Anstellen vorm Lift wird Abstand gehalten. „Noch ist das ja kein Problem. Da viele Lifte und Pisten offen sind, verteilt es sich gut. Mal sehen, wie das wird, wenn mehr los ist“, meint ein Deutscher. Er hat wegen Corona keine Bedenken. Man halte sich an die Vorgaben und „dann passt das schon“. Die Skiurlaube zu Neujahr und Ostern sind schon gebucht.

Auch am Hintertuxer Gletscher ist die Disziplin groß.
© Eva-Maria Fankhauser

Am Wochenende wird mit mehr Andrang gerechnet. „Aber auch das wird man sicher meistern können. Wir sind heute etwas später auf den Berg gestartet und dem ersten Schwung ausgewichen. Man muss halt ein bisserl schauen und mit Hirn an die Sache rangehen“, meint ein Skifahrer aus Ried im Innkreis. Bedenken, nach Tirol zu kommen, hatten er und seine zwei Kollegen nicht. „Da finde ich es beunruhigender, mit dem Bus oder der U-Bahn zu fahren. Hier läuft’s sehr diszipliniert ab und man ist ja hauptsächlich an der frischen Luft“, sagt der Oberösterreicher.

„Corona hält uns nicht vom Skifahren ab“

Für zwei Innsbruckerinnen ist klar: „Corona hält uns nicht vom Skifahren ab.“ Am Vortag waren sie noch am Stubaier Gletscher und nun in Hintertux. „Das Leben muss ja weitergehen. Mich stört die Maske im Alltag teils mehr als beim Skifahren, da trage ich eh immer das Halstuch“, sagt eine von ihnen. Auch eine Schweizerin sieht die Situation gelassen: „Es ist natürlich anders als vorige Saison. Einfach vom Gefühl her. Aber wir genießen das gerade richtig. Wer weiß, wie sich die Zahlen entwickeln.“ Sie ist mit ihrer Tochter auf Skiern unterwegs und lobt das Verhalten anderer: „Ich finde es toll, dass sich alle an die Maßnahmen halten. Auch das Liftpersonal schaut genau und ist streng.“

Auch beim Anstellen am Sessellift gibt es kein Gedränge. Hier wird jemand vorgelassen, dort mehr Abstand gehalten als nötig. „Ob Corona oder nicht, ich bin einfach nur froh, dass man am Gletscher wieder Ski fahren kann“, sagt ein junger Einheimischer. Die vorige Saison sei viel zu früh vorbei gewesen. Auch ein Urlauber aus Stuttgart freut sich, wieder am Gletscher zu sein: „Mir ist auch die mögliche Quarantäne danach egal. Für mich gibt es kein Leben ohne Skifahren.“

© Reichle

„Man spürt schon, dass der deutsche Gast fehlt“

Was in Hintertux auffällt, ist, dass eine Spur weniger Trainingsläufe gesteckt sind. „Die Ungewissheit, wie es weitergeht, trübt die Saison“, sagt etwa der Trainer des japanischen Jugendteams. Dass deshalb weniger los sei, findet er aber nicht. Die Teams von Italien, der Schweiz über Polen, Slowakei bis Frankreich und England sind wie jedes Jahr da. Die Zahl der Tagesgäste aus dem bayerischen Raum könnte heuer hingegen nachlassen. „Man spürt schon, dass der deutsche Gast fehlt“, meint Andreas Dengg von der Gletscherbahn. Ob die Hochsaison im Oktober und November mit den Vorjahren mithalten kann – das sei ungewiss.

Am Kaunertaler Gletscher hämmern die Bässe – unter strengen Auflagen feierte das Skigebiet gestern Saisonopening. Freitagmittag ist der Andrang noch überschaubar. Vor den Ständen der großen Skimarken, die hier ihre Produkte präsentieren, stehen nur wenige Besucher – Corona-bedingt ist ihre Zahl ohnehin limitiert. Aber auch auf den Pisten ist es noch ruhig. Drei Skifahrer kommen gerade ins Tal. Haben sie Angst vor Ansteckung? „Nein“, sagt einer. Sie seien aus Südtirol angereist – „wie jedes Jahr. Es geht nichts übers Skifahren.“

„Nur Einzelne muss man ermahnen"

Wer dem Lärm entkommen will, steigt zu Wolfgang Netzer in die Falginjochbahn. Der Kabinenführer bringt die Skifahrer in wenigen Minuten auf 3113 Meter Seehöhe. Heute ist es nur halb voll. Kurz nachdem sich die Türen schließen, erinnert eine Durchsage auf Deutsch und Englisch an den Mund-Nasen-Schutz. „Das haben sie heute neu installiert“, erklärt der Seilbahnmitarbeiter, der sich sonst über seine Passagiere nicht beklagen kann. „Der Großteil hält sich dran. Nur Einzelne muss man ermahnen.“

Wolfgang Netzer desinfiziert im Tal die Falginjochbahn.
© Reichle

„Ein bisschen ein komisches Gefühl ist das schon, mit vielen anderen in der Kabine“, meint ein Schweizer Snowboarder oben angekommen. Ein oder zwei habe man zuletzt erinnern müssen. „Wir sind jung und gesund“, macht sich eine junge Frau, die gerade ihr Snowboard angeschnallt hat, wenige Sorgen. Die Maske trägt sie – auch wenn sie „nervt“. Auf dem Weg ins Tal lüftet Netzer dann wieder die Kabine durch und unten angekommen desinfiziert er sie. Noch wesentlich ruhiger als gestern Freitag ist es am Donnerstag auf den Pisten. Vor allem Trainingsgruppen sind unterwegs, aber auch einzelne Private, wie ein Kufsteiner, den auch eine zweieinhalbstündige Fahrt nicht abschrecken konnte. „Ich denke, hier heroben kann man sich gar nicht anstecken“, schmunzelt eine Wintersportlerin aus Land­eck mit Blick auf die majestätischen Bergketten – „aber ich weiß, das ist vermutlich ein Trugschluss“.

„Nur die Deutschen müssen sie vor Weihnachten wieder hereinlassen“, betont ein Skifahrer aus dem Zillertal. Das beschäftigt auch andere. „Da nützen die besten Maßnahmen nichts, wenn die Gäste Angst haben“, sagt ein anderer. „Wir Kaunertaler leben vom Herbst“, macht sich auch ein junger Mann Sorgen. Es könnte ein ruhiger Winter werden.


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